Marcellos Gehaltszettel © privat
Blick ins Haushaltsbuch

Wie ein Programmierer aus Rio sich in Berlin durchschlägt

von Hannes Lustermann

Marcello G. (27) wohnt in Berlin und arbeitet als Entwickler von Android-Software. Der gebürtige Brasilianer ist auch im Privaten technikbegeistert und lässt sich die neuesten Wunderwerke einiges kosten. Überhaupt spart er lieber an der Zeit als am Geld, selbst wenn er das manchmal bereut.

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© Marcello G. (27) arbeitet in Berlin als Entwickler von Android-Software. Der Brasilianer spart nicht bei den Ausgaben, selbst wenn er das manchmal bereut.

Seine letzte große Anschaffung… ist natürlich Elektronik: „Ich habe mir kurz nach dem Verkaufsstart das Smartphone Google Pixel 2XL geholt, da hat es knapp 1000 Euro gekostet. Es ist meiner Meinung nach einfach das beste Android-Smartphone auf dem Markt. Ich nutze mein Handy ja auch wegen des Berufs die ganze Zeit, deswegen ist mir das sehr wichtig. Es wird offiziell direkt von Android unterstützt, dadurch bekomme ich die Updates vor allen anderen. Beim Fotografieren wird eine künstliche Intelligenz eingesetzt, dadurch sehen die Bilder professioneller aus.

Na jedenfalls, ich gebe einfach gerne Geld für gute Hardware aus. Wenn ich mir ein Highend-Gerät der neuesten Generation kaufe, kann ich es drei bis fünf Jahre behalten. Das ist sinnvoller als ständig aufzurüsten, wenn neue Software rauskommt, die hohe technische Voraussetzungen hat. Bei Technik möchte ich definitiv nicht an der falschen Stelle sparen.“

Wie fühlt er sich, wenn er für Technikneuheiten ordentlich was hinblättern muss? „Nachdem ich was gekauft habe, fühle ich mich zugegebenermaßen meist erstmal schlecht, weil es so teuer war. Aber das vergeht schnell, wenn ich die ganzen Funktionen und die Qualität zu schätzen lerne. Ich schaue ja vorher immer genau, was andere Leute davon halten und wie die Bewertungen oder Testergebnisse sind – dann weiß ich, dass es hält, was es verspricht. Außerdem warte ich mindestens einen Monat, damit ich nicht auf einen Hype reinfalle.“

In Brasilien haben wir keine Kultur, unser Geld zu investieren und legen deshalb auch keinen besonderen Wert darauf.

Immer etwas auf die hohe Kante: „Ich lege jeden Monat etwa die Hälfte von meinem Netto-Gehalt auf die Seite. Es kommt eigentlich nur selten vor, dass ich das nicht einhalte und mir nochmal was davon zurückhole. Das war zum Beispiel nötig, als ich mir mein neues Smartphone besorgt habe. Das Geld packe ich einfach auf ein Tagesgeldkonto, ich möchte mich da nicht langfristig auf irgendeine Kapitalanlage festlegen. In Brasilien haben wir keine Kultur, unser Geld zu investieren und legen deshalb auch keinen besonderen Wert darauf.

Ich verdiene Geld, um es auszugeben, und spare vor allem, weil genug übrig ist. Ich behalte aber immer einen genauen Überblick meines Kontostands und meiner Ersparnisse. Zudem nutze ich die App meiner Bank, um zu schauen, was ich in den letzten Tagen ausgegeben habe.“

Ich habe neulich in Budapest 50 Euro Trinkgeld gegeben, weil ich so fröhlich war. Am nächsten Tag habe ich das ein bisschen bereut – ziemlich sogar.

Hier darf es gerne etwas mehr sein: „Neben der Technik gebe ich auch relativ viel Geld für das Weggehen mit Freunden und Konzerte aus. Ich bin ein großer Rock n‘ Roll Fan – Guns n‘ Roses, Royal Blood oder auch Black Rebel Motorcycle Club, das ist mein Ding. Falls die Bands irgendwo in meiner Nähe auftreten, gehe ich auf jeden Fall hin. Für meine absoluten Lieblingsbands fahre ich auch mal auf Festivals oder in eine andere Stadt, denn so eine Live-Performance ist einfach geil.“

Auch das Reisen darf nicht zu kurz kommen. „Ich war lange nicht mehr in Brasilien, versuche aber stattdessen, in verschiedene Länder mit unterschiedlichen Kulturen zu reisen, um sie kennenzulernen. Deswegen bin ich auch nach Deutschland gekommen, denn es liegt mitten in Europa, und von hier aus kann man leicht reisen. Als nächstes möchte ich nach Italien, weil meine Urgroßeltern von dort kommen, und meine Wurzeln kennenzulernen. Wenn ich im Urlaub bin, möchte ich nicht zu sehr aufs Geld schauen. Ich meine, wozu gehe ich sonst die ganze Zeit arbeiten? Ich habe neulich in Budapest in einer Bar 50 Euro Trinkgeld gegeben, weil ich die Stimmung einfach klasse fand und der Barkeeper so zuvorkommend war. Am nächsten Tag habe ich das ein bisschen bereut – ziemlich sogar.

Wenn sie mich allerdings in Brasilien übers Ohr hauen wollen, dann kaufe ich einfach gar nichts, statt zu verhandeln.

Hier ist er kostenbewusst: „Da fällt mir eigentlich wenig ein. Ich teile mein Netflix- und mein Playstation-Abo mit meiner Familie, aber nicht, um weniger zu zahlen, sondern weil es sowieso für alle reicht. Ich spare lieber meine Zeit, als mein Geld. Deswegen bezahle ich lieber den angebotenen Preis, als erst etwas Günstigeres zu suchen. Wenn sie mich allerdings in Brasilien übers Ohr hauen wollen, dann kaufe ich einfach gar nichts, statt zu verhandeln.“

Noch ein Blick in ein Haushaltsbuch – hier weiterlesen:

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ein Artikel von
Hannes Lustermann