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AUSWANDERN

Rechtssicher Auswandern? Im Gespräch mit Steuerberater Michael Wohlfart

von Michael André Ankermüller

Michael Wohlfart ist Steuerexperte, der über zwölf Jahre Erfahrung in der ganzheitlichen Steuer- und Unternehmensberatung kleiner und mittlerer Unternehmen (Schwerpunkt im internationalen Steuerrecht) hat. 2017 hat er erfolgreich die Fortbildung zum Fachberater Internationales Steuerrecht absolviert. Seine Spezialisierung ist die rechtssichere Auswanderung für Unternehmer. ZASTER hat ihn zum Interview getroffen.

2021 sind etwa 64 000 Deutsche ins Ausland ausgewandert. Und seit dem Jahr 2004 wandern immer mehr Menschen aus. Denkst du, dass die relativ hohe Steuerlast in Deutschland einer der Gründe für diese Zunahme ist? Was müsste sich deiner Meinung nach aus Steuersicht ändern?

Warum Menschen auswandern kann natürlich vielfältige Gründe haben. Natürlich dreht es sich meistens um die persönlichen Lebensumstände oder oft auch um die Liebe. Natürlich sind die Steuern aber auch immer ein nicht zu vernachlässigender Aspekt. Den entscheidenden Grund, wieso Menschen aber aktuell aus Deutschland auswandern, sehe ich vor allem durch die Coronapandemie begründet. Immer mehr Menschen realisieren, dass sie aufgrund von Remote Work überall auf der Welt arbeiten können. Dieses Verständnis hat dazu geführt, dass sich immer mehr Menschen auch Gedanken machen, wie sie durch Arbeiten im Ausland Steuern sparen können. Egal, ob beispielsweise auf Mallorca, Zypern oder Malta.

Neben den Steuern sind aber sicherlich bürokratische Hürden und rechtliche Anforderungen entscheidend, denn gerade das wird in Deutschland ja immer anspruchsvoller. Als mittlerer oder kleiner Unternehmer kommt man dem Ganzen in Deutschland gar nicht mehr hinterher. Da kann man es sich im Ausland oftmals deutlich leichter machen.

Selbst, wenn man innerhalb der EU auswandert, ist es oftmals entspannter als in Deutschland. Meiner Meinung nach müsste man in Deutschland auf jeden Fall die Bürokratie vereinfachen, damit vieles entspannter ist und man als Unternehmer nicht ständig mit unzähligen Auflagen beschäftigt ist. Zudem würde ich eine Einkommenssteuerlast in Deutschland von 25 Prozent für fair halten. Den Rest darf der Staat mir sehr gerne überlassen, wie ich mich im Fall von Krankheit und Altersvorsorge absichere. Und den Rest mit einer sinnvollen Grundsicherung abbilden.

Die Mehrheit der Menschen wandert in die Schweiz, nach Österreich und in die USA aus. Also keine Steueroasen. Welche Länder kannst du UnternehmerInnen empfehlen, um Steuern zu sparen? Und wieso?

Viele Unternehmer oder viele Personen wandern wegen der Lebensbedingungen beispielsweise nach Österreich sowie in die Schweiz aus. Natürlich auch wegen der gemeinsamen Sprache, was das Auswandern einfacher macht. Anzumerken sei, dass die Schweiz aus deutscher Sicht eine Steueroase ist. Doch letztendlich ist eine Auswanderung immer eine persönliche Entscheidung. Man muss sich im Land wohlfühlen, weil was bringt es mir am Ende Steuern zu sparen? Vermutlich nichts. Dann gibt es natürlich aber innerhalb der EU die Klassiker wie Malta und Zypern. Das macht ja auch Sinn, dass die Länder an den Rändern der EU, auch Irland, steuerlich deutlich attraktiver sind, da sie meistens wirtschaftlich nicht so attraktiv sind und dadurch Menschen mit Kapital anziehen wollen.

Innerhalb der EU ist Zypern sicherlich das einfachste Land, um ein rechtssicheres Setup für einen Unternehmer und Unternehmerin umzusetzen, da man dort ganz klar seine Betriebsstätte dokumentieren kann. Ansonsten könnten auch Bulgarien und Rumänien attraktive Länder sein, wenn man sich dort vorstellen kann zu leben. Außerhalb der EU ist beispielsweise Dubai rein steuerlich betrachtet sehr gut, aber sehr teuer. Man muss viel Geld in Substanz investieren und mindestens 183 Tage im Jahr im Land sein. Ansonsten sind noch Länder mit Territorialsteuern interessant wie Paraguay oder Thailand, wo man steuerlich sehr günstig leben kann. Umso weiter man jedoch weggeht, umso schwieriger wird es mit dauerhaften Aufenthaltsgenehmigungen. Deswegen ist meiner Meinung nach Zypern das beliebteste steuerlich betrachtete Land, weil man mit nur 60 Tagen Aufwand und vielleicht fünf- bis zehntausend Euro ein rechtssicheres Setup aufsetzen kann.

Ab welchem Jahresumsatz lohnt es sich überhaupt auszuwandern, um Steuern zu sparen? Eine realistische Beispiel-Rechnung wäre super.

Der Gewinn ist immer zur Bemessungsgrundlage der Steuer relevant. Ab wann es finanziell Sinn macht, ist natürlich etwas schwierig abzuschätzen, aber ab 40 000 bis 60 000 Euro kann man schon im Schnitt 5000 bis 10 000 Euro im Jahr sparen und hat damit schon die Strukturkosten im anderen Land finanziert. Bei 40 000 Euro im Jahr zahlt man in Deutschland schon knapp 8000 bis 9000 Euro Steuern und je nach Setup kann man diese Steuerlast erheblich reduzieren. In Zypern wären das in diesem Fall etwa 5000 Euro weniger. Dadurch spart man nicht nur 5000 Euro bis 10 000 Euro jährlich, sondern es potenziert sich natürlich über mehrere Jahre. Ab 60 000 Euro macht es aber definitiv Sinn.

Muss man zeitlich etwas in Hinblick auf Steuern beachten, wenn man Auswandern möchte? Und ab welchem Zeitraum ist man eigentlich rechtlich ausgewandert?

Zeitlich muss man bei der Auswanderung steuerlich nichts beachten. Aber wenn du dein Unternehmen ins Ausland verlagerst, musst du es innerhalb von 30 Tagen dem Bundeszentralamt melden. Und ansonsten meldest du die Wegzugsbesteuerung und die Beendigung deiner unbeschränkten Steuerpflicht mit deiner letzten Steuererklärung, wo die üblichen Fristen gelten. Es kann durchaus mal sein, dass das Finanzamt, sofern es vom Einwohnermeldeamt deine Abmeldung bestätigt bekommt, dir einen Fragebogen zuschickt und von dir wissen möchte, wie deine mögliche Lebensgestaltung in der Zukunft aussehen soll. Rechtlich ausgewandert ist man ab dem Folgetag der Beendigung der unbeschränkten Steuerpflicht.

Die unbeschränkte Steuerpflicht hängt an zwei Parametern: Einmal der steuerliche Wohnsitz und der gewöhnliche Aufenthalt. Das heißt, du darfst dich in Deutschland nicht mehr gewöhnlich aufhalten. Daher musst du ausreisen und diesen Stichtag genau bestimmen und auf jeden Fall dokumentieren. Als Grundempfehlung würde ich sagen, in den ersten zwei Monaten nach Auswanderung möglichst keine Besuche in Deutschland.

Gibt es Möglichkeiten, komplett steuerfrei zu leben? Und was hältst du davon? Schließlich erfüllen Steuern in vielerlei Hinsicht auch einen sehr guten Zweck.

Ja es gibt tatsächlich Möglichkeiten steuerfrei zu leben, wenn man sich dafür entscheidet nach Dubai, Paraguay, Thailand oder Panama auszuwandern. Also jene Länder, die eine Null-Besteuerung haben. Als Unternehmer muss man allerdings 183 Tage, also mehr als die Hälfte des Jahres dort leben. Wer beispielsweise acht oder neun Monate in Dubai lebt und hin und wieder in die Heimat oder in den Urlaub fliegt, ist dort legal steuerfrei. Dennoch darf man nicht vergessen, dass man in diesen Ländern oftmals teure Visa beantragen muss.

Moralisch ist das Thema Steuern schwierig zu bewerten. Persönlich halte ich davon nichts. Steuern sind sicherlich sinnvoll, etwa 25 Prozent Steuern würde ich aber für angemessen halten. 50 Prozent oder gar 60 bis Prozent halte ich für zu viel. Vielmehr geht es darum in was die Steuern investiert werden: Infrastruktur, Naturschutz, Bildung usw. sind essenziell.

Ein großes Problem ist vielmehr, dass in Deutschland immer mehr Gesetze geschaffen werden, während sich aber gleichzeitig ein immer größerer Verwaltungsapparat aufbläht. Und auch oftmals eingestaubte Subventionen werden nicht abgeschafft. Hier würde ich als erstes ansetzen, um Steuern zu senken. 

ein Artikel von
Michael André Ankermüller
Michael lebt in Berlin und arbeitet als Journalist, Blogger, Autor sowie Berater für Digitale Medien. 2014 gründete er das sehr erfolgreiche Blogazine Blog.Bohème sowie Nebenseason & Kids.Bohème.