Mensch vs. Maschine

Können Robo-Advisors menschliche Finanzberater wirklich ersetzen?

von Moritz Weinstock

Maschinen ergänzen Menschen in vielen Bereichen der Arbeitswelt. Aus der Industrie sind Roboter nicht mehr wegzudenken – gilt das bald auch für das Finanzwesen? ZASTER erklärt dir die Welt der Robo-Advisors.

Für viele Menschen ist, wenn es ums Geld geht, der Kontakt zu einem menschlichen Kundenberater unerlässlich. Nicht unbedingt beim Ein- und Auszahlen brav angesparter Moneten, wohl aber bei der Geldanlage. Denn einem Berater trauen sie ihr Vermögen weit lieber an, als einer Maschine. Weil er spricht, weil er aussieht wie sie, weil sie eine Beziehung zueinander aufbauen können.

Völlig automatisiertes Handeln

Ähnlich verhält es sich mit Fonds. Es ist beruhigend zu wissen, dass bei den meisten dieser breit gestreuten Anlagemethoden Menschen in letzter Instanz bewerten, entscheiden und handeln. Fondsmanager bemühen sich, die Wünsche der Anleger bestmöglich umzusetzen und die Sorgen so klein wie möglich zu halten. Dazu greifen sie selbstverständlich ebenfalls auf Daten und Software zurück – und auf ihr Wissen.

Nichts anderes machen Robo-Advisors auch. Wer sich ihnen anvertraut, hat es zwar nicht mit einem gut bezahlten Manager zu tun, dafür aber mit Systemen, die mithilfe künstlicher Intelligenz und Big Data in rasender Geschwindigkeit und völlig automatisch das tun, was ihre menschlichen Kollegen ebenfalls tun: Die Finanzmärkte beobachten, Trends erkennen und nach den besten Anlagestrategien Ausschau halten. Die Frage ist nur: Wer macht es besser?

Wo der Mensch fehlt…

Menschen machen Fehler und auch Maschinen sind nicht perfekt. So haben laut Handelsblatt auch viele Geldanlage-Roboter in der Coronakrise bisher nur mäßig abgeschnitten. Allerdings kennen sie keine Müdigkeit, keinen Frust, keine Emotionen und handeln demnach, so das Kalkül, deutlich rationaler. Zudem können sie Unmengen an Daten und Informationen innerhalb von Bruchteilen einer Sekunden verarbeiten. Das ist gerade in der schnelllebigen Finanzwelt heute entscheidend.

Während der klassische Manager Geschäftsberichte liest, Fusionen beobachtet und mit Kollegen und andere Experten spricht , agiert der Robo-Advisor, einmal angelegt, selbständig – und folglich schneller.

Es ist ein Konzept, das sich vor allem an jene richtet, die zwar Geld anlegen möchten, aber nicht die Zeit haben und das Risiko tragen wollen, sich selbst damit auseinanderzusetzen. Börsenneulinge, die in Zeiten von Smarthome und Alexa ohnehin kein Problem damit haben, auf Technik, statt auf Menschen zu vertrauen. Doch wie funktioniert das nun?

© Pixabay

…hilft die Maschine

Der Anbieter, also das Kreditinstitut, klärt zunächst per Fragebogen wichtige Dinge wie beispielsweise: Wie viel Geld will der Klient anlegen? Wie lange will er es anlegen? Wie hoch ist das Risiko, das er bereit ist einzugehen? Auf Grundlage dieser Informationen wird dann ein Depot eröffnet und in entsprechende Fonds investiert, die automatisiert handeln. Heißt: Von da an, agiert der Robo-Advisor, also die Software.

Investiert wird hauptsächlich in Indexfonds und ETFs (Exchange traded funds). Damit wird das Anlagerisiko gestreut, eine gewisse Renditesicherheit gewährleistet und Geld gespart. Zudem kann man meist zwischen passiven und aktiven Robo-Advisors wählen.

  • Aktiv: Beim aktiven Ansatz wird das Vermögen je nach Geschehen an der Börse laufend zwischen den Fonds umverteilt, um die Verluste möglichst gering zu halten.
  • Passiv: Beim aktiven Ansatz wird das Vermögen je nach Geschehen an der Börse laufend zwischen den Fonds umverteilt, um die Verluste möglichst gering zu halten.

Der passive Ansatz verfolgt demnach das Ziel, die vorher bzw. anfangs festgelegte Vermögensaufteilung weitgehend beizubehalten. Dennoch wird auch hier – wenn auch nur wenige Male im Jahr – umgeschichtet (Rebalancing), um etwaige Verluste auszugleichen und die ursprüngliche Verteilung wiederherzustellen.

Robo-Advisor werden immer beliebter

In Deutschland gibt es derzeit zwischen 30 und 40 Anbieter, die mit Robo-Advisors arbeiten. Ihr gemeinsames Anlagevermögen, das sie für ihre Kunden verwalten, liegt laut Statista in diesem Jahr bei 12.355 Millionen Euro. Aktuelle Prognosen gehen jedoch davon aus, dass sich das Volumen in den kommenden drei Jahren mehr als verdoppeln wird, auf rund 30 Milliarden Euro. Anlage-Roboter werden also immer beliebter!

Einer der größten Robo-Advisors, Scalable Capital, wirbt mit starken Partnern wie der ING Diba, die als Bank im Hintergrund das finanzielle Grundgerüst bildet. Über eine Milliarde Euro haben Kunden dem Unternehmen und deren Dienstleistung bereits anvertraut. Ingesamt setzen deutschlandweit bereits knapp 450.000 Menschen auf unterschiedlich Robo-Advisors als Anlageberater.

Vertrauen kostet

Wer allerdings hofft, dass durch den Einsatz von Maschinen und Computerprogrammen Beraterkosten obsolet werden, der liegt falsch. Auch Robo-Advisors, bzw. Banken und Unternehmen, die mit solchen Fonds zusammenarbeiten, wollen ihren Teil vom Kuchen abhaben. Dabei variieren die Gebühren für ihre Dienstleistung zwischen weniger als 0,5 Prozent und bis zu zwei Prozent Gewinnbeteiligung pro Jahr.

Am günstigsten legt man Geld also noch immer auf eigene Faust an, aber auch am sichersten? Klar ist: Wer sich mit der Materie auseinandersetzt, viel liest und genau beobachtet, kann mit langfristigen Anlageansätzen erfolg haben. Doch selbst Profis scheitern immer wieder an der Unberechenbarkeit der Märkte und der Entwicklung der Welt. Denn klar ist ebenfalls: Krisen wie die derzeitige Corona-Pandemie, sind nahezu unvorhersehbar.

image_print
ein Artikel von
Moritz Weinstock
Moritz hat Kommunikationswissenschaften in Wien studiert und seine Leidenschaft fürs Schreiben mit nach Berlin gebracht. Nach lehrreichen Jahren als Redakteur bei einem Motorradmagazin, ist er nun als Channel-Editor für ZASTER tätig. Sein Zugang zur Wirtschaftswelt: er lebt auf zehn Quadratmetern und spart, was das Zeug hält.