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FINANZWISSEN

High Yield Bond ETFs: Hohes Risiko?

von Markus Kaiser

Investitionen in Anleihen sind grundsätzlich eine Frage des Vertrauens, denn man muss einschätzen, mit welcher Wahrscheinlichkeit der Emittent das geliehene Geld mit Zinsen auch wieder zurückzahlt. Zahlungsausfälle gehören bei High Yield Bonds (Hochzinsanleihen) dazu, Totalverluste sind jedoch eher selten.

Bei Anleihen, deren Bonität im Sub Investment Grade (Rating „BB“ und niedriger) angesiedelt ist, kann es vorkommen, dass Emittenten eine oder mehrere Zinszahlungen versäumen, den Nominalwert gar nicht, nicht vollständig oder erst zu einem späteren Zeitpunkt zurückzahlen.

Ein Blick auf die Risiken

Das größte Risiko bei Hochzinsanleihen ist also das beschriebene Kreditrisiko eines Ausfalls. Marktrisiken, Fremdwährungsrisiken und politische Risiken betreffen auch andere Anlageklassen und sind keine spezifischen Risiken von Hochzinsanleihen. Es überrascht nicht, dass die mit niedriger Bonität eingestuften Hochzinsanleihen stärker schwanken als Investment Grade Anleihen. Im Vergleich zu Aktien ist ihre Volatilität allerdings weitaus geringer. Bleibt noch das Zinsänderungsrisiko, das vor allem Anleihen mit langer Restlaufzeit betrifft, wie es Anleihen-Investoren im Verlauf der letzten 12 Monate allerdings auch bei Investment-Grade Anleihen kräftig zu spüren bekommen haben. Die Restlaufzeit gilt als in einem Umfeld dynamischer Zinsänderungen als wichtigster Hebel. Zu guter Letzt ist auch das Liquiditätsrisiko bei Hochzinsanleihen nicht zu unterschätzen, denn in Stress-Situationen trocknet der Handel mit niedrigen Bonitäten schnell aus und einzelne Anleihen lassen sich womöglich gar nicht mehr handeln.

Weltweite Ausfallrate zuletzt bei unter 2 Prozent

Trotz steigender Kapitalmarktzinsen kam es im letzten Jahr lediglich zu einem leichten Anstieg der Zahlungsausfälle und die weltweite Ausfallrate bei Unternehmensanleihen blieb sogar bei unter 2%. In Krisenjahren wie 2001 und 2008/09 war die Ausfallrate auf bis zu 10% angestiegen, von diesen Extremwerten sind wir derzeit aber meilenweit entfernt.

Wie steht es um die Renditen?

Die mit High Yield Bonds erzielbaren Renditen heben sich deutlich von den Renditen bei Investmentgrade Anleihen ab und betragen bei US Unternehmensanleihen im Ratingbereich BB+ mit einer Restlaufzeit von 10 Jahren inzwischen nahezu 8% p.a. Vom historischen Rendite-Tief (unter 3% p.a.) aus, sind die Renditen seit dem letzten Jahr enorm angestiegen.

Wie können Investoren die attraktiven Renditen für sich nutzen und die genannten Risiken, vor allem das bei einzelnen Hochzinsanleihen dominante Kreditrisiko, dabei auf ein Minimum reduzieren?

Ganz einfach: mit einem Investment in einen oder mehrere gut diversifizierte High Yield Bond ETFs!

Mit mehr als 50 handelbaren ETFs bietet das Anlagesegment der High Yield Bond ETFs eine breite Produktauswahl. Auffällig ist allerdings die Dominanz von iShares, der ETF-Marke von Blackrock, die mit Abstand das meiste Volumen im europäischen ETF-Markt auf ihre High Yield Bond ETFs vereinen. Größter ETF ist der iShares € High Yield Corp Bond UCITS ETF (Dist) (WKN A1C3NE) mit einem Fondsvolumen von über 5,2 Mrd. Euro, der bereits im September 2010 in Irland aufgelegt wurde. Der ausschüttende ETF bildet die Wertentwicklung des Markit iBoxx Euro Liquid High Yield Index ab und investiert physisch in die über 600 Anleihen, die im Index enthalten sind. Im Index selbst werden die größten und liquidesten in Euro denominierten Unternehmensanleihen mit einem Rating unterhalb Investment-Grade gebündelt. Dabei kommen ausschließlich Hochzinsanleihen mit einem ausstehenden Volumen von mindestens 250 Millionen Euro zum Einsatz. Aus Gründen der Diversifizierung ist der maximale Anteil einzelner Emittenten im Index zusätzlich auf 5% beschränkt und monatlich wird ein Rebalancing vorgenommen. Die Restlaufzeit für neue Anleihen im Index beträgt maximal 10,5 und mindestens 2 Jahre; bei bereits im Index enthaltenen Anleihen gilt keine Mindestbeschränkung.

Die durchschnittliche Restlaufzeit im ETF beträgtderzeit lediglich 3,2 Jahre

Der durchschnittliche Coupon liegt bei 4,1%, während die Effektivverzinsung mittlerweile auf 7,5% angestiegen ist. Die Ausschüttungsrendite beträgt bei einem halbjährlichen Ausschüttungsintervall derzeit rund 4,5% und bietet bei anhaltend hoher Verzinsung weiteres Potenzial. Die durchschnittliche Bonität der enthaltenen Anleihen liegt im Bereich von „B“, wobei der Schwerpunkt mit mehr als 58% Gewichtung im Rating- Bereich von „BB“ liegt. Über 1 Jahr konnte der ETF um 7,3% an Wert zulegen, während die Volatilität gerade einmal 6,2% und der max. Draw-Down lediglich 3,8% betrug. Der Wertzuwachs über 10 Jahre beträgt 27,6%, was einem jährlichen Zuwachs von 2,5% nach Kosten entspricht.

Lediglich bei den Kosten weiß der iShares ETF nicht zu überzeugen, denn die Gesamtkostenquote beträgt trotz des enormen Fondsvolumens noch immer 0,5% p.a. Hier bietet sich mit dem Xtrackers EUR High Yield Corporate Bond UCITS ETF (Dist) (WKN DBX0PR), der eine Gesamtkostenquote von lediglich 0,2 Prozent p.a. ausweist, eine viel günstigere Alternative, die dem iShares-ETF in nichts nachsteht.

Globaler High Yield Bond ETF für eine einzige Investition in die ganze Anlageklasse

Fonds-Selektoren und Anleger, die mit einer einzigen Transaktion lieber gleich global in die gesamte Anlageklasse liquider High Yield Bonds investieren möchten, können auf den iShares Global High Yield Corp Bond UCITS ETF (Dist) (WKN A1J7MG) zurückgreifen. Der bereits 2012 in Irland aufgelegte, ebenfalls ausschüttende ETF, bildet die Wertentwicklung des Markit iBoxx Global Developed Markets Liquid High Yield Capped Index nach und beinhaltet nicht weniger als 1.800 Hochzinsanleihen. Nahezu paritätisch investiert der ETF jeweils mit knapp 50% in europäische und nordamerikanische Hochzinsanleihen. Die durchschnittliche Restlaufzeit im ETF beträgt derzeit 3,9 Jahre. Der durchschnittliche Coupon liegt bei 4,5% und die Effektivverzinsung beträgt stolze 7,4%. Die Erträge werden halbjährlich ausgeschüttet und die Ausschüttungsrendite liegt bei 4,2%. Die durchschnittliche Bonität der enthaltenen Hochzinsanleihen liegt im Rating-Bereich „BB“, so sind derzeit 70% der im Index enthaltenen Hochzinsanleihen mit „BB“. Über 1 Jahr konnte der ETF um 2% an Wert zulegen bei einer Volatilität von 5,3%. Der max. Draw-Down betrug in den letzten 12 Monaten lediglich 5%.

Der Wertzuwachs über 10 Jahre beträgt 57,2%, was einem jährlichen Zuwachs von 4,6% nach Kosten entspricht. Das Fondsvolumen des iShares Global High Yield Corp Bond UCITS ETF ist auf komfortable 800 Mio. Euro angewachsen und die Gesamtkostenquote liegt bei 0,5 Prozent p.a.

Fazit

High Yield Bond-ETFs bieten Fonds-Selektoren eine transparente, liquide und kostengünstige Investitionsmöglichkeit in ein breit gestreutes Portfolio aus renditestarken Hochzinsanleihen. Aufgrund der Diversifikation im ETF sind Ausfallrisiken einzelner Anleihen zu vernachlässigen. Das wichtigste Kaufkriterium für ETFs ist allerdings deren liquider Handel, der sich um ein Vielfaches einfacher gestaltet, als bei
den im Index enthaltenen einzelnen Hochzinsanleihen. Bei den mit vorwiegend kurzen Restlaufzeiten strukturierten Portfolios schlägt das Zinsänderungsrisiko weit weniger stark durch. Sollte der Zinserhöhungszyklus tatsächlich bald ein Ende finden, las- sen sich mit High Yield Bond-ETFs mittelfristig hohe Effektivverzinsungen vereinnahmen!

Dies ist keine Anlageberatung. Bitte informiert euch vor einer Geldanlage über die Risiken und beachtet unsere Hinweise hier.

ein Artikel von
Markus Kaiser
Markus Kaiser ist Geschäftsführer der Greiff Research Institut GmbH und leitet den ETF-Bereich der Greiff capital management AG. Der Dipl. Vermögensmanager verfügt über mehr als 20 Jahre Investment-Erfahrung und zählt zu den erfolgreichsten Dachfonds-Pionieren.