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Im Fall der Fälle

Wie sicher ist dein Erspartes?

von Nils Matthiesen

Was passiert mit deinem Geld, wenn eine Bank zumachen würde? ZASTER klärt auf.

Deutschland im Jahre 2008: In der ersten Oktoberwoche erreicht die Finanzkrise mit voller Wucht die Bundesrepublik, mit der Hypo Real Estate steht plötzlich auch ein großes deutsches Geldinstitut kurz vor der Pleite. Die Bevölkerung wird unruhig und beginnt im großen Stil Bargeld abzuheben, die 100- und 200-Euro-Scheine werden langsam knapp.

Die Bundesregierung muss handeln! Entschlossen treten Kanzlerin Merkel (CDU) und Finanzminister Steinbrück (SPD) vor die Kameras und verkünden: „Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind. Auch dafür steht die Bundesregierung ein“. Ein kurzer Auftritt, doch die Worte zeigen Wirkung. Der Bank Run bleibt aus.

Der Staat als Retter

Doch wie sicher ist dein Erspartes wirklich? Würde die Staatskasse wirklich den Geldspeicher öffnen, wenn es zu einer Bankenpleite kommt, um die „kleinen Sparer“ zu schützen? Wahrscheinlich nicht. Denn es geht um unnormal hohe Summen. Schließlich verfügen die Deutschen über ein Geldvermögen von mehr als 6,2 Billionen Euro (1 Billion = Tausend Milliarden).

Rund ein Drittel davon liegt auf Giro-, Tages- und Festgeldkonten bei den Banken. Wie sollte der Staat eine solche Summe im Falle der Fälle wirklich schultern? Schwierig. Der damalige Finanzminister Steinmeier gab im Nachhinein zu, dass die „Merkel-Garantie“ in erster Linie der Beruhigung dienen sollte.

Zudem räumte die Bundesregierung später ein, dass die Erklärung„keine rechtsverbindliche und damit selbstständig einklagbare Garantie“ darstelle. Ist das Geld also pfutsch, wenn eine Bank pleite geht? Nein. Denn dafür gibt es die Einlagensicherung. ZASTER beantwortet dir alle wichtigen Fragen zu dem Thema.

1
Wie funktioniert die Einlagensicherung?

Kommt es zu einer Bankenpleite, müssen die Institute selbst einspringen. Das funktioniert so: Alle Banken zahlen in einen Topf ein. Bei einem Bankrott werden die Sparer dann aus diesem Topf entschädigt. Auf diese Weise ist dein Erspartes, was etwa auf Giro-, Tages-, oder Festgeldkonten liegt, bis zu einem Betrag von 100.000 Euro abgesichert.

2
Zahlen alle deutschen Banken in die Einlagensicherung ein?

Ja. Es gibt aber verschiedene Systeme.

Gehört eine Bank oder Bausparkasse der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) an, sind Einlagen bis 100.000 Euro pro Person und Bank gesichert. Bei Privatbanken, die sich zusätzlich dem Sicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) abgeschlossen haben, sind sogar Einlagen in Millionenhöhe gesichert.

Öffentliche Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken sichern ebenfalls bis 100.000 Euro ab und gewähren Sparern darüber hinaus über eigene Einrichtungen unbegrenzten Schutz.

Tipp: Auf Einlagensicherung.de kannst du nachschauen, wie es bei deinen Banken aussieht.

3
Sind deutsche Banken sicherer als ausländische?

Nicht unbedingt. Banken mit Sitz in der EU sind ebenfalls mit bis zu 100.000 Euro pro Anleger abgesichert, hier über das Sicherungssystem des jeweiligen Landes. Ausnahmen: Großbritannien entschädigt den Gegenwert von 85.000 britischen Pfund (ca. 99.200 Euro), Schweden bei Banken ohne deutsche Niederlassung nur einen Gegenwert von 950.000 Kronen (ca. 89.400 Euro). Aber: Das ist auch Vertrauenssache: Nicht alle nationalen Einlagensicherungssysteme sind gleich gut aufgestellt. Vielleicht ist im Fall der Fälle dein Geld in Deutschland sicherer als woanders.

4
Sind auch Wertpapiere abgesichert?

Nein. Wertpapiere wie Aktien, ETFs oder Fonds schützt der Einlagensicherungsfonds nicht. Denn die Bank hat lediglich die Aufgabe, diese zu verwahren, Eigentümer bist du selbst. Kommt es zu einem Insolvenzfall, kannst du deine Wertpapiere allerdings zurückfordern oder dein Depot auf ein anderes Institut übertragen.

5
Wie sieht es mit Lebensversicherungen aus?

Lebensversicherungen sind über Protektor geschützt, die Sicherungseinrichtung der deutschen Lebensversicherer. Leistungen für Altersvorsorge und Risikoschutz bleiben in der Regel erhalten, ebenso bereits gewährte Gewinnbeteiligungen.

6
Ist es sinnvoll, mein Geld auf mehrere Banken zu verteilen?

Ja, zumindest wenn dein Vermögen die 100.000 Euro-Grenze überschreitet. Dann ist es in der Tat empfehlenswert, das Geld auf mehrere Banken zu verteilen. Schließlich gilt die gesetzliche Einlagensicherung in Höhe von 100.000 nicht pro Anleger, sondern pro Anleger und Bank. Bedeutet: Wenn du zum Beispiel 300.000 Euro auf der hohen Kante hast und das Geld auf drei Banken verteilst, ist es hundertprozentig durch EU-Recht geschützt. Liegt es nur bei einer Bank, musst du sich auf die zusätzlichen Sicherungssysteme verlassen.

ein Artikel von
Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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