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Wie reich bist du?

Wie du dich online vergleichen kannst – und warum du es nicht machen solltest

von Nils Matthiesen

Menschen vergleichen sich gerne mit anderen, insbesondere wenn es um Status und Geld geht. Lass dich aber nicht verunsichern – oder lasse es am besten gleich ganz.

1867 Euro Gehalt – das ist in Deutschland die magische Grenze. Ist dein monatliches Nettoeinkommen höher, gehörst du zu den Besserverdienenden, ist es niedriger, zählst du zur ärmeren Hälfte Die komplette interaktive Statistik dazu findest du hier.

Vergleiche unsinnig

Auch wenn du zu der Gruppe der Wohlhabenden zählst: Mit dem Gehalt beziehungsweise Geld ist es so eine vertrackte Sache. Selbst, wenn du 2000, 3000 oder sogar 5000 Euro verdienst, richtig „reich“ wirst du dich wahrscheinlich nie fühlen. Das liegt unter anderem daran, dass wir uns eher mit Leuten vergleichen, denen es augenscheinlich besser geht als uns. Wie sonst sollten sie sich diese ganzen Dinge leisten können? Der Nachbar hat schon wieder ein neues Auto, der Kollege fliegt nach Dubai und dein Kumpel hat schon wieder das neuste iPhone in der Tasche. Die Vermutung liegt nahe, dass diese Leute eine ganze Menge mehr Geld verdienen müssen, als ihr selbst.

Doch die Wahrheit sieht womöglich komplett anders aus: Vielleicht hat sich der Nachbar für das Auto hoch verschuldet oder einen Leasing-Vertrag aufgenommen. Oder der Kollege hat schon jahrelang auf die Reise gespart? Oder der Kumpel muss dafür ein Jahr lang bei seinen Eltern den Garten pflegen. Was weißt du schon.

Mehr Schein als sein

Du solltest dich nicht mit anderen vergleichen. Denn du siehst lediglich das, was andere dich sehen lassen wollen. Der Soziologie Thorstein Veblen berichtete bereits 1899 über das Prinzip des Geltungskonsums. Demnach erwerben Menschen Luxusgegenstände in erster Linie deshalb, um anderen einen bestimmten sozialen Status vorzugaukeln. Das machen aber nicht nur reiche Menschen, sondern alle Bevölkerungsschichten. Ein Grund dafür ist zum Beispiel der enorme Erfolg von Markenware. Dieses Verhalten führt aber dazu, dass wir das Gefühl haben, dass sich andere Menschen viel mehr leisten können, als wir selbst. Doch das stimmt meist überhaupt nicht.

Du verdienst mehr, als du denkst

Wenn du dich schon vergleichen willst, solltest du besser eine Seite wie „How rich I am“ besuchen. Das Prinzip hinter der Seite ist einfach. Du gibst dein Herkunftsland ein und wie viel du netto verdienst und wie viele Personen im Haushalt leben. Augenblicke später erfährst du dann, wie wohlhabend du im Vergleich zu den Reichsten und den Ärmsten dieser Welt bist. Laut der interaktiven Statistik von oben wären das also bei einem durchschnittlichen, deutschen Single 22.438 Euro.

Reich mit Hartz 4

Jetzt kommt’s: Schon mit diesem Durchschnittsgehalt zählst du laut der Seite zu den reichsten vier Prozent der Welt und verdienst 21 mal so viel wie der durchschnittliche Erdenbürger. Und selbst mit 10.000 Euro netto pro Jahr – also knapp über Hartz 4-Niveau – landet man noch unter den einkommensstärksten 13 Prozent der Welt. Denke immer daran: Obwohl du vielleicht nicht superreich bist, geht es dir wahrscheinlich besser, als du denkst.

Fazit

Vergleiche sind generell unsinnig. „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit“, mahnte schon der dänische Philosoph Søren Kierkegaard. Sein französischer Kollege, der Aufklärer Montesquieu, wusste auch, weshalb: „Man will nicht nur glücklich sein, sondern glücklicher als die anderen. Und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten, als sie sind.“

ein Artikel von
Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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