© Yoram Roth
KUNSTMARKT

„In Kunst als Geldanlage zu investieren ist der völlig falsche Ansatz.“ – Im Gespräch mit Unternehmer Yoram Roth

von Michael André Ankermüller

Ortstermin im Bayer-Haus am Kurfürstendamm. Der Grund: ZASTER-Chefredakteur Michael André Ankermüller hat sich mit Unternehmer und Fotograf Yoram Roth verabredet, um mit ihm über New Work – Die neue Art des Arbeitens zu sprechen. Der Hintergrund: Yoram ist neben unzähligen anderen Tätigkeiten auch Vorstandsvorsitzender von NeueHouse. Kurzfristig kommt es dann doch zur Plan- und Themenänderung: Kunst als Geldanlage ist das neue Thema. Letztendlich aber völlig klar: Schließlich fühlt man sich in Yorams Büro, als wäre man in einer Galerie für anspruchsvolle und außergewöhnliche Fotografie gelandet. Warum also nicht über Kunst sprechen?

Was denkst du: Eignen sich Gemälde, Kunst im Allgemeinen und Sammlerobjekte als sichere Altersvorsorge? 

Nein, eine Altersvorsorge sollte eine hohe Liquidität haben, und am besten eine Dividende oder zumindest Zinsen. Man müsste schon eine Kristallkugel mit klarem Blick in die Zukunft haben, um jetzt genug gute Kunst zu kaufen und zu wissen was man in der Zukunft dann verkaufen könnte.   

Kann man Kunst überhaupt als reine Geldanlage betrachten? 

Eigentlich nein, aber wie immer kommt es auf das Volumen an. Mit viel Mut könnte man einen Markt machen für verschiedene Künstler. Es gibt ein paar Sammler, die kontrollieren den Warhol-Markt, zum Beispiel. Da muss man aber hunderte von Millionen hin und her schieben… Und bei den Summen gibt es wahrscheinlich bessere Anlagen. Man könnte argumentieren, dass berühmte Kunst zumindest den Wert hält. Ein Basquiat ist dann wahrscheinlich einem Goldbarren ähnlich. Es gibt Schwankungen, aber auf Null kann er richtig gelagert, nicht gehen.

Und lässt sich der Kunstmarkt überhaupt mit anderen Märkten wie beispielsweise dem Aktienmarkt vergleichen?

Nein. Bei Aktien gibt es fast immer jemand, der den Markt dafür betreibt, der kauft und verkauft, mit klaren Preisen, die sich am Markt orientieren. Da ist Kunst dann eher Immobilien ähnlich. Jede ist etwas anders, aber es gibt schon erkennbare Werte. Das gilt aber nur für die großen Künstler.

Gibt es finanztechnische Regeln, die man beim Sammeln von Kunst beachten sollte?

Buy low, hold for thirty years, sell high.

Welchen Einfluss haben äußere Einflüsse auf den Kunstmarkt? Kannst du ein Beispiel nennen?

Die Gesellschaft ist im Kunstmarkt reflektiert. Man sieht endlich mehr Kunst am Markt von diversen Minoritäten, die früher nicht genug am Markt Teilnahme oder Aufmerksamkeit bekommen haben. Einige davon werden auch in dreißig Jahren noch wichtig sein. Welche Künstler aus diesen Reihen kann ich jedoch nicht vorhersagen…

Sind Auktionen ein guter Ausgangspunkt, um in den Kunstmarkt einzusteigen? Oder was würdest du jungen Anlegern und Anlegerinnen raten, die in den Kunstmarkt einsteigen möchten?

Bei Auktionen zahlt man oft mehr als beim Kauf vom Galeristen. Der Grund: Bieter werden oft emotional. Das macht zwar Spaß, ist aber kein guter Einstieg. Es gibt aber schon Werke die übersehen werden. Wenn man erst mal weiß, was man mag, sollte man ein Auge auf solche Auktionen halten. Es gibt viele Datenbanken und Informationsquellen, die frühere Preise eines Künstlers zeigen.

Was war dein bisher bestes Investment am Kunstmarkt? 

Weiß ich gar nicht, da ich die Preise nicht verfolge. Ich habe tolle Werke von Künstlern, die mittlerweile großen Erfolg haben, aber ich verkaufe nichts. Nur weil jemand zur Zeit große Bekanntheit genießt, heißt es nicht, dass die Kunst in dreißig Jahren weiter im Wert gestiegen ist. Für mich ist Kunst keine Investition. Sammeln ist nicht investieren. Das gilt für alles, was man sammeln könnte…Briefmarken, Uhren, Memorabilia. Eine gute Sammlung hat irgendwann einem Gesamtwert, aber eine Anlagestrategie ist das nicht.

ein Artikel von
Michael André Ankermüller
Michael lebt in Berlin und arbeitet als Journalist, Blogger, Autor sowie Berater für Digitale Medien. 2014 gründete er das sehr erfolgreiche Blogazine Blog.Bohème sowie Nebenseason & Kids.Bohème.