WAS ICH DIESE WOCHE ÜBER GELD GELERNT HABE

Über Geld reden? Wirkt Wunder!

von Marcus Lucas

Geld begleitet uns jeden Tag und jede Sekunde unseres Lebens. Trotzdem ist es ein einziges Mysterium. Und oft ein Tabuthema. In unserer neuen ZASTER-Kolumne „Was ich diese Woche über Geld gelernt habe“ versuchen wir, Licht ins Dunkel zu bringen. Für den Anfang also ein Aufruf: Wir müssen reden – auch über Geld!

Vor ein paar Tagen bin ich am Züricher Flughafen einem Impulskauf erlegen. Es war vorm Rückflug nach Berlin, ich hatte nichts zu lesen dabei, also stromerte ich durch den Zeitschriftenstand. Da blieb ich an einem Buch namens „Open Up“ hängen – beziehungsweise vor allem an seinem Untertitel: „Why talking about Money will change your life”.

Ich blätterte circa vier Sekunden durch, entdeckte Kapitel namens “Dating“, „Alcohol, Cocaine and other vices“ oder „My weird spending habits“ und wusste: Wow, DAS ist mal kein normales Buch über Finanzen. DAS könnte ein Buch sein, dass für Menschen wie mich geschrieben wurde. Menschen, die keine Ahnung von Geld haben. Oder, genauer gesagt, keine Ahnung davon haben, wie man Geld richtig ausgibt, spart, anlegt, damit haushält. High-Functioning-Economically-Challenged Persons. Die, egal, wieviel Geld sie verdienen, es scheinbar ohne Sinn und Verstand verbrennen, bis nichts mehr da ist. Und es dann am Ende jedes Monats wieder durch frisches Brennmaterial ersetzt wird. (Warum bitte heißt es denn „Kohle“!?)

Ich habe gefühlt immer okay verdient, mal weniger, auch schon mal deutlich mehr als das, was Psychologen für das ideale, glücklich machende Einkommen halten. Wofür all das schöne Geld ständig draufgeht? Ich weiß es doch auch nicht! Leben halt. Kein Fünf-Sterne-Luxus-Leben, nur ein ganz normales kleines Leben. In letzter Zeit dachte ich mir schon öfter, ich sollte mal lernen, Geld bei mir zu behalten, es gar für mich ARBEITEN zu lassen (Pure Magie!).

So gesehen war das Buch vielleicht doch kein Impulskauf, sondern vermutlich ein Wink des Schicksals. Also habe ich gerne – hoffnungsfroh, nun endlich zu lernen, nicht mehr ständig Geld auszugeben – 16,50 Schweizer Franken dafür ausgegeben. Aber es scheint mir wirklich eine gute Anlage zu sein. Das Buch der britischen Autorin Alex Holder ist nämlich eben kein Ratgeber mit Spar- und Anlage-Tricks, sondern fängt erstmal bei den wirklichen Basics an: Bei unserem emotionalen Verhältnis zu Geld, unserer Kindheit, all den psychologischen Komplexen und Verkorksungen, die wir durch unseren Alltag schleppen.

So wie wir gelernt haben, über einstige Tabuthemen wie Sex und Mental Health zu sprechen, müssen wir auch lernen, über Geld zu reden

Das wichtigste Learning: So wie wir in den vergangenen Jahren gelernt haben, offen über einstige Tabuthemen wie Sex oder Mental Health zu sprechen, müssen wir dringend lernen, über Geld zu reden. Das habe ich nun wirklich noch nie gemacht, noch nie gelernt. Zweitwichtigstes Learning: Sieh nicht weg. Schau dir deine verdammten Kontoauszüge an. Lerne, wofür du wieviel ausgibst. Hab ich auch noch nie gemacht. Also, REDEN! Ich habe in den vergangenen Tagen erste zaghafte Versuche unternommen, mit Freund*innen über Geld zu sprechen, und es fühlt sich unfassbar super an. Befreiend.

Und HINSCHAUEN! Beflügelt machte ich dann gestern abend einen Deep Dive durch die ozeanischen Tiefen meiner Kreditkartenabrechungen. Mal nur ein Beispiel für die finanziellen Wracks, die ich da so entdeckt habe: Offenbar überweise ich seit vier Jahren jeden Dezember fast 200 Euro für das „Premium-Abo“ eines amerikanischen Online-Finanzportals, das seine User zu Aktienmillionären zu machen verspricht. Natürlich habe ich das bis heute nicht ein einziges Mal genutzt, und natürlich hatte ich keinen blassen Schimmer, dass ich dieses Abo überhaupt jemals abgeschlossen hatte.

Es zu kündigen und durch meinen inneren Sparschweinestall zu fegen, hat sich so gut und befreiend angefühlt, als hätte mir jemand zwei druckfrische 100-Euro-Scheine in die Hand gedrückt.

Open up! Es funktioniert!

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ein Artikel von
Marcus Lucas