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STUDIE

Die Deutschen sind unglücklich im Job

von Nils Matthiesen

Fröhlich wie Spongebob zur Arbeit hüpfen? In Deutschland – auch schon vor der Coronakrise – eher die Ausnahme. Daran sind vor allem die Führungskräfte schuld.

Bittere Ergebnisse: Nirgendwo sind die Mitarbeiter so unmotiviert wie in Deutschland. Beinahe jeder Vierte geht lustlos zur Arbeit (23 Prozent). Das ist der schlechteste Wert weltweit. In den USA plagt sich dagegen gerade mal jeder Sechste mit Motivationsproblemen am Arbeitsplatz (18 Prozent). In Australien und Neuseeland dagegen geben 42 Prozent der Australier und 44 Prozent der Neuseeländer an, weder besonders motiviert noch unmotiviert im Job zu sein. Ähnlich lustlos wie die Deutschen sind nur die Briten (22 Prozent).

Das sind zumindest die Ergebnisse einer aktuellen Peakon-Studie. Weitere (nicht ganz überraschende) Erkenntnis: Unzufriedene Mitarbeiter kündigen eher und werden öfter krank – bis zu 75 Prozent höher liegt die Zahl der Krankheitstage. Ein Unternehmen mit 10.000 Angestellten kann das jährlich mehr als 48 Millionen Euro kosten. Ähnlich finster sind die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa und des Beratungsunternehmens Porsche Consulting, die das Online-Portal der Welt veröffentlichte. Demnach geht nur jeder zweite jeden Tag gern zur Arbeit.

Gen Z ist motivierter als die Millenials

Immerhin: Generation Z, geboren zwischen 1997 und 2012, zeigt sich im Job etwas motivierter. Laut Peakon gehen 49 Prozent gehen von ihnen gerne zur Arbeit – das bedeutet den Höchststand unter den Generationen am Arbeitsmarkt. Es folgen Generation X (1965 bis 1975, 46 Prozent) und die Babyboomer (1946 bis 1964, 45 Prozent). Das Schlusslicht aber bilden die Millennials (1981 bis 1996) mit nur 41 Prozent.

Schlechte Stimmung in deutschen Unternehmen

Mögliche Ursachen für die schlechte Stimmung im Arbeitsleben liefern die Autoren auch gleich mit: Vor allem die Führungskultur in vielen deutschen Unternehmen scheint für die Misere verantwortlich. Laut der Forsa-Umfrage ist beispielsweise jeder dritte Angestellte in Deutschland mit seinem Vorgesetzten so unzufrieden, dass er über eine Kündigung nachdenkt. Die Chefs würden sich um zu viele Dinge gleichzeitig kümmern (45 Prozent), sind oft gestresst und haben es eilig (32 Prozent) und loben zu selten (28 Prozent) sind die am häufigsten genannten Kritikpunkte.

Bessere Work/Life-Balance gefragt

Was machen Führungskräfte in den USA oder Dänemark anders, also Ländern, in denen die Mitarbeitermotivation ungleich höher liegt? In Dänemark ist beispielsweise die Balance zwischen Job und Privatleben fester Bestandteil der Arbeitswelt. Viele Angestellte und auch Führungskräfte verlassen bereits gegen 15 Uhr das Büro, um sich um Familie und Kinder kümmern zu können. Aufgrund der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind außerdem weit mehr Frauen erfolgreich im Berufsleben: Insgesamt sind 78 Prozent aller Däninnen wieder im Job, wenn ihre Kinder in die erste Klasse gehen. Generell herrschet eine ganz andere Work-Life-Balance in Dänemark vor, was sich unter anderem in der wöchentlichen Arbeitszeit widerspiegelt: Die durchschnittliche Arbeitszeit in Dänemark liegt bei 37 Stunden, in Deutschland sind es 40 Stunden.

Flexible Arbeitszeitmodelle fordert vor allem auch die Generation Z, das reicht ihr aber nicht: Mehr als jede andere Altersgruppe ist ihr ein authentischer Arbeitgeber wichtig, der sich sozial und ökologisch engagiert. 2019 stiegen die Erwähnungen von umweltbezogenen Begriffen in den Kommentaren der Generation Z um 128 Prozent – weit mehr als bei jeder anderen Generation.

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Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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