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"Geld muss Spaß machen!" - Finanzexpertin Carola Ferstl im Interview

von Michael André Ankermüller

Carola Ferstl, eine der kompetentesten und überzeugendsten Frauen in der deutschen Finanzszene, prägte mit der Telebörse über viele Jahre die Börsenberichterstattung im Fernsehen. Heute moderiert sie die n-tv-Ratgeber-Reihe als Expertin für Finanzen, Steuern und Immobilien. ZASTER-Autor Michael André Ankermüller hat Carola im Zuge ihres neuen Buches "Keine Angst vor Mäusen- so kriegen Frauen ihre Finanzen in den Griff" zum Interview getroffen.

1. Frauen sind in Sachen Finanzen oft vorsichtig, manchmal sogar ängstlich. Diese Angst möchtest du Frauen mit deinem neuen Buch „Keine Angst vor Mäusen“ nehmen“. Hast du eine Erklärung dafür, wieso Frauen ihre Finanzen oft aufschieben und es sich unnötig schwer machen?

Geld und Finanzen machen auf viele - übrigens nicht nur Frauen – einen langweiligen und anstrengenden Eindruck. Dabei finden ja alle Geld irgendwie gut. Gerade Frauen wollen häufig etwas Gutes mit ihrem Geld tun und wissen, dass es dazu notwendig ist, erst mal Geld zu „machen“. Aber für die meisten Menschen ist der Anfang schwer. Einen Plan zu machen, wohin man will und wie man das erreichen kann. Das scheint für viele wie eine unüberwindliche Aufgabe. Ist es aber nicht!

2. Welchen Geldanlage-Tipp hättest du dir zu Beginn deiner Karriere gewünscht?

Ich hatte zum Glück Menschen in meinem Leben, die mir gute Tipps gegeben haben. Das fing an mit meinem Vater, der mit seinem Kleingeld meine Sparbüchse gefüllt hat und mit mir zur Sparkasse gegangen ist, um das Geld auf ein Konto einzuzahlen. Damals machte das aufgrund der Zinssituation auch noch Sinn. Später hatte ich dann durch meine Arbeit Zugang zu vielen erfahrenen Menschen im Thema Geldanlage, die jedoch meist Männer waren. Mit meinen Büchern möchte ich das ändern. Nun gibt es auch Frauen, die super Tipps geben können.

3. Gefühlt wird alles teurer, angefangen mit Mietkosten, aber auch Krankenkassenbeiträgen und Strom. Die Gehälter steigen aber nicht wirklich. Wie sollen junge Menschen investieren, wenn ihr Gehalt gerade so zum Leben reicht? Ab wann lohnt sich das Investieren überhaupt? Und welchen Anlagezeitraum schlägst du vor?

Investieren lohnt sich schon mit ganz wenig Geld. Ab etwa 25 Euro im Monat geht es los. Und dieses Geld ist bei den meisten da. Es ist manchmal nur gut versteckt in einigen vergessenen Abos oder in Verträgen, die man leicht optimieren kann. Wenn man mal für einen Monat ein Haushaltbuch führt, geht ja heute alles auch per App, dann findet man das Geld für den Start in die finanzielle Wellness… versprochen!

4. Die Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern sind in Deutschland nach wie vor existent. Frauen verdienen so 18 Prozent weniger als Männer. Was müsste sich deiner Meinung nach gesellschaftlich und auch rechtlich ändern, dass jener Gender Pay Gap nicht mehr vorhanden ist?

Ich finde Transparenz wichtig. Wer weiß schon, was sein Nachbar verdient. Heute hat man ja in größeren Unternehmen das Recht, nach Gehältern von vergleichbaren Jobs zu fragen. Aber ganz ehrlich, ich habe das auch noch nie gemacht. Ansonsten hilft nur Ausbildung. Man kann ja richtig trainieren, dass man in Verhandlungen besser „performt“. Und sich selber öfter mal vor dem Spiegel sagen: Ich bin meinen Preis für meine Leistung wert. Das ist vielleicht ein Anfang.

5. Du bist selbst Mutter von drei Kindern. Welche drei Anlage-Tipps würdest du einer frisch gewordenen Mama geben?


Leg los für den oder die Kleinen! Grade bei Kindern ist doch der lange Anlagehorizont geradezu perfekt, um in Aktien zu investieren. Ich habe bei jedem Kind eine andere Anlagestrategie gewählt. Zugegeben, das sorgt jetzt für etwas Neid - ich sage nicht bei welchem meiner Kinder und warum, aber es ist ein toller Einstieg für die Kleinen, wenn sie mal etwa größer sind, um selber mit dem Thema Aktien und Geldanlage zu beginnen. Vielleicht spornt der Neid ja auch an!

6. Und was würdest du allgemein Frauen raten, die selbstständig sind? Einen ETF-Sparplan, Einzelaktien, privat finanzierte Renten wie beispielsweise die Riester-Rente, eine eigene Immobilie oder möglicherweise Edelmetalle?

Alles ein bisschen. Ich sehe die Geldanlage wie eine Pyramide. Unten ist die Basis, da fängt man mit einem Sparplan an. Wenn man dann sieht, wie sich das Geld mehrt, bekommt man vielleicht und hoffentlich Lust auf mehr. Dann kann man sich irgendwann natürlich auch einzelne Aktien und andere Anlageformen für sein Depot auswählen. Immobilien finde ich ebenfalls toll. Das ist natürlich eine Investition, die nicht mal eben so schnell wie ein Aktienkauf gemacht werden kann. Das sagt bereits der Name: Wohnungen sind immobil.

7. Wie sieht deine persönliche Anlagestrategie aus? Spielen Kryptowährungen eine Rolle?

Ich habe auch anhand der Pyramide angelegt. Mein Haus und Aktienfonds sind meine Basis, aber auch Bitcoin und alternative Anlagen spielen eine Rolle. Das ist dann für mich aber die Spitze der Pyramide, also nur eine kleiner Teil meines Geldes. „Spielgeld“ mag ich es zwar nicht nennen, aber dennoch könnte ich an der Stelle auch einen kleinen Verlust verschmerzen.

8. Bei allem Ehrgeiz zum Sparen: Was sollte man deiner Meinung nach nicht vergessen?

Geld muss auch Spaß machen! Sich etwas gönnen ist für mich ganz wichtig. Meine Tochter durfte sich jetzt gerade von einem Teil ihrer Aktiengewinne etwas Tolles kaufen. Ich bin ganz stolz, dass sie dabei schon verstanden hat, dass man auch beim Thema „Luxus“ so kaufen kann, dass man einen gewissen Werterhalt hat und nicht am Ende mehr Zeug für die Altkleidersammlung im Schrank hat.

9. Wie würdest Du 50.000 Euro anlegen?

40.000 Euro ganz schlicht in einen breit aufgestellten Aktienfonds. 5000 Euro als Notgroschen in Tagesgeld. 5000 Euro für Einzelaktien oder ein Stückchen Bitcoin.

ein Artikel von
Michael André Ankermüller
Michael André Ankermüller
Michael lebt in Berlin und arbeitet als Journalist, Blogger, Autor sowie Berater für Digitale Medien. 2014 gründete er das sehr erfolgreiche Blogazine Blog.Bohème sowie Nebenseason & Kids.Bohème.

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