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Umweltbilanz verheerend

Warum Bitcoin die dreckigste Währung der Welt ist

von Nils Matthiesen

Bitcoins werden nicht durch Notenbanken herausgegeben, sondern durch so genanntes Mining errechnet. Dazu kommen entweder besonders leistungsstarke Rechner oder gigantische Netzwerke aus zehntausenden PCs zum Einsatz. Der Strombedarf ist enorm und eine Sauerei, wie aktuelle Studien zeigen.

Wer auf Kryptowährungen setzte, fuhr in den vergangenen Monaten richtig dicke Gewinne ein – die Kurse explodierten förmlich. Auch Bitcoins waren wieder ganz vorn mit dabei. Lange nur eingefleischten Computerfreaks ein Begriff, rückt die Digitalwährung durch ihren schwindelerregenden Kursanstieg und ihre extremen Preisschwankungen immer mehr ins Rampenlicht. Wer von Anfang an dabei, ist jetzt sogar wahrscheinlich reich. Schließlich kletterte der Kurs von etwa 1 Dollar pro Stück im Jahr 2011 auf ein Allzeithoch von mehr als 60.000 Dollar Anfang dieses Jahres.

Exessives Mining avanciert zum Problem

Doch es kommen immer mehr Schattenseiten zum Vorschein. Denn Bitcoins werden nicht durch Notenbanken herausgegeben, sondern durch so genanntes Mining errechnet. Dazu kommen entweder besonders leistungsstarke Rechner oder gigantische Netzwerke aus zehntausenden PCs zum Einsatz. Die Umweltbilanz der Währung ist dadurch verheerend.

Vor allem der Energiebedarf für Berechnung und Verwaltung steigt immer weiter. Laut Berechnungen von Digiconomist.com wird beispielsweise für eine einzelne Bitcoin-Überweisung über 1.000 Kilowattstunden Strom verbraucht – das entspricht rund 25 kompletten Batterieladungen für einen BMW i3. Obendrein entstünden zudem durch jede Bitcoin-Transaktion knapp 477 Kilo CO2.

Das entspricht über einer Million Kreditkartentransaktionen oder 80.000 Stunden YouTube-Glotzen. Dazu kommt der gewaltige Energiebedarf durchs „Schürfen“ neuer Bitcoins. Vor allem in China steige der Energieverbrauch und damit die Kohlenstoffemissionen rapide an, die mit dem Bitcoin-Mining verbunden sind, so eine neue Studie vom Magazin Nature.


Eine einzige Bitcoin-Überweisung benötigt unfassbar viel Strom.
Eine einzige Bitcoin-Überweisung benötigt unfassbar viel Strom. © digiconomist

Höherer Energieverbrauch als Italien

Demnach könnte der Energieverbrauch des Mining im Jahr 2024 mit rund 297 Terrawattstunden seinen Höhepunkt erreichen und etwa 130 Millionen Tonnen Co2-Emissionen erzeugen. Diese Mengen übersteigen den gesamten jährlichen Ausstoß von Treibhausgasen kompletter Länder wie Italien oder der Tschechischen Republik. Verantwortlich dafür ist die Struktur der Kryptowährung.

Bitcoin-"Miner" werden mit Bitcoins belohnt, wenn sie Transaktionen überwachen und verifizieren. Beides ist extrem rechenaufwendig. Je mehr Rechenleistung ein Miner hat, desto höhere Belohnungen kann er abgreifen. Aus diesem Grund haben Menschen auf der ganzen Welt Bitcoin-Mining-"Farmen" eingerichtet, die aus Tausenden Computern samt hochleistungsfähiger Grafikkarten (GPUs) bestehen. Diese laufen Tag und Nacht rund um die Uhr.

Die an der Studie beteiligen Forscher der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking, der Cornell University in den USA und der University of Surrey in Großbritannien warnen: „Ohne jegliche politische Intervention übersteigt dieser Emissionsausstoß den gesamten Treibhausgasausstoß der Tschechischen Republik und Katars im Jahr 2016."

Forscher: So geht es nicht weiter

Doch was dagegen tun? Die Forscher schlagen vor, dass Minern mit geringer Effizienz der Eintritt in den chinesischen Bitcoin-Markt untersagt wird. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass Bitcoin-Miner, die sich Chinas kohlereichen Gebieten niedergelassen haben, zu einem Umzug motiviert werden sollten. Etwa in Gebiete, wo der Strom vorrangig aus Wasserkraft stammt. Nicht zuletzt wäre es hilfreich, die Co2-Steuer zu verdoppeln. Die derzeitigen Maßnahmen wären nicht ausreichend, die Emissionen der Bitcoin-Industrie wirkungsvolleinzudämmen.

Fazit

Wer halbwegs umweltfreundlich handeln und seinen Co2-Fußabdruck verkleinern will, muss um Bitcoin eigentlich einen großen Bogen machen. Das ausgerechnet Tesla 1,5 Milliarden Euro in Bitcoins investiert hat und die Grünen eine Millionenspende aus Spekulationsgewinnen mit der Kryptowährung angenommen haben, passt zum Beispiel überhaupt nicht ins Bild.

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Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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