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HOMEOFFICE

Brennglas Corona: Was sich in unserer Arbeitswelt ändern muss

von Pauline Brinkmann

„Das Homeoffice macht alles viel besser, vor allem für Arbeitnehmer schafft es mehr Flexibilität“. Dies ist eine oft vertretene Behauptung, gerade seitens der Arbeitgeber. Dass sich de facto die Mehrzahl der Arbeitnehmer im Rahmen ihrer Arbeitstätigkeiten von zu Hause jedoch erheblich einschränken mussten, bleibt häufig unerwähnt. Der kürzlich vom „Deutsche Gewerkschaftsbund“ veröffentlichte Report „Index Gute Arbeit 2021“ soll diesbezüglich mehr Aufschluss geben. Inhalt dessen sind Befragungsergebnisse von 6.400 Arbeitnehmerinnen, die im Rahmen einer Erhebung aus dem Zeitraum von Januar 2021 bis Juni 2021, sprich während der Coronapandemie – genauer gesagt im Laufe der zweiten und dritten „Corona-Welle“ – gesammelt wurden.

Das Ergebnis ist beachtlich: 91 Prozent (!) der Arbeitnehmer gaben an, dass sie im Rahmen ihrer Arbeit aus dem Homeoffice weder bei der Einrichtung ihres Arbeitsplatzes noch bei zusätzlichen Heiz- und Stromkosten finanzielle Unterstützung erhielten. Zudem waren 48 Prozent der Arbeitsnehmer auf die Nutzung privater Endgeräte angewiesen.

Dass dieser Index mehr als nur ein Andenken an vergangene Tage sein soll, macht insbesondere der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann deutlich. So betont er: „Die Ergebnisse sind nicht nur die Bestandsaufnahme einer Ausnahmesituation, sie zeigen zugleich Anforderungen an die Gestaltung der Arbeit der Zukunft“.  

Denken wir an die Arbeit während der Coronapandemie, so schießen uns Bilder von Menschen mit großen Bildschirmen unter den Armen oder leer gefegten Großraumbüros in den Kopf. Tatsächlich hat laut dem Report der DGB seit März 2020 jedoch nur jeder dritte Arbeitnehmer sehr häufig und jeder zwölfte „oft“ von zu Hause aus gearbeitet. Oftmals vergessen wir bei der sicherlich in großen Teilen durchaus berechtigten Homeofficekritik nämlich, dass es gerade in dieser Zeit auch ein Privileg war, die Möglichkeit zu haben, aus den eigenen vier Wänden heraus zu arbeiten. 

Dies wird vor allem durch die nachfolgenden Zahlen deutlich: So fühlten sich knapp 60 Prozent der Erzieher und 49 Prozent der Lehrer entweder gar nicht oder nur in geringem Maße vor Ansteckungen geschützt. Zudem erklärte fast jeder dritte Arbeitnehmer, dass er sich durch die Infektionsschutzmaßnahmen am Arbeitsplatz in sehr hohem, respektive hohem Maß belastet fühlte. Besonders beklagt wurde dies von Erzieher, Lehrer an Sekundarschulen und Altenpfleger.

Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann hat klare Vorstellungen, wenn es um das Arbeiten in der Zukunft geht. So erklärt er, dass der Einzug von digitalen Tools wie Videokonferenzen, Plattformen zur Zusammenarbeit und das Homeoffice zu einem „New Normal“ geführt haben, welches es allerdings noch zu regulieren gilt. Dies betreffend geht aus der Studie hervor, dass lediglich 39 Prozent der Arbeitnehmer eine Schulung erhielten, die ihnen den sicheren Umgang mit den neuen Arbeitsmitteln ermöglichte. 35 Prozent haben sich außerdem durch die verstärkte Nutzung digitaler Kommunikationsmittel mehr belastet gefühlt als davor.

Hoffmann unterstreicht zudem: „Es braucht über den Krisenfall hinaus Standards guter Arbeit, eine Stärkung der Mitbestimmung sowie einen modernen Arbeitsschutz für mobiles Arbeiten“.

Doch wer glaubt, dass die Arbeitnehmer im Homeoffice regelrecht in Vergessenheit gerieten, der wird von dem Report eines besseren belehrt. Laut diesem erklärten 36 Prozent der Arbeitnehmer, die auch Arbeit von zu Hause erledigten, dass es bei ihrem Arbeitgeber keine betrieblichen Vereinbarungen zum Homeoffice gab. Bei jenen Arbeitgebern, die diesbezügliche Regeln aufstellten, hatten die Mitarbeiter zudem einen größeren Einfluss auf die Arbeitszeitgestaltung: Sie mussten nicht ständig erreichbar sein und weniger häufig unbezahlte Überstunden leisten. 

ein Artikel von
Pauline Brinkmann
Pauline ist 23 und studiert in Potsdam und Lausanne Rechtswissenschaften. Ihr besonderes Interesse gilt jedoch nicht Mietverträgen, sondern politischen und gesellschaftlichen Prozessen."