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Anlagetipps

Richtig investieren in der Negativzins-Wüste

von Nils Matthiesen

Sparbuch, Tagesgeld und Co. avancieren in Niedrigzinsphasen zu Geldvernichtungsmaschinen. Es bieten sich aber Alternativen an.

Der Europäischen Zentralbank (EZB) scheint angesichts der schrumpfenden Wirtschaft keine Wahl zu bleiben, als die Leitzinsen weiter zu senken. Und da diese derzeit bei 0,0 Prozent stehen, bleibt nur der Negativbereich. Was genau müssen Sparer also tun? Schwierig. Denn die Situation, dass im ganzen Euroraum oder sogar weltweit negative Zinssätze vorherrschen, gab es noch nie. Rückschlüsse aus ähnlichen historischen Umständen zu ziehen, ist daher unmöglich.

Sicheres Sparen ist tot

Mit dem Tipp, erst einmal nicht auf Staatsanleihen zu setzen, lehnen wir uns wohl nicht zu weit aus dem Fenster. So sind bereits heute einige Staatsanleihen negativ verzinst, für zehnjährige französische Staatsanleihen gibt es zum Beispiel aktuell minus 0,24 Prozent. Auch alle deutschen Anleihen, selbst die über 30 Jahre Laufzeit, liegen im negativen Bereich. Auch Sparbücher, Fest- und Tagesgeld werden wahrscheinlich noch unattraktiver, als sie es jetzt schon sind. Alle diese Anlageformen entwerten durch die Inflation dein Geld – es wird also von Jahr zu Jahr weniger, anstatt sich zu vermehren. Selbst die Verbraucherzentrale rät inzwischen von Sparbuch & Co. ab. Früher oder später wird dir also nichts anderes übrig bleiben, als entweder deine Renditeerwartungen deutlich herunterzuschrauben oder dein Sparverhalten anzupassen. Sprich: Du musst mehr Risiko in Kauf nehmen. Dafür bieten sich in erster Linie Aktien an.

Höheres Risiko gefragt

Der Dax steigt seit 30 Jahren im Schnitt um rund zehn Prozent pro Jahr. Zwar hat sich das Wachstum in der Niedrigzinsphase verlangsamt, im Vergleich zu einem Tagesgeldkonto steht der deutsche Leitindex mit 5,6 Prozent pro Jahr seit März 2016 immer noch deutlich besser da. Viele Sparer – insbesondere in Deutschland – scheuen aber die Börse wie der Teufel das Weihwasser. Sie haben Angst vor fallenden Kursen, im Speziellen vor Börsencrashs. Denn dann, so die weit verbreitete Annahme, ist das sauer ersparte Geld futsch. Abgesehen davon, dass solche Crashs sich oft nur als kleine Delle in einem langanhaltenden Aufwärtstrend entpuppen, gibt es erfolgversprechende Strategien am Aktienmarkt, die deutlich weniger Risiko beinhalten. Etwa wenn du auf Dividendentitel setzt. Dividenden sind eine der am häufigsten vernachlässigten Aspekte des Aktienmarktes. Dabei bieten sie dir eine gute Möglichkeit zusätzliches Einkommen zu generieren, ohne dabei ständig auf Kurse schielen zu müssen.

Bitte breit aufstellen

Dividenden fallen nicht annähernd so stark wie Aktien, wenn die Börse nach unten rauscht. Nach dem Ende der Weltwirtschaftskrise gab es nur einen einzigen Fall, in dem die Dividende zweistellig fiel (2007-2009). Und dieser Rückgang von 24 Prozent fiel im Vergleich zu den Aktienkursen (56 Prozent) noch vergleichsweise harmlos aus. Historisch gesehen sind Dividenden zudem eine der wenigen Geldanlagen, die kontinuierlich Renditen weit über die Inflationsrate hinaus erzeugt haben. Wenn du dein Geld also in Fonds, ETFs und einzelne Titel steckst, die eine besonders hohe Dividende versprechen, ist das schon mal keine schlechte Idee. Um das Risiko zu streuen, solltest du aber nicht allein auf Aktien setzen. Zusätzlich kommen Anlagen in Gold, aber auch Immobilien sowie offene Immobilienfonds in Frage.

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Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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