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PASSIVES EINKOMMEN

Richtig Entsparen: Anlagen in passives Einkommen verwandeln

von Pauline Brinkmann

Dieser Tage setzen sich bereits in jungen Jahren viele Menschen mit dem Thema Geldanlage auseinander. Überall liest man von dem perfekten Sparplan, der richtigen Diversifikationsstrategie und den vielversprechendsten Aktien. Was dabei leider häufig viel zu kurz kommt ist das Thema Entsparen. Wir möchten uns in diesem Artikel genauer damit befassen, um dich vor möglichen Fehlern zu bewahren. Doch was bedeutet Entsparen eigentlich im engeren Sinne?

Der Begriff mag für einige im ersten Moment nach Vermögensverlust klingen. Tatsächlich geht es hier jedoch darum wie man gerade nicht das Vermögen schmälert, sondern es sich zu Nutzen macht. Entsparen bezeichnet genau genommen das Auflösen von fest angelegtem Ersparten, man sagt dazu auch Desinvestition. 

Doch wie entspare ich richtig?

Wichtig ist, dass du dich mit dieser Thematik nicht erst kurz vor dem Renteneintritt oder zu einem anderen Zeitpunkt an dem du auf deine Anlagen zurückgreifen möchtest befasst. Du solltest vielmehr bereits beim Sparprozess selbst darauf achten, dass du dein Portfolio so strukturierst, dass es dir in Zukunft ein passives Einkommen verschaffen kann. Also, setze nicht nur auf vielversprechende Aktien, die eine Wertsteigerung erfahren könnten, sondern achte gleichermaßen auf kontinuierliche Einnahmen durch solide Anlagen. Auch beim Entsparen gilt: Diversifikation is the key. Verfolgt man die Ausschüttungsstrategie, so gibt es verschiedene Vermögensanlagen, welche dementsprechend unterschiedliche Gewinne erzeugen. So erhältst du Dividenden aus Aktien, Zinsen aus Anleihen oder Mieteinnahmen aus Immobilien.

In Abhängigkeit von deinen gewählten Anlageformen wird nun auch dein Entsparplan variieren. Unterschieden wird übergreifend zwischen Ausschüttungen und Anteilsverkäufen. Die meisten Menschen präferieren nach wie vor den passive Einkommensverdienst durch Ausschüttungen durch Anteilsverkäufe. Dies begründete sich in der Annahme einiger Glaubenssätze. Wir möchten diese im Folgenden etwas genauer beleuchten.

Zu aller erst gilt es zu sagen: Aus steuerlicher Sicht besteht zwischen dem Verbrauch von Ausschüttungen und dem Verbrauch von Erträgen aus Verkäufen bei Kapitalanlagen im Privatvermögen hierzulande kein signifikanter Unterschied. Dies gilt ebenso für die meisten unserer Nachbarländer. In einigen wenigen Ländern ist der Verkauf von Anteilen zumindest für Privatpersonen sogar steuerlich vorteilhafter. Doch wie wir wissen sind Steuern nicht der einzige Kostenfaktor, der uns ereilt, wenn es um das Thema Geldanlage geht.

Feststeht: Bei jedem Handel mit Wertpapieren oder Fondsanteilen entstehen sogenannten Transaktionskosten. Obwohl immer mehr Neobroker mit besonders günstigen Ordergebühren locken, schreckt dieser Kostenfaktor viele Menschen vom sogenannten Anteilsverkauf ab. Doch abseits der Kosten drücken sich viele vielmehr vor dem Verkaufsakt selbst, denn schließlich wird uns von den meisten Anlageexperten ja immer eingetrichtert: Kaufen und liegen lassen.

Darüberhinaus leben einige in der Angst, dass sie durch kontinuierliche Anteilskäufe plötzlich ihr ganzes Vermögen abgebaut haben könnten. Bei Anteilsverkäufen musst du allerdings bedenken, dass du dir über den Verkauf häufig nur die Wertsteigerung der Aktie, des Fonds oder der Immobilieneinheit auszahlen lässt. Du veräußerst nicht dein komplettes Vermögen sondern du zahlst dir die Gewinne der letzten Jahre in Form von Anteilen aus.

Wem dieser Gedanke alleine nicht überzeugend erscheint, der sollte sich mal mit der Monte-Carlo-Simulation auseinandersetzen. Hier wird die perfekte Entnahmestrategie durch mathematische Algorithmen ermittelt. Dies funktioniert durch die Prognose über die in Zukunft erwarteten Renditen und der Volatilität der eigenen Wertpapiere, welche in Gesamtbetrachtung mit der Restlebenserwartung, sowie der Portfolioein- und Auszahlungen betrachtete wird. Auf Basis dieser Daten erzeugt das Berechnungssystem dann eine weitere Prognose welche Aufschluss über die ideale Entnahmestrategie geben soll. Mit dieser Methode kannst du als Anleger deine Depotentnahme bis zu deinem Lebensende präzise steuern.

Schlussfolgend lässt sich sagen, dass die Annahme, dass sich passives Einkommen am besten über Ausschüttungen gewinnen lässt mehr Mythos als eine valide These ist. Gleichwohl liegt es auf der Hand, dass die Finanzierung des Lebensunterhaltes in den seltensten Fällen alleine durch Ausschüttungen möglich sein wird. Das heißt: An dem Verkauf von Anteilen wirst du aller Wahrscheinlichkeit sowieso nicht herumkommen. Ob du nun darauf setzt oder überwiegend die Ausschüttungssttrategie verfolgst, bleibt dir überlassen und ist zu guter Letzt auch abhängig von deinem Vermögen.

ein Artikel von
Pauline Brinkmann
Pauline ist 23 und studiert in Potsdam und Lausanne Rechtswissenschaften. Ihr besonderes Interesse gilt jedoch nicht Mietverträgen, sondern politischen und gesellschaftlichen Prozessen."