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FINANZEN LEICHT ERKLÄRT

Warum du Analysten nicht trauen kannst

von Nils Matthiesen

Gute Aktie, schlechte Aktie? Steigende Börse, fallende Börse? Analysten geben vor, genau Bescheid zu wissen. Trotzdem solltest du ihrem Urteil nicht blind folgen.

Es gibt unzählige Aktien da draußen. Doch welche sind ein Investment wirklich wert? Und in welche Richtung entwickelt sich die Börse? Schwer zu sagen. Aber Moment mal: Es gibt doch Spezialisten, die sich den ganzen Tag nur mit den Themen Wirtschaft und Geldanlage beschäftigen. Die müssten doch genau wissen, wie der Hase läuft, oder? Doch wie arbeiten diese Analysten und kannst du ihnen trauen? ZASTER blickt hinter die Kulissen.

Analysten: Börsenprofis mit Glaskugel

Buy, sell, hold (bzw. Outperform, Underperform, Neutral), also „kaufen“, „verkaufen“ oder „halten“: Auf diese drei Wörter kommt es bei Analysten an. „Kaufen“ bedeutet, dass der Analyst steigende Kurse beziehungsweise Gewinne erwartet, bei „verkaufen“ ist das Gegenteil der Fall. „Halten“ ist dagegen neutral und geht von einer dem Markt entsprechenden Performance aus. Um zu so einem Urteil zu gelangen, schauen sich die Analysten das Unternehmen sowie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen genau an und bewerten die gewonnenen Erkenntnisse anhand ihrer eigenen Modelle. Sie sollten wissen, wovon sie reden, schließlich haben Wertpapieranalysten in der Regel einen akademischen Hintergrund in einem wirtschaftsbezogenen Studium. Gemeinhin gelten sie als absolute Spezialisten auf ihrem Gebiet.

Analysten liegen oft daneben

Doch trotzdem liegen sie allzu oft daneben. Nehmen wir das Beispiel 2018. Die meisten Analysten waren für den DAX positiv gestimmt, tatsächlich sackte der deutsche Leitindex aber kräftig ab. Im Schnitt lagen die Börsenprofis um mehr als 3.500 Punkte daneben, das entspricht einer Abweichung um 25 Prozent. Eine Ausnahme? Mitnichten. Analysten haben weder den großen Abschwung von 2001 und 2002 im Vorfeld vorhergesagt noch die Finanzkrise von 2008. In diesem Jahr wich die Durchschnittsprognose um bis zu 80 Prozent von der Realität ab. Auch wer sich die Bewertungen von Einzeltiteln genauer anschaut, wird mitunter verwirrt sein. Aktuelles Beispiel Daimler: Einige Analysten raten zum Kauf, andere empfehlen „halten“ und wieder andere meinen, du solltest die Papiere abstoßen. Was ist also auf Analysten-Prognosen zu geben?

Hier steht nur eines fest: Mindestens 14 von 25 Analysten liegen bei Daimler zur Zeit falsch.
Hier steht nur eines fest: Mindestens 14 von 25 Analysten liegen bei Daimler zur Zeit falsch. © Screenshot Comdirect

Warum du Analysten-Ratings nicht blind trauen solltest

Blind solltest du den Ratschlägen von Analysten auf jeden Fall nicht folgen. Und das aus verschiedenen Gründen:

  • Irrational: Die Geschehnisse an der Börse hängen zu einem großen Teil von den Aktionen und Entscheidungen bestimmter Personen ab, etwa Politikern und Firmenchefs. Und diese lassen sich – im Gegensatz zu wissenschaftlichen Prognosen, die auf Naturgesetzen basieren, kaum vorhersagen.
  • Herdentrieb: Innerhalb der Analystengemeinde herrscht ein gewisser Konformitätsdruck. Der sorgt dafür, dass viele Analysten dazu neigen, sich mit ihrer Einschätzung nicht zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen. Denn wenn alle falsch liegen, steht der Einzelne nicht als Idiot da.
  • Kurzer Ausblick: Fast alle Analysten geben ihre Kursziele für 12 Monate an. Möchtest du langfristig investieren, hilft dir das also wenig.

Fazit

Wenn Wetter-Apps so oft daneben liegen würden wie Analysten – keiner würde sie mehr nutzen. Trotz der übersichtlichen Trefferquoten sind Kapitalmärkte ohne Prognosen unvorstellbar. Einfach weil viele Leute ein großes Bedürfnis danach haben. Wenn du Wertpapiere suchst, solltest du zumindest in einige Bewertungen von Analysten mit einer hohen Trefferquote einmal hereinschauen. Denn sie enthalten oft Aspekte, die du vielleicht noch nicht bedacht hast.

ein Artikel von
Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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