Blick ins Haushaltsbuch #5

von Nikolina Krstinic

Javier Arévalo ist 35 Jahre alt und Grafikdesigner. Er lebt in Playa del Carmen auf der Halbinsel Yucatan in Mexiko. Wieviel er verdient und wofür er sein Geld ausgibt, erzählt er hier.

Der 35-jährige Mexikaner ist freiberuflicher Grafikdesigner und arbeitet drei Tage pro Woche für eine Tauchschule. Javier kümmert sich um den Internetauftritt der Tauchschule. „Mein Fokus liegt auf Identitätsbildung und gutem Branding für kleine Unternehmen, auf Marketing und Werbung“, erzählt er. Javier fügt hinzu: „Den Rest der Woche verbringe ich mit Arbeit an eigenen Projekten.“ Damit kommt er auf ein Monatsgehalt von knapp 20.000 Pesos – umgerechnet etwa 915 Euro. Das durchschnittliche Gehalt für einen ausgebildeten Grafiker in Mexiko beträgt etwa 150.000 Pesos jährlich, umgerechnet knapp 7000 Euro. Somit liegt Javier mit seinem Jahresgehalt weit über dem Durchschnitt.

Nachdem Javier mit der Schule fertig war, studierte er Grafikdesign an der Ibero Universität in seiner Heimatstadt Puebla, südöstlich von Mexiko Stadt. Danach verschlägt es ihn nach Playa del Carmen, wo er zunächst in der Tourismusbranche Fuß fasst. Auf die Frage, welche Bedeutung Arbeit für ihn hat, antwortet er prompt: „Ich arbeite nicht für das Geld. Wenn das der Fall wäre, da bin ich ehrlich, würde ich schon lange etwas anderes machen.“ Für die Tauchschule arbeitet er unter anderem deshalb so gerne, weil er dort in Sachen Kreativität ganz uneingeschränkt ist. Und wenn er einmal so gar keine Lust auf alles hat, dann taucht er selbst einfach ab.

Ausgaben

Javier gibt monatlich etwa 90 Euro für Lebensmitteleinkäufe aus. „Ich liebe es zu kochen, deshalb kaufe ich immer frische Produkte. Essen einzukaufen wird erst teuer, wenn man gefrorene Produkte oder Mikrowellengerichte kauft. Das mache ich nicht.“ Ein durchschnittliches Abendessen für eine Person in einem „besseren“ Restaurant in Playa del Carmen kostet zwischen 13 und 20 Euro. Sehr gut und günstig isst man aber auch in den kleinen, gut besuchten Straßenküchen der Stadt. Dort kostet das Abendessen für eine Person um die fünf Euro.

Teurer wird es, wenn man abends ausgeht und Alkohol trinkt. Playa del Carmen und das nahegelegene Tulum sind bekannte Hotspots für Nachtschwärmer. Deejays und Partywütige aus aller Welt reisen hierher, um dem Winterblues zu entkommen und sich für ein paar Tage dem magischen Sog Mexikos hinzugeben. Mich interessiert, wie viel Geld Javier als hier lebender Mann für Parties ausgibt. „Wenn ich alleine ausgehe kostet es mich ungefähr 35 bis 55 Euro pro Abend. Eintritt in Clubs zahlen wir selten, man kennt sich ja untereinander. Im Monat gebe ich 130 bis 150 Euro für diesen Spaß aus“, sagt er, und fügt lachend hinzu: „Bei euch in Deutschland wird es nicht anders sein – ihr tappt in keine Touristenfalle.“ Javier ist außerdem Raucher. Für Zigaretten gibt er monatlich zirka 40 Euro aus.

Darüber hinaus sind seine Ausgaben relativ überschaubar, sodass ihm in manchen Monaten sogar drei- bis vierhundert Euro übrig bleiben. Derzeit spart Javier dieses Geld, weil er davon träumt, bald seinen eigenen Tauchshop zu eröffnen. Seine Unterkunft kostet ihn monatlich 200 Euro. Strom, Gas und Heizkosten machen weitere 65 Euro aus. Er teilt ein zweistöckiges Wohnhaus mit seinem Mitbewohner, der Tauchlehrer ist.

Die letzten größeren Ausgaben die „Javi“, wie er von Freunden genannt wird, gemacht hat, waren für ein Motorrad, das er braucht um von A nach B zu kommen, und ein neues iPad, weil gute Technik für ihn als Grafikdesigner „unverzichtbar“ ist, wie er mir verrät. Zusätzlich kann er pro Monat mit 20 bis 30 Euro Spritkosten für sein Gefährt rechnen, denn ein Liter Benzin kostet umgerechnet weniger als einen Euro.

Safety first?

Eine Gesundheitsversicherung hat Javier nicht. Auch keine Haftpflicht- oder Hausratsversicherung, wie es hierzulande durchaus üblich ist. Javier erklärt: „Wenn du angestellt bist, muss dein Arbeitgeber dich versichern. Das ist also ganz genau wie in Europa auch. Bist du nicht angestellt, so wie ich, wirst du zur Kasse gebeten. Eine private Krankenvorsorge kostet zwischen 600 und 900 Euro im Jahr. Das ist viel Geld, und nicht jeder kann oder möchte sich das leisten.“ Bei einer Arbeitslosenquote von 3,5 Prozent (Stand: 2018) und einem Mindestlohn, der unter der Armutsgrenze liegt, überrascht es nicht, dass viele Bewohner Mexikos notgedrungen auf eine Versicherung verzichten müssen.

Trotz seines vergleichsweise guten Monatslohns hat Javier den Kontinent bisweilen noch nie verlassen. Er fährt regelmäßig nach Nordamerika, um seine Familie zu besuchen, und hat weite Teile Mexikos gesehen… „Und Europa?“ frage ich ihn neugierig. „Europa ist auf meiner Wunschliste ganz oben. Ich kann es kaum erwarten Berlin zu sehen. Einige meiner Freunde wohnen da. Außerdem möchte ich unbedingt nach Laos, Thailand, Malaysia und Singapur.“

Insgesamt kommt Javier auf Ausgaben von rund 550 Euro im Monat, und schafft es so tatsächlich noch einen großen Teil seines Gehalts zu sparen. Und so rücken nicht nur die Erkundungstouren durch Europa und Asien näher, sondern vor allem auch die Erfüllung seines Traumes vom eigenen Tauchladen. Wir wünschen ihm dabei viel Glück!

ein Artikel von
Nikolina Krstinic
Nikolina Krstinic studierte in Wien und Berlin Kulturwissenschaften, Journalismus und Unternehmenskommunikation. Sie ist als freie Autorin und Journalistin tätig - seit Februar 2018 auch für Zaster.