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Düstere Aussichten

Ist es für junge Menschen heute schwieriger, reich zu werden?

von Nils Matthiesen

Bis jetzt war jede neue Generation wohlhabender als die vorige. Ist mit dieser Entwicklung jetzt Schluss? Es spricht einiges dafür.

Niemand geringeres als Charles Munger, seines Zeichen Vice Chairman der legendären Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway, meinte kürzlich: „Die Börsen sind so hoch und die Zinsen so niedrig, dass es die Millennials im Vergleich zu unserer Generation verdammt schwer haben werden, reich zu werden.“ Aus seiner Sicht werde der Unterschied zwischen Arm und Reich in der Generation der Millennials viel geringer ausfallen, weil es für junge Menschen schwieriger sei, so viel Vermögen zu generieren wie die Generation ihrer Eltern. Hat er damit Recht?

Irrer Anstieg in den letzten 50 Jahren

Richtig ist: Die Finanzmärkte haben sich in den letzten 50 Jahren prächtig entwickelt. Von 1971 bis 2021 haben beispielsweise…

  • … der US-Aktienindex Dow Jones um 3.585 Prozent zugelegt.
  • … der US-Aktienindex S&P 500 um 3.976 Prozent zugelegt.
  • … der deutsche Aktienindex DAX um 2.985 Prozent zugelegt.

Unterm Strich lagen die Gewinne, etwa beim S&P 500, durchschnittlich bei über 10 Prozent. Ob es in diesem Tempo weitergeht? Experten sind pessimistisch. Anfang der 1970er Jahre waren Aktien schließlich spottbillig. Das lag an den attraktiven Zinssätzen für Sparer, die sich teilweise im zweistelligen Bereich bewegten. Damals waren Sparbuch und andere festverzinste Anlageformen noch richtig attraktiv. Heute gibt es zu Aktien dagegen kaum noch Alternativen, entsprechend hoch sind die Kurse.

Alles ist teurer

Bei den Immobilienpreisen sieht es zwar nicht so dramatisch, aber ähnlich aus. Von 1975 bis 2019 haben sich zum Beispiel die Preise für Einfamilienhäuser verfünffacht. Das schließt die massiven Zuwächse der letzten beiden Jahre noch nicht einmal mit ein. Sprich: Ziemlich alles ist für junge Leute heutzutage teurer: Häuser, Aktien und auch die Ausbildung. Dazu kommt: Nicht nur die Kosten sind gestiegen, junge Menschen verdienen auch nicht mehr so viel Geld wie frühere Generationen: Laut DGB sind etwa insbesondere junge Erwachsene von Armut gefährdet.

Zudem sind sie oft von befristeten Arbeitsverträgen betroffen – keine gute Ausgangsbasis für den Aufbau eines Vermögens. Themen wie die Finanzkrise 2008 und die aktuelle Corona-Pandemie spielen ebenfalls eine wichtige Rolle und bremsen viele Karrieren aus. Das alles spricht in der Tat dafür, dass der Vermögensaufbau für die jüngeren Generationen im Vergleich zu ihren Eltern in Zukunft sehr viel schwieriger sein wird.

Wie Leute 2021 reich werden

Andererseits könnte man argumentieren, dass es noch nie so einfach war, superreich zu werden. Es funktioniert nur anders. Paul Graham, Doktor der Informatik, lies sich zu diesem Thema kürzlich unter dem Motto „How people get rich now“ aus. Aus seiner Sicht war Anfang der 1980er Jahre noch eine Erbschaft die häufigste Quelle für Reichtum.

Von den 100 reichsten Menschen erbten 60 von einem Vorfahren. Es gab allein 10 du-Pont-Erben. Im Jahr 2020 hatte sich die Zahl der Erben halbiert, und nur noch 27 der 100 größten Vermögen entfielen auf Erben. Rund drei Viertel machten durch das Gründen von Unternehmen und ein Viertel durch Investitionen das große Geld. Mark Zuckerberg wurde mit 23 Jahren der jüngste Milliardär aller Zeiten. Kylie Jenner übertrumpfte den Facebook-Gründer und erreichte mit 21 Jahren den Meilenstein. Ergo: Wenn du ein erfolgreiches Start-up gründest, in der Tech-Branche arbeitest oder als Influencer groß herauskommst, war es noch nie so einfach, als junger Mensch reich zu werden.

Fazit

Liegt Munger also falsch und Graham richtig? Wahrscheinlich haben beide recht. Es könnte in der Tat leichter sein superreich zu werden, dass betrifft aber nur sehr wenige. Die breite Masse könnte es dagegen schwerer haben, ein Vermögen aufzubauen. Unmöglich ist es dennoch nicht. Wer heute früh mit dem Sparen anfängt und stets am Ball bleibt, hat immer noch gute Chancen. Zudem stehen uns heute Finanz- und Anlageinstrumente zur Verfügung, von denen frühere Generationen nur träumen konnten.

ein Artikel von
Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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