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Wie glücklich macht Geld?

Heute kann ich mir die tollste Kutsche leisten

von Frank Behrendt

Als ich klein war, gab es kein Playmobil. Playstation und elektronisches Spielzeug sowieso nicht. Wir spielten mit Cowboy- und Indianerfiguren aus Spritzguss. Doch das war teuer.

Als ich klein war, gab es kein Playmobil. Playstation und elektronisches Spielzeug sowieso nicht. Wir spielten mit Cowboy- und Indianerfiguren aus Spritzguss. Damals eine Sensation, 50 Pfennige kosteten die kleinen Trapper und Häuptlinge, hoch zu Ross waren sie etwas teurer.

Zu haben waren die Erzeugnisse des schottischen Herstellers Timpo Toys damals überall - auch in Schreibwarenläden auf der Theke. Wann immer wir von Oma ein paar Groschen bekamen oder uns bei den Eltern durch Haus- und Gartenarbeiten etwas verdienten, investierten wir es in die herrlich gestalteten Figuren. Zu Geburtstagen und Weihnachten gab es auch schon mal einen Planwagen, ein Zelt oder eine Feldkanone. Jungenträume der 60er und 70er Jahre.

Mein größter Wunsch war damals eine Überland-Postkutsche - aufwändig gearbeitet in leuchtenden Farben mit dem „Wells Fargo Line“ Schriftzug. DHL im Wilden Westen quasi. Vier herrliche Schimmel zogen das Gefährt, das von einem Cowboy auf dem Kutschbock gelenkt wurde. 19,90 Mark kostete das Prachtstück einst, meinen Eltern war das allerdings zu teuer „für den Plastikkram“.

Ich wurde älter, Mädchen und Mofas waren später spannender als Cowboys und Indianer. Als mein Sohn 2007 geboren wurde, entdeckte ich mein früheres Kinderspielzeug neu. Auf Ebay. Da gab es alles, auch das, wovon ich als Junge träumte. Originalverpackt aus den geräumten Lagerbeständen von pleite gegangenen alten Spielzeugläden. Ich kaufte mir meine einst ersehnte Postkutsche – für stolze 250 Euro.

Als sie ankam, war es wie Weihnachten und Geburtstag auf einmal. Mein großer Kindertraum ist als Erwachsener doch noch wahr geworden. Jeden Euro habe ich gerne überwiesen, weil ich mir damit ein Stück Glück gekauft habe.

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Frank Behrendt
Frank Behrendt
Frank Behrendt hat mit seinen „10 ernsthaften Ratschlägen, wie man locker durchs (Berufs)Leben kommt“ die Arbeitswelt aufgeschreckt. Sein Buch „Liebe dein Leben und NICHT deinen Job“ wurde direkt ein Bestseller. In seinem zweiten Buch „Die Winnetou-Strategie - Werde zum Häuptling deines Lebens“ erklärt er, wie ein moderner Leader agieren sollte. Frank Behrendt lebt mit seiner Frau, drei Kindern und einer französischen Bulldogge mit Namen „Fee“ in Köln und hat eine wöchentliche Kolumne auf „Stern.de“. Er arbeitet als Senior Advisor für Deutschlands größte Inhabergeführte Agenturgruppe Serviceplan.

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