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FINANZWISSEN

Schwellenländer Aktien-ETFs: Sorgt 2024 für eine positive Überraschung?

von Markus Kaiser

Mit ETFs weltweit breit gestreut in die Aktienmärkte der Schwellenländer investieren: Verschiedene Indexkonzepte bieten Fonds-Selektoren eine gute und günstige Auswahl!

In den letzten Jahren erfreuten sich vor allem Investments in die global anlegenden MSCI World ETFs einer steigenden Beliebtheit, in dessen Folge deren Anlagevolumina durch Zuflüsse stark gesteigert werden konnten. Doch anders als man bei dem Namen des Anlage-Klassikers vermuten könnte, investieren MSCI World ETFs nicht in die gesamte Weltwirtschaft. Der zugrundeliegende Index MSCI World umfasst nämlich ausschließlich Aktien der Industrieländer, die Schwellenländer sind gar nicht enthalten. Dabei tragen diese nicht unerheblich zum weltweiten Wirtschaftswachstum bei. Anleger, die an der Entwicklung der gesamten Weltwirtschaft teilhaben möchten, sollten daher auch einen Blick auf das Angebot der Schwellenländer-ETFs werfen, die zumeist über das Pendant zum MSCI World, den MSCI Emerging Markets Index, abgebildet werden. 

Was sind die Merkmale von Schwellenländern?

Als Schwellenländer bzw. Emerging Markets werden aufstrebende Märkte klassifiziert, die sich aktuell noch entwickeln. Dabei sind sie u.a. durch ein niedriges Pro-Kopf-Einkommen gekennzeichnet. In den Schwellenländern schreitet die Industrialisierung stetig voran, und so stehen sie wortwörtlich an der Schwelle der Transformation von einem Entwicklungsland zu einem Industriestaat. Eine hohe Arbeitsproduktivität bei niedrigem Lohnniveau und das Pro-Kopf-Einkommen sowie die durchschnittliche Lebenserwartung, überdurchschnittliche Wachstumsraten und der Aufbau der Infrastruktur werden als volkswirtschaftliche Indikatoren zur Bewertung von Schwellenländern herangezogen. Wirtschaftsexperten zufolge befinden sich Schwellenländer seit Jahren auf der Überholspur. Steigende Urbanisierung, bessere Lebensstandards und die Öffnung der Finanzmärkte bieten dabei Chancen für lokale Player und internationale Investoren. Auch der Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung ist überzeugend; so weisen die Schwellenländer nicht nur ein deutlich höheres Wirtschaftswachstum im Vergleich zu den Industrieländern aus, auch steigt ihr Anteil an der weltweiten Wirtschaftsleistung von Jahr zu Jahr weiter an. Dennoch konnte der MSCI Emerging Markets Index mit der Performance des MSCI World Index nicht annähernd mithalten, und das trotz einer niedrigeren Bewertung der Unternehmen, deren durchschnittliches KGV lediglich bei 11,5 liegt. 

Trotz eines Wertzuwachses von 56 % hat der MSCI Emerging Markets in den letzten 10 Jahren gegenüber dem MSCI World kräftig an Boden verloren!

Neben den großen und mittelgroßen Unternehmen werden in diesem Index mit einem Anteil von ca. 5 % auch kleine Unternehmen, die sogenannten Small-Caps, berücksichtigt. Ähnlich wie die Schwellenländer selbst, werden auch Small-Caps von Anlegern in ihren Portfolios häufig vernachlässigt. Die hohe Diversifikation im Index hat viele Fonds-Selektoren überzeugt, denn mit einem Fondsvolumen von 16,5 Mrd. Euro ist der iShares Core MSCI EM IMI UCITS ETF mit Abstand der größte Aktien-ETF im Segment der Schwellenländer-ETFs. Die Gesamtkostenquote des im Mai 2014 in Irland aufgelegten Aktien-ETFs liegt bei 0,18 % p.a. und bietet so ebenfalls einen günstigen Zugang zu einem international breit diversifizierten Portfolio.

Vanguard FTSE Emerging Markets UCITS ETF

Der ETF-Anbieter Vanguard setzt vornehmlich auf Indizes von FTSE Russel, wie den FTSE Emerging Index, den der Vanguard FTSE Emerging Markets UCITS ETF (WKN: A1JX51) abbildet. Der Index umfasst rund 2.000 Unternehmen mit mittlerer und großer Marktkapitalisierung aus 24 Schwellenländern. Der wesentliche Unterschied zu MSCI besteht darin, dass Südkorea bei FTSE als Industrieland klassifiziert und dementsprechend im Index nicht berücksichtigt wird. Die Gesamtkostenquote des im Mai 2012 in Irland aufgelegten ETFs beträgt 0,22 % p.a. und ist nur unwesentlich höher als bei iShares. Das Fondsvolumen liegt bei gut 2 Mrd. Euro und die Ausschüttungsrendite betrug zuletzt rund 2,5 % p.a. Geringe Unterschiede zeigen sich auch in der Wertentwicklung; so legte der Vanguard FTSE Emerging Markets UCITS ETF über ein Jahr um 4,5 % an Wert zu und weist über 3 Jahre ebenfalls eine negative Rendite von -1,9 % aus.

Große Auswahl: Wer die Wahl hat, hat die Qual!

Insgesamt buhlen mehr als 90 Schwellenländeraktien-ETFs um die Gunst der Fonds-Selektoren, wobei in dieser Gesamtzahl auch verschiedene Anlageklassen einzelner ETFs und auch Sektor-ETFs berücksichtigt wurden. Die Gesamtkostenquote der Schwellenländer Aktien-ETFs liegt in einer Spanne zwischen 0,08 % p.a. und 0,95 % p.a.

Mehr als 1.400 große und mittelgroße Unternehmen aus 24 Schwellenländern:

Wer breit gestreut und nach Marktkapitalisierung gewichtet in die Schwellenländer investieren möchte, kann vor allem aus den drei Indexkonzepten MSCI Emerging Markets, MSCI Emerging Markets IMI und FTSE Emerging Markets wählen. Die meisten Aktien-ETFs basieren auf dem MSCI Emerging Markets Index, der sich aus mehr als 1.400 großen und mittelgroßen Unternehmen aus 24 Schwellenländern zusammensetzt und so rund 85 % der um den Streubesitz bereinigten Marktkapitalisierung der jeweiligen Länder abdeckt. Mit einem Anteil von 85 % dominieren die asiatischen Aktienmärkte die Gewichtung. Die wichtigsten Märkte sind dabei China mit 26 %, Indien mit 17 %, Taiwan mit 16 % und Südkorea mit einem Anteil von 13 %. Lateinamerika macht knapp 10 % des Index aus, weitere 5 % verteilen sich auf den Rest der Welt. Unter den Top 10-Titeln finden sich u.a. Technologietitel wie Taiwan Semiconductor, Samsung Electronics und Tencent. Insgesamt machen Technologietitel als größter Sektor gut 22 % des Index aus. Ebenfalls 22 % entfallen auf Finanzwerte. 

iShares MSCI EM UCITS ETF USD

 Bereits am 18. November 2005 wurde der ausschüttende iShares MSCI EM UCITS ETF USD (WKN: A0HGWC) aufgelegt, dessen Fondsvolumen inzwi-schen auf 3,7 Mrd. Euro angewachsen ist. Der ETF bildet den in
US-Dollar notierenden MSCI Emerging Markets Index physisch optimiert nach. Die Gesamtkostenquote des ETF liegt bei 0,18 % p.a. Der Wertzuwachs des iShares MSCI EM UCITS ETF beträgt über ein Jahr +6,1 %, während über 3 Jahre noch ein Minus von 5,4 % in den Büchern steht. Seit seiner Auflage konnte der iShares MSCI EM UCITS ETF seinen Wert um 137 % steigen, was einem jährlichen Zuwachs von 4,9 % entspricht.

iShares Core MSCI EM IMI UCITS ETF

Etwas besser lief es in den letzten Jahren beim thesaurierenden iShares Core MSCI EM IMI UCITS ETF (WKN: A111X9), dessen Wertsteigerung über ein Jahr immerhin bei 8,1 % liegt. Mit dem MSCI Emerging Markets IMI Index setzen Fonds-Selektoren auf ein noch größeres Anlageuniversum, das rund 3.200 große, mittelgroße und kleine Unternehmen der 24 Schwellenländer umfasst. Dabei steht der Zusatz IMI für Investable Markets.

Geringe Performanceunterschiede

Fazit

Laut einer Schätzung der Europäischen Kommission wird bis 2030 ca. eine Milliarde Menschen in die globale Mittelschicht aufsteigen, der Großteil davon mit mehr als 80 % in Asien. Das bringt ein enormes Markt- und Wachstumspotenzial mit sich, das sich auch in der Entwicklung der Aktienmärkte der Schwellenländer widerspiegeln sollte. Doch Investitionen in den Schwellenländern bringen auch Risiken mit sich, denn viele Schwellenländer werden nicht demokratisch regiert und politische Richtungs- oder Machtwechsel können sich negativ auf Investitionen auswirken. Die Schwellenländer sind volatiler, Handelskriege sorgen für Unsicherheit und die Währungen sind instabiler, so dass sich Wirtschaftskrisen weitaus stärker auswirken können. Schwellenländer-ETFs bieten langfristig große Chancen und die breite Streuung hilft, die Risiken zu reduzieren. Nach der Underperformance der letzten Jahre wäre es doch mal wieder Zeit für eine positive Überraschung.

Dies ist keine Anlageberatung. Bitte informiert euch vor einer Geldanlage über die Risiken und beachtet unsere Hinweise hier.

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ein Artikel von
Markus Kaiser
Markus Kaiser ist Geschäftsführer der Greiff Research Institut GmbH und leitet den ETF-Bereich der Greiff capital management AG. Der Dipl. Vermögensmanager verfügt über mehr als 20 Jahre Investment-Erfahrung und zählt zu den erfolgreichsten Dachfonds-Pionieren.