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ANGELEGT!

Corona und das Geld – oder: Hide, Pray & Invest!

von Leonhard Fischer

Heute und in meinen nächsten Kolumnen will ich versuchen, die Wirkung von Corona auf unsere Wirtschaft und damit unsere Jobs und unser Geld zu erfassen. Fangen wir mit einigen Fakten und einer ersten Schlussfolgerung an.

Am Mittwoch gab Italien Zahlen zu dem tragischen Verlauf der Krankheit auf seinem Gebiet bekannt. Zu dem Zeitpunkt waren rund 35.000 Menschen als infiziert erfasst worden und über 2500 verstorben.

Das Durchschnittsalter der Infizierten betrug 63, was den Schluss naheliegt, dass die wahre Zahl um ein Vielfaches (bis zu 250.000 Fälle) höher war. Das Durchschnittsalter der Toten lag bei 79,5 Jahren, 17 waren unter 50, 99% hatten eine oder mehr Nebenerkrankungen.

Ende Dezember hatte China der WHO von dieser neuen mysteriösen Lungenkrankheit erstmals berichtet. Innerhalb weniger Tage haben daraufhin Taiwan und Singapur Grenzkontrollen und andere umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen eingeführt. Ab dem 23. Januar stellte China die Provinz um Wuhan unter den Augen der Welt unter Quarantäne. Sofort haben Hongkong, Singapur und Japan ausgiebige Maßnahmen an der Grenze, zur Sensibilisierung der Bevölkerung und durch Virustests eingeleitet.

Irgendwelche relevanten Reaktionen der deutschen oder der europäischen Politik in dieser Zeit sind mir nicht bekannt. Im Gefolge ihres schnellen und umsichtigen Handels haben die mit uns vergleichbaren demokratischen Staaten Asiens – wie etwa Südkorea – bei gewissen Einschränkungen für die Bevölkerung per Stand heute die Lage relativ unter Kontrolle.

Die asiatische Wirtschaft leidet, aber sie befindet sich gegenüber Europa in einem deutlichen Vorteil.

Flächendeckende Shutdowns und panikartige landesweite Ausgangssperren wie in Europa hat es in Asien in dem Umfang nicht gegeben. Konsequenz: Die asiatische Wirtschaft leidet, aber sie befindet sich gegenüber Europa in einem deutlichen Vorteil.

Konkret bedeutet das: Man kann von Seoul nach Singapur fliegen und in einem Restaurant essen gehen ohne durch Straßen der Postapokalypse zu laufen. Die Frage ist, ob daraus nicht ein dramatischer Wettbewerbsnachteil mit allen Konsequenzen für unsere Jobs, unser Erspartes und unsere Zukunft entstehen kann?

Die Antwort ist: Ja. Und deshalb können wir davon ausgehen, dass unsere heillos überforderte politische Führung in wenigen Wochen den Fokus vom Krieg gegen das Virus vermehrt auf das Retten der Wirtschaft umstellen wird – und in der Folge zwischen beiden hin und her schwanken wird. Bevor ihr nun gleich nach Singapur auswandert, muss unsere Maxime in dieser Zeit erstmal sein: Hide and Pray. Wie es weitergehen könnte? Dazu in der nächsten Kolumne. Passt aufeinander auf.

ein Artikel von
Leonhard Fischer
Leonhard Fischer
Leonhard Fischer ist ein international anerkannter Kapitalmarkt-Experte und kreativer Vordenker im Finanzwesen. Das Manager-Magazin bezeichnet ihn als "Banker mit Wunderkindzertifikat". Er begann als Investmentbanker bei JPMorgan und wurde mit nur 36 Jahren Vorstand bei der Dresdner Bank, später auch bei der Allianz. Er war CEO des Schweizer Versicherers Winterthur und Vorstand bei der Credit Suisse. Bei ZASTER verrät Leonhard Fischer in seiner Kolumne “Angelegt!” wertvolle Geheimnisse rund um die Geldanlage.

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