Wie glücklich macht Geld?

Anwesenheit verschenken und reich nach Hause gehen

von Christoph Janke

Immer wenn ich derzeit an einer Plakatwand vorbeifahre und die Kampagne der DAK Gesundheit sehe, muss ich lächeln. „Geht Omas drücken!“ steht auf einem der quietschbunten Poster. Dazu der Text: „Alleinsein im Alter ist ungesund. Also: Ruft mal wieder Oma an! Oder besser: Besucht sie. Los!“ Klare Ansage an die junge Zielgruppe. Ich hoffe, sie wird von möglichst vielen Enkeln erhört.

Zuwendung kann man Menschen schließlich nie genug schenken. Meine Oma kann ich leider nicht mehr drücken, sie blickt mit ihrer unendlichen Güte nur noch aus dem Himmel hinunter auf die Erde. Als kleiner Junge habe ich es geliebt, wenn sie mir Geschichten vorgelesen hat mit ihrer sanften Stimme auf dem kuscheligen Sofa. Ihre Weihnachtskekse mit einer extra Lage Zuckerguss hielten nie bis zum Fest – sie waren einfach zu lecker.

Auch meine Kinder verbringen gerne Zeit mit ihren Omas. Meine Schwiegermutter haben wir sogar gegenüber von uns einquartiert und genießen eine Mehrgenerationen-Nachbarschaft. Die kleinen Enkel gehen liebend gerne mit Malefiz- oder Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Spiel unterm Arm zu Oma. Stundenlanger Spaß für alle Beteiligten ist garantiert.

Ich gehe regelmäßig in ein Senioren-Wohnheim bei uns um die Ecke. Dort werde ich immer als „junger Mann“ begrüßt, was mich extrem freut. Im Gemeinschaftsraum mache ich eine kleine Talkshow mit Hausbewohnern und lasse sie vor den Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern die Perlen ihres Lebens Revue passieren. Kürzlich haben wir gemeinsam die Feuerzangenbowle mit Heinz Rühmann angeschaut. Es gab Weine von der Mosel und die Oldies konnten jeden der legendären Witze Lippensynchron mitsprechen. Wir haben in fröhlicher Runde Tränen gelacht.

Wenn ich nach diesen Besuchen beschwingt nach Hause gehe, winken mir meine Ersatz-Omas und Opas hinterher. Sie wollen mir immer etwas schenken, auch wenn ich ihnen wieder und wieder erkläre, dass sie mich unendlich reich machen mit ihrer Freude. Omas drücken macht definitiv glücklicher als Geld!

ein Artikel von
Christoph Janke