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STEUERWISSEN

Lohnsteuerermäßigung: Wer von ihr profitieren kann

von Stefan Heine

Ein Antrag, der jeden Monat mehr Geld bringen kann – das ist das Prinzip der Lohnsteuerermäßigung. Denn statt der jährlichen Steuererstattung gibt es mit ihr monatlich eine Teilzahlung. Wer die Lohnsteuerermäßigung beantragen kann und für wen sie wirklich sinnvoll ist, weiß Stefan Heine, Steueranwalt und Chef des Online-Steuertools smartsteuer.



Lohnsteuerermäßigung – was ist das überhaupt?

Die Lohnsteuerermäßigung ermöglicht es Arbeitnehmenden, bestimmte Freibeträge direkt auf der elektronischen Lohnsteuerkarte vermerken zu lassen. Diese Freibeträge verringern die monatliche Lohnsteuer und damit steigt das Nettoeinkommen – und das, ohne auf die jährliche Steuererstattung warten zu müssen. Die Lohnsteuerermäßigung ist daher vor allem für diejenigen gedacht, die erwartbare und wiederkehrende Ausgaben haben, die sich steuerlich absetzen lassen – etwa lange Pendelwege, berufsbedingte Fortbildungskosten oder Reisekosten. Bei hohen Ausgaben in diesen Bereichen liegen die Werbungskosten nämlich schnell über der Pauschale von 1.230 Euro. 

Wie erhält man die Lohnsteuerermäßigung? 

Wer die Lohnsteuerermäßigung möchte, muss einen Antrag beim Finanzamt einreichen. Die Bewilligung des Antrags ist jedoch von der Erfüllung bestimmter Bedingungen abhängig, unter anderem davon, dass die angegebenen Aufwendungen die Pauschbeträge überschreiten. Wer sich für einen entsprechenden Antrag entscheidet und diesen zum Beispiel bis spätestens 30. November einreicht, bewirkt bereits im Dezember eine Anpassung des Lohnsteuerabzugs. Denn: Es handelt sich beim Freibetrag auf einen Jahresbetrag, der auf die nachfolgenden Monate verteilt wird. Es lohnt sich also, beim Antrag auf gutes Timing zu achten.

Bei Lohnsteuerermäßigung ist die Steuerabgabe Pflicht

Wichtig: Bei der Lohnsteuerermäßigung ist die Abgabe einer Steuererklärung im darauffolgenden Jahr verpflichtend. Denn das Finanzamt will prüfen, ob die im Voraus gewährten Entlastungen ihre Berechtigung hatten. Direkt gemeldet werden müssen deshalb auch Änderungen im Leben, wie ein kürzerer Arbeitsweg oder ein Jobwechsel. Dadurch werden dann gegebenenfalls die Freibeträge angepasst.

Die Frage bei der Lohnsteuerermäßigung ist: Früher oder später die Steuererstattung?

Was die Lohnsteuerermäßigung bringt, ist also monatlich spürbar mehr vom Gehalt durch den bereits berücksichtigten steuerlichen Freibetrag. Im Gegenzug fällt dann jedoch die Steuererstattung bei Abgabe der Steuererklärung nicht mehr so üppig aus. Denn was sonst einmal im Jahr über die Steuererklärung erstattet wird, erfolgt bei der Lohnsteuerermäßigung über das Jahr verteilt. Entsprechend ist sie vor allem für Menschen interessant, die erstens die Bedingungen erfüllen und zweitens lieber jeden Monat etwas mehr Geld erhalten als eine größere Rückerstattung nur einmal im Jahr.

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Stefan Heine
Stefan Heine ist gelernter Fachanwalt für Steuerrecht und CEO bei smartsteuer. Er will den Menschen die Angst vor dem Thema Steuern nehmen. Gemeinsam mit seinen Kolleg*innen digitalisiert er dazu den analogsten Prozess Deutschlands – die Steuererklärung.