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BÖRSENWISSEN

Warum steigen die Börsen immer weiter?

von Nils Matthiesen

Seit nunmehr knapp 100 Jahren kennen die großen Börsen langfristig nur eine Richtung: Nach oben. Erfahre, warum das so ist und ob es so weitergeht.

An der Börse geht es hoch und runter. Vor allem aber hoch (auch wenn es momentan nicht so aussieht). Der MSCI World Kursindex, der die Entwicklung tausender Aktien aus der ganzen Welt darstellt, hat sich seit Anfang 1970 mehr als verzehnfacht. In den letzten 50 Jahren hat einer eine durchschnittliche Jahresrendite (inklusive Dividenden) von 8 Prozent erzielt. Andersherum: Aus 1.000 Euro im Jahre 1970 wurden bei einer Investition in den MSCI World über 73.000 Euro. Aktien laufen seit Jahrzehnten richtig gut. Aber vor allem Sparer, die jetzt erst einsteigen wollen, fragen sich: Kann es immer so weiter gehen?

Kein leichter Weg nach oben

Wer sich historische Kurscharts genau anschaut stellt fest: Es ging nicht geradlinig nach oben, ganz im Gegenteil gab es viele Rückschläge. Trotzdem ging es langfristig immer aufwärts. In rund 3 von 4 Jahren lagen die Börsen im Plus. Und es gab keine Periode, in der der Aktienmarkt auf 20-Jahres-Sicht rückläufig gewesen wäre – trotz großer Krisen.  Aber warum ist das so? Ist das Wachstum von Aktien nicht begrenzt? Ist nicht irgendwann das Ende der Fahnenstange erreicht?

Wahrscheinlich nicht. Denn der wichtigste Treiber für steigende Aktienkurse ist Wirtschafts- beziehungsweise Gewinnwachstum bei den Unternehmen. Und das ist bislang immer weiter gestiegen. Zum Beispiel sind in den USA die in den letzten 94 Jahren die Gewinne auf dem US-Aktienmarkt jährlich um 6 Prozent gestiegen und die Dividenden um 5 Prozent.  Anleger investieren in Aktien, weil sie von den Gewinnen der Unternehmen ein Stück abhaben wollen (und weil sie auf steigende Kurse hoffen). Und da die Gewinne weiterwachsen, geht es auch an den Börsen immer weiter hoch. 

Höhere Gewinne = steigende Börsen

Das Unternehmen Anleger an ihren Gewinnen beteiligen ist alles andere als ungewöhnlich. Die durchschnittliche Ausschüttungsquote der Unternehmen im großen US-Aktienindex S&P 500 liegt seit 1928 liegt bei über 50 Prozent. Anders ausgedrückt: Die Unternehmen haben mehr als die Hälfte ihrer Gewinne an die Aktionäre ausgeschüttet.

Nehmen wir Apple, eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. 2014 erwirtschaftete der von Steve Jobs gegründete Konzern einen Umsatz von mehr als 182 Milliarden US-Dollar und einen Nettogewinn von 39,5 Milliarden US-Dollar. Im Geschäftsjahr 2021 betrug der Umsatz dagegen bereits 386 Milliarden US-Dollar und der Nettogewinn lag bei 94,7 Milliarden US-Dollar. Sprich: Der Umsatz und Gewinn haben sich mehr als verdoppelt. Zudem hat Apple in diesem Zeitraum mehr als 103 Milliarden US-Dollar in Form von Dividenden an seine Aktionäre ausgeschüttet. Apple allein ist heute (Stand 18.5.2022) knapp 2,5 Billionen US-Dollar wert. Der Marktwert des gesamten US-Aktienmarktes lag 1982 bei 1,2 Billionen US-Dollar. Die Börsen steigen mit der Zeit, weil die gelisteten Unternehmen größer werden und immer mehr Geld verdienen.

Es geht nach oben, weil es auch mal nach unten geht

Ein weiter Grund, weswegen der Aktienmarkt langfristig steigt, hört sich im ersten Moment paradox an: Er steigt, weil er ab und an auch mal fällt. Auf den zweiten Blick ergibt das aber Sinn. Die Renditechancen wären schließlich nicht so groß, wenn es nicht von Zeit zu Zeit nicht auch einmal nach unten gehen würde. Es wäre auch zu einfach, wenn du dein Geld in Aktienfonds und -ETFs stecken und fortan von einer garantierten Rendite von 7 bis 8 Prozent ausgehen könntest. Das würde jeder machen. Und die Aktien hätten in Deutschland auch nicht so einen schlechten Ruf. Nein, investierst du an der Börse, bekommst du eine unvorhersehbare Mischung aus gewaltigen Kurssprüngen und schmerzenden Verlustperioden. Das muss so sein. 

Fazit

Trotz und gerade wegen der Risiken, die mit der Anlage in Aktien verbunden sind, ist die Chance langfristig höher Gewinne zu erzielen, als Geld zu verlieren. Die Chancen stehen gut, dass es so weiter geht. 

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ein Artikel von
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.