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Verrückte Politik

Was Negativzinsen für dich bedeuten

von Nils Matthiesen

Stell dir vor du gehst zur Bank und bekommst Geld dafür, dass du Geld leihst. Klingt verrückt? Ist es aber nicht. Zaster erklärt, was du wissen musst.

Einige Experten sind sich bereits sicher: Die Negativzinsen kommen. Der Europäischen Zentralbank (EZB) würde angesichts der schrumpfenden Wirtschaft keine Wahl bleiben, als die Leitzinsen weiter zu senken. Und da diese derzeit bei 0,0 Prozent stehen, bliebe nur der Negativbereich. Dazu musst du wissen: Richtig ungewöhnlich ist das nicht. So sind bereits einige Staatsanleihen negativ verzinst, für zehnjährige französische Staatsanleihen gibt es zum Beispiel aktuell minus 0,24 Prozent. Auch alle deutschen Anleihen, selbst die über 30 Jahre Laufzeit, liegen im negativen Bereich. Und die drittgrößte Bank Dänemarks vergibt inzwischen sogar negative Immobilienkredite. Wenn du Däne wärst, würdest du also dafür bezahlt werden, Schulden zu machen. Kurzum: Das Finanzsystem, wie wir es kennen, wird derzeit auf den Kopf gestellt. ZASTER beleuchtet, was dahintersteckt und wie du darauf reagieren solltest.

Das System mit dem Zins

Zinssätze gelten typischerweise als der Preis, der für das Leihen von Geld gezahlt wird. Nimmst du zum Beispiel ein mit fünf Prozent pro Jahr verzinstes Darlehen über 1.000 Euro auf, musst du neben der Darlehenssumme zusätzlich 50 Euro pro Jahr zurückzahlen, also nach einem Jahr 1.050 Euro. Bei einem Negativzins von fünf Prozent müsstet du stattdessen nur 950 Euro zurückerstatten. Angenommen du willst dir also einen schicken Fernseher gönnen, hast aber kein Geld. Kein Problem: Du leihst dir das Geld und sparst dadurch zusätzlich. Hört sich nicht schlecht an. Damit ist die Grundidee von Negativzinsen schon einmal klar:

Der Konsum und gleichzeitig die Wirtschaft soll angekurbelt werden. Schließlich neigen Menschen und Unternehmen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten dazu, ihr Geld zu horten. Dieses Verhalten kann die Wirtschaft weiter schwächen, was wiederum Arbeitsplatzabbau zur Folge hat, was den Menschen noch mehr Angst macht, ihr Geld auszugeben. Ein Teufelskreis, den die Politik mit niedrigen Zinsen oder eben Negativzinsen zu durchbrechen versucht.

Radikales Instrument

Allerdings sind Negativzinsen äußerst radikal. Sie kamen erstmals im Juli 2009 bei der schwedischen Zentralbank zum Einsatz, als sie den Tagesgeldsatz auf -0,25 Prozent senkte. Die Europäische Zentralbank (EZB) folgte im Juni 2014, als sie ihren Einlagesatz auf -0,1 Prozent senkte. Auch in anderen Ländern, wie zum Beispiel in Japan, haben sich inzwischen negative Zinssätze etabliert. Ganz ohne Risiko ist dieses Spiel allerdings nicht: Es steigert beispielsweise die Gefahr, dass sich der Immobilienmarkt weiter erhitzt, klamme Staaten und Unternehmen künstlich weiter am Leben gehalten werden und dass der Bankensektor wieder unter Druck gerät. Auch die klassischen Sparer müssen bluten.

Warum die Banken mitmachen müssen

Warum sollten Banken aber so blöd sein, dir Geld fürs Geld leihen zu zahlen? Klare Sache: Natürlich würden sie lieber an den Zinsen verdienen, anstatt zu zahlen. Sie werden aber von der EZB dazu gezwungen. Denn wenn sie es nicht verleihen, müssen sie fürs „Parken“ des Geldes noch höhere Gebühren bezahlen. Die negativen Zinsen gelten natürlich auch für dich: Du zahlst auch für jeden Euro, den du auf dem Girokonto, Sparkonto oder Tagesgeld bunkerst. Damit tragen solche Anlagen noch mehr zur Geldvernichtung bei. Denn neben der Inflation kommen die Negativzinsen obendrauf. Aktien, ETFs und Fonds werden daher noch interessanter, denn sie sind von den negativen Zinsen nicht unmittelbar betroffen.

Fazit

Auch wenn negative Zinssätze verrückt erscheinen, sind sie für die EZB offenbar kein Tabu. Welche mittel- und langfristigen Auswirkungen das auf Wirtschaft und Euro hat, ist schwer vorauszusagen. Besonders gesund erscheint diese Entwicklung auf jeden Fall nicht.

ein Artikel von
Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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