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10 MINUTEN. 3 FRAGEN. 1 THEMA.

Frauen und Finanzen: anfangen, motivieren, begeistern!

von Alicia Peters

In unserer neuen Interviewreihe stellt ZASTER-Autorin Alicia Peters der Börsen- und Finanzexpertin Carola Ferstl regelmäßig 3 Fragen zur Finanzwelt. Erfahre heute unter anderem, warum das Investieren schon direkt nach dem Berufseinstieg sinnvoll ist und wie Frauen mehr Begeisterung für das Thema Geld entwickeln können!

In unserer neuen Interviewreihe stellt ZASTER-Autorin Alicia Peters der Börsen- und Finanzexpertin Carola Ferstl regelmäßig 3 Fragen zur Finanzwelt. Erfahre heute unter anderem, warum das Investieren schon direkt nach dem Berufseinstieg sinnvoll ist und wie Frauen mehr Begeisterung für das Thema Geld entwickeln können!

1. In deinem Buch geht es darum, Frauen zu trainieren, souverän mit Geld umzugehen. Ich bin noch relativ jung, habe gerade erst mit meinem Beruf angefangen und stelle mir nun die Frage: Inwiefern ist Investieren bzw. ein finanzieller Durchblick bereits für mich als 22-jährige Berufseinsteigerin relevant?

Also ganz besonders wichtig ist, dass man so früh wie möglich anfängt. Eigentlich kann man schon als Kind Dinge über Geld lernen, aber auch als junge Frau ist es natürlich ganz toll. Jetzt verdienst du dein eigenes Geld und kannst auch schon direkt anfangen, Geld anzulegen. Nicht nur das Sparschwein zu füllen, sondern auch schon Aktien zu kaufen! Davon wirst du hinterher am meisten haben. Also: Du bist genau im richtigen Alter – nicht zu alt und nicht zu jung. Fang einfach an!

2. Du bist bekannt als Börsen- und Finanzexpertin, hast aber auch schon vor deiner Karriere bei n-tv, geprägt von deiner Familie, ein persönliches Interesse für Geld entwickelt. Das beschreibst du ja auch in deinem Buch. Wie baue ich persönlich Motivation oder Faszination zum Thema Geld auf, auch wenn ich z.B. nicht aus einer Familie komme, in der das Thema eine große Rolle gespielt hat?

Ich glaube, es ist schon mal ganz wichtig, dass viele junge Frauen heute ihr eigenes Geld verdienen. Das ist der erste, richtige Schritt. Das heißt, du hast eigenes Geld und dann fragst du dich natürlich auch: Was mache ich mit meinem Geld, außer es auszugeben? Und ich denke, selbst wenn du das von zuhause vielleicht nicht so mitbekommen hast, erlebst du z.B. in deinem Bekanntenkreis, dass Leute dir von Geldanlage erzählen und dass du neugierig wirst. Ich finde diese Zeiten ganz toll, weil es so viele einfache Möglichkeiten gibt – z.B. über Apps und über das Smartphone – wirklich anzufangen. Man braucht heutzutage nicht erst einen Bankberater und großartiges Wissen, sondern kann eigentlich direkt loslegen, mit kleinen Beträgen in Aktien zu sparen.

Bei der Motivation, wenn du anfängst zu sparen und Geld anzulegen, geht es auch immer darum, dass du weißt, du kannst dir davon etwas leisten. Also du sollst jetzt nicht von 22 bis 65 warten und dann erst ans Geldausgeben denken. Eine ganz wichtige Motivation für das „Heute-Sparen“ müsste meiner Meinung nach auch immer etwas sein, wo du beispielsweise sagst: Ich möchte mir in 2-3 Jahren etwas leisten oder ich möchte mir später ein Haus leisten. Bei mir war es so, dass ich wirklich schon als junges Mädchen gewusst habe, dass ich meine Oma nicht ins Heim geben wollte. Das war mir ganz, ganz wichtig. Da habe ich so eine Verantwortung gespürt und habe deshalb gesagt, ich will Geld sparen, damit ich ihr das später ermöglichen kann. Das war für mich die Motivation. Aber so kann für jemand anderen natürlich auch die Motivation sein, zu sagen: Ich möchte eine Weltreise machen und darauf spare ich jetzt.

3. Die letzte Frage für heute hast du dir wahrscheinlich schon öfter im Laufe deiner Karriere gestellt oder auch beim Schreiben deines Buches: Wieso begeistern sich Frauen – und da beziehe ich mich auch selber ein – immer noch weniger für Geld als Männer und wie könnte man dem entgegenwirken?

Ich denke, für die meisten Frauen ist das „Sein“ wichtiger als das „Haben“. Ich glaube, bei Männern ist es so: Die wollen immer viel Geld haben, damit sie dann auch etwas darstellen. Das Geld an sich ist für sie schon ein toller Ansporn. Für Frauen muss es auch immer etwas mit der Frage „Was kann ich eigentlich damit machen?“ zu tun haben und das ist natürlich ein bisschen komplexer, sodass Frauen sich eher um das Gefühlsmäßige kümmern, wobei Männer meist schon daran denken „Ich will viel Kohle haben“. Das ist vielleicht auch ein bisschen der Unterschied zwischen Männern und Frauen – dass sie tatsächlich unterschiedliche Ansätze verfolgen. Wenn Frauen da mit dem Motto „Ich will jetzt auch mal ein bisschen mehr aus meinem Geld machen“ rangehen, dann können sie auch die Dinge tun, die ihnen gefühlsmäßig wichtig sind.

Ich glaube, dann kommen wir einen großen Schritt voran. Frauen geht es darum, etwas Gutes zu tun, etwas Schönes aus dem Geld zu machen. Bei Männern ist das Geld an sich schon ein tolles Gefühl – viel Kohle zu machen, viel Kohle zu haben. Frauen stehen sich da immer noch ein bisschen selber im Weg, da sie manchmal auch gar nicht ihren Wert einschätzen können und auch ihre Arbeit gar nicht so richtig schätzen. Das führt auch dazu, dass sie weniger Gehalt bekommen, weil sie schlecht für sich verhandeln und ich glaube, da sind Jungs schon einen Schritt weiter. Die finden großartig, was sie tun und lassen sich das auch gerne besser bezahlen. Da müssen wir auch noch dran arbeiten. Das machen wir dann im nächsten Gespräch.

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ein Artikel von
Alicia Peters
Alicia Peters

Alicia hat sich im Rahmen ihres Studiengangs „Kultur der Metropole“ mit stadtkulturellen Veränderungen beschäftigt und sich nebenbei das nötige Wissen zum Leben im Großstadtdschungel Berlin angeeignet. In ihrer Kolumne "Young, broke (?) and happy" nimmt sie die Leser*innen mit auf ihren Weg zu finanzieller Selbstbestimmtheit und berichtet dabei von eigenen Erfolgen und Rückschlägen.