Photo by Marvin Ronsdorf on Unsplash

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Corona-Krise

Geisterspiele: Wer jetzt Geld verliert – und wer profitiert

von Isabella Müller-Reinhardt

ZASTER-Kolumnistin Isabella Müller-Reinhardt graust es vor den anstehenden Geisterspielen in Champions League und Bundesliga. Den Vereinen auch, schließlich gehen ihnen gigantische Einnehmen durch die Lappen. Es gibt allerdings auch die, die von Geisterspielen profitieren – und dazu gehörst auch du!

Corona, jetzt reichts! Italien riegelt sich ab. Über 1100 Infizierte in Deutschland vermeldet das Robert-Koch-Institut. Hamsterkäufe, Panik, Mundschutz. Messen werden abgesagt, Schulen geschlossen. Und weil das nicht schon alles schlimm genug ist, nimmt uns der Virus jetzt auch noch unseren Fußball. Spätestens jetzt, sollte allen klar sein, wir haben wirklich ein Problem. Am Mittwoch spielt Borussia Dortmund im Achtelfinale der Champions League in Paris vor leeren Rängen. Geisterspiel!

Und am kommenden Wochenende wird der Bundesliga Gleiches blühen. Und genau dann steigt das Derby aller Derbys: Das Revierderby. Borussia Dortmund gegen Schalke 04. Die über 80.000 Stadionbesucher, die nun vor geschlossenen Stadion-Toren stehen, bekommen zumindest die Kohle für die Tickets zurück. Für Dortmund aber heißt ein leeres Stadion auch leere Kassen.

Bis zu 3 Millionen Euro sind futsch – pro Heimspiel!

Der durchschnittliche Ticketpreis für den Signal-Iduna Park liegt bei 35 Euro. 81365 Zuschauer sind bei Bundesliga-Heimspielen im Stadion. Hinzu kommen noch die Einnahmen für die Bratwurst (2,80 Euro) und das Bierchen (3,90). Und natürlich verkauft der Verein auch nicht wenige Trikots, Schals, Mützen oder sonstigen Merchandise-Kram rund um ein Heimspiel.

Zwischen 2,5 und 3 Millionen Euro pro Spieltag sind also futsch. Das entspricht in etwa dem Jahresgehalt eines mittelklassigen BVB-Profis.

Aber es gibt ja immer zwei Seiten. Und während die einen leiden, profitieren die anderen. Wer überträgt das Spiel? Sky! Und die werden sich jetzt schon die Hände reiben. Der ein oder andere enttäuschte Stadionbesucher wird sicherlich noch schnell ein Bundesliga-Abo abschließen. Für 29,99 monatlich gibt es dort das Supersport Ticket mit allen Bundesligaspielen live. Und nicht nur das, Sky wird sich auch über höhere Einschaltquoten und somit über höhere Werbeeinnahmen freuen dürfen. Was???? Werbung im Pay-TV? Yep. Und davon auch nicht zu wenig.

Warum ein Geisterspiel uns finanziell entlastet

Ebenfalls freuen dürften sich die Gastronomen oder Betreiber sogenannter Sport-Bars. Hütte voll, das Bier fließt in Strömen, die Umsätze steigen.

Und zu guter Letzt profitieren sogar wir alle finanziell von Geisterspielen. Wir, die Steuerzahler. Gerade bei sogenannten Risikospielen, zu denen Derbys nun mal gehören, sind mehrere Tausend Polizisten im Einsatz. Die Kosten übernimmt natürlich nicht der Verein, sondern der Staat. Etwa 70 Millionen Euro kosten die Polizei-Einsätze der ersten drei Ligen pro Saison. Die Polizisten dürfen sich ausnahmsweise mal auf ein ruhiges Wochenende freuen.

So wie auch alle Bahnfahrer. Wart ihr auch schon mal mit einer Horde betrunkener Fans im Großraumwagen unterwegs? Dann versteht ihr, was ich meine.

Und wer profitiert noch von Geisterspielen? Die Supermärkte! Die nächsten Hamsterkäufe stehen bevor. Ging es in den letzten Tagen mehr um Klopapier und Nudeln, werden zum Wochenende vermutlich die Bier und Chips-Regale leer geräumt! Ach, und keine Zuschauer, bedeutet ja auch: Keine DFB-feindlichen Plakate und Banner im Stadion!

... und in neun Monaten gucken wir mal auf die Geburtenrate!

ein Artikel von
Isabella Müller-Reinhardt
Isabella Müller-Reinhardt
Die in Madrid aufgewachsene Münchnerin arbeitet seit mittlerweile mehr als zwanzig Jahren als Sportmoderatorin für verschiedene deutsche und englische Fernsehsender. Zu den Stationen Müller-Reinhardts zählen unter anderem ARD, ITV, Sport1, Sky und Arena. Zudem plaudert sie in einem Podcast über „Weiberkram“ und schreibt diverse Sportkolumnen.

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