© Marco Preuschoff
ZASTER AROUND THE WORLD

Auswandern: Was kostet das Leben auf Gran Canaria?

von Michael André Ankermüller

Marco Preuschoff ist Wirtschaftsjurist (LL.M.) und begleitet Unternehmer, Selbstständige und Fachkräfte beim Neustart in Spanien – mit besonderem Fokus auf die Kanarischen Inseln. Sein Ansatz: rechtssichere Wegzugsplanung aus Deutschland, verbunden mit einer strukturierten Umsetzung beruflicher und unternehmerischer Vorhaben vor Ort.

Der gebürtige Berliner entschied sich nach einer längeren Reise um die Welt dazu, mit seiner Familie auf Gran Canaria zu leben. Von dort aus unterstützt er heute Auswanderer und Investoren, hält regelmäßig Fachvorträge und betreut seine eigene Community rund um das Leben und Arbeiten in Spanien.

Warum bist Du nach Gran Canaria gegangen und was hält Dich dort?

Nach knapp 50 bereisten Ländern und einer Weltumrundung war für mich klar, dass ich einmal im Ausland leben möchte. Der Hauptgrund, weshalb ich nach Gran Canaria gezogen bin, ist, dass ich kein anderes Land der Welt kenne, das ein solch einzigartiges Klima hat. Ich wohne in der Nähe von Las Palmas. Dort ist es im Winter nicht zu kalt und im Sommer nicht zu heiß. Ich selbst brauche weder eine Heizung noch eine Klimaanlage, da das Klima ganzjährig konstant angenehm ist. Es ist ganzjährig Saison auf der Insel. Außerdem bin ich weiterhin in der EU, habe den Euro als Währung, habe eine sehr gute medizinische Sicherheit, gute Schulen für meine Kinder, nur eine Stunde Zeitverschiebung zu Deutschland, Direktflüge und EU-Rechtssicherheit sowie das Meer vor der Tür.

Was können die Deutschen von den Kanariern lernen? Und möglicherweise andersherum?

Ich merke immer wieder, dass die Bausubstanz auf Gran Canaria oftmals nicht ideal ist. Die Immobilien haben viel mit Feuchtigkeit zu kämpfen. Klar sind die Kanaren stärker Salzluft, Sonne und teilweise Calima (Sandsturm aus der Sahara) ausgesetzt. Aber das kann man sicherlich optimieren und von den Deutschen lernen. Die Deutschen können von den Spaniern lernen, dass Leben lockerer zu sehen und mehr zu genießen. Das Inselleben ist entspannter und es herrscht weniger Hektik. Es wird sich Zeit genommen, um sich gesellschaftlich auszutauschen. In Berlin, wo ich herkomme, herrscht eine andere Schlagzahl – so ist zumindest meine persönliche Wahrnehmung.

Welche 3 Tipps würdest du einem Deutschen geben, der auch auf die Kanarischen Inseln auswandern will?

Steuerliche und berufliche/unternehmerische Situation planen: Wenn z. B. der Remote-Job von den Kanaren aus durchgeführt werden soll, muss man den Job offiziell in Spanien anmelden. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Für Selbstständige und Unternehmer ist das Thema „Wegzugsbesteuerung“ und „Entstrickungsbesteuerung“ hochrelevant. Hier müssen frühzeitig Umstrukturierungen bzw. Gestaltungsmaßnahmen stattfinden, um nicht davon betroffen zu sein.
Für alle Auswanderer, die aus beruflichen/wirtschaftlichen Gründen nach Spanien kommen, ist weiterhin das „Beckham Law“ sehr interessant, um von Steuervorteilen Gebrauch zu machen.

Wenn die Frist verpasst wird, sind die Steuervorteile nicht mehr anwendbar. Außerdem gibt es steuerliche Implikationen, wenn man weiterhin Immobilienbesitz in Deutschland hält, derer man sich bewusst sein sollte. Verstehen und Vorbereitungen treffen, welche bürokratischen Hürden auf den Kanarischen Inseln erforderlich sind, um Resident zu werden. Dazu zählt die Beantragung einer Ausländeridentifikationsnummer (N.I.E.), die Anmeldung in der Gemeinde und die Beantragung der „Residencia“. Darüber hinaus gibt es noch weitere wichtige Schritte hinsichtlich einer digitalen Unterschrift, die Anmeldung bei der staatlichen Sozialversicherung oder auch eines Auto-Imports.

Darauf einstellen, dass die Wohnungs- bzw. Immobiliensuche Zeit in Anspruch nehmen wird. Seit einigen Jahren haben die Kanaren einen starken Zuwachs an Einwanderern. Es gibt nur einen begrenzten Wohnraum und eine hohe Nachfrage. Das knappe Angebot hat einen entsprechenden Preis.

Wie teuer ist das Leben in Gran Canaria oder auf den Kanarischen Inseln im Vergleich zu Deutschland?

Es gibt Produkte und Dienstleistungen, die günstiger sind und manche, die teurer sind. Obwohl die Kanaren zu Europa und zur EU gehören, gelten sie umsatzsteuertechnisch als Drittland. Daher gibt es hier viele Vergünstigungen, Steuerbefreiungen und einen reduzierten Mehrwertsteuersatz von nur 7 % (IGIC).

Günstiger auf den Kanaren:

Tanken kostet beispielsweise Stand heute (12.03.26) nur ca. 1,14 €/Liter. Vor zwei Wochen lag der Preis allerdings noch bei 0,97 €/Liter – der Anstieg ist dem Iran-Krieg zuzuschreiben. Trotzdem ist der Preis noch human.

Restaurant- oder Café-Besuche sind deutlich günstiger als in Deutschland. Ein Kaffee mit Milch kostet ca. 1,40 €.

Der Strom-Preis mit ca. 14 Cent/kWh ist deutlich günstiger als in Deutschland.

Dienstleistungen, wie Werkstatt-Besuche, sind in der Regel günstiger, da der Arbeitslohn deutlich geringer ist.

Günstiger in Deutschland:

Lebensmittel in den Supermärkten sind meinem Eindruck nach etwas günstiger in Deutschland.

Je nachdem, wo man in Deutschland wohnt, ist die Miete günstiger als auf den Kanaren. Für eine kleine, vernünftige 2-Zimmer-Wohnung in Meernähe zahlt man mind. 1.000 € Kaltmiete.

Krankenversicherung, Steuern, Rentenversicherung? Wie wird das auf den Kanarischen Inseln gehandhabt?

Krankenversicherung: Wenn du einen Arbeitsvertrag hast oder eine selbstständige Tätigkeit ausübst, kommst du in die staatliche Sozialversicherung. Diese beinhaltet z. B. die Krankenversicherung. Es handelt sich also um eine staatliche Krankenversicherung, bei der es keine freie Arztwahl gibt. Du kannst aber ergänzend eine private Krankenversicherung abschließen. Das machen auch fast alle Auswanderer, da diese relativ günstig sind.

Rentenversicherung: Die Rentenversicherung wird ebenfalls durch die Sozialversicherung abgedeckt. Das aktuelle Renteneintrittsalter liegt bei 65 Jahren. Es wird aber in den kommenden Jahren auf 67 Jahre angehoben. Im internationalen Vergleich liegt die Nettoersatzquote in Spanien deutlich höher als in Deutschland – laut OECD rund 78 bis 80 % gegenüber etwa 52 bis 55 % in Deutschland.

Steuern: Das Einkommensteuersystem ist – wie in Deutschland – progressiv gestaffelt. Auch Kryptowährungen, Aktien, ETFs oder Immobiliengewinne werden besteuert. Darüber hinaus gibt es auf den Kanaren eine Vermögensteuer. Der Freibetrag liegt aktuell bei 700.000 € pro Person zuzüglich 300.000 € Freibetrag für die selbstgenutzte Immobilie. Lediglich durch das Beckham Law besteht die Möglichkeit, die Einkommensteuer auf 24 % zu begrenzen.

Zusätzlich werden unter diesem Steuerregime ausländische Vermögenswerte und Kapitalerträge nicht besteuert, sofern sie nicht aus einer spanischen Quelle stammen. Das Beckham Law ist bis zu sechs Jahre anwendbar, wenn man die Voraussetzungen erfüllt. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, ein Unternehmen in der Sonderzone der Kanarischen Inseln (ZEC) zu gründen, um damit von lediglich 4 % Unternehmensbesteuerung zu profitieren.

Welchen geheimen Spartipp hast Du für das Leben auf Gran Canaria entdeckt?

Tanken: Es gibt deutliche Unterschiede zwischen den Tankstellen. Die Tankstellen Canaryoil, Plenoil oder Petroprix sind z. B. deutlich günstiger (ca. 0,20 € Ersparnis pro Liter).

Einkaufen: Das Obst und Gemüse auf lokalen Märkten in der Gemeinde sind deutlich frischer und günstiger. Hier muss man aber damit rechnen, dass die Ware saisonal und regional geprägt ist.

Residententarif: Sobald du die Residencia hast, bekommst du auf Inlandstransfers bis zu 75 % Rabatt, da hier Subventionen durch den Staat getätigt werden. Dazu zählen alle Flüge innerhalb Spaniens. Auch die Fähren zwischen den Kanarischen Inseln. Aber auch Eintritte oder Hotels sind oft deutlich günstiger. Auch der lokale Bus ist nahezu kostenlos.

Welches Produkt ist auf Gran Canaria besonders teuer und welches Produkt sehr günstig?

Besonders günstig im Vergleich zu Deutschland ist Tanken und auch Zigaretten, dadurch dass die Kanaren ein anderes Zollgebiet haben. Besonders teuer sind viele deutsche Produkte, die es hier zu kaufen gibt. Zum Beispiel Kosmetik-Artikel oder auch Schokoladen-Markenprodukte. Diese Produkte haben erstens einen größeren logistischen Aufwand hinter sich und zweitens müssen sie zolltechnisch erst importiert werden.

Hast Du einen Tipp für die Jobsuche für Einwanderer auf den Kanarischen Inseln?

Etwa 40 % der Einwohner auf den Kanaren sind vom Tourismus abhängig. Die Kanaren haben viele Millionen Besucher pro Jahr. Dazu zählen auch viele deutsche Urlauber. Im Tourismussektor hat man also eine höhere Wahrscheinlichkeit, einen Job zu finden.

Wer sich nicht im Tourismus zuhause fühlt, könnte über folgende Wege einen Job auf den Kanaren finden:

Zum einen gibt es ein Firmenverzeichnis deutscher Unternehmen auf den Kanaren. Dort könnte man proaktiv auf die Unternehmen zugehen: „Deutsche Firmen Kanaren“

Des Weiteren gibt es ein Stellenportal der Europäischen Kommission, um Jobs in Spanien zu finden: „EURES Stellenportal“

Die AHK Spanien, die mit der IHK und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie zusammenarbeitet, verfügt über ein Stellenportal und eine Liste mit den 100 größten deutschen Unternehmen mit einer Niederlassung in Spanien, wo man sich proaktiv bewerben könnte.

Es gibt mittlerweile Remote-Job-Experten, die einen dabei unterstützen, einen adäquaten Job zu finden.

Wie sieht dein neuer Alltag auf Gran Canaria aus? Was hat sich hier am meisten zum alten Leben verändert?

Der größte Unterschied ist, dass ich in Helligkeit lebe. Selbst wenn es bewölkt ist, ist es hell – klingt komisch, ist aber so. Das hat Auswirkungen auf das persönliche Wohlbefinden und auf die eigene Energie und Gesundheit. Außerdem findet das Leben mehr draußen statt. Tagsüber bin ich in meinem Büro und abends spazieren wir mit den Kindern die Promenade entlang oder setzen uns nochmal an den Strand. Aktuell lebe ich minimalistischer. In Deutschland hatte ich ein relativ großes Haus mit Garten und auf Gran Canaria lebe ich in einer Wohnung mit Terrasse unmittelbar am Strand mit Meerblick.

Die Schulwege haben sich allerdings etwas verlängert, da wir unsere Kinder auf bestimmte Privatschulen schicken.

Außerdem hat sich mein Online-Konsumverhalten verändert, da Amazon hier kaum verfügbar ist. Nur sehr wenige Produkte werden auf die Kanaren durch diesen Dienstleister geliefert, sodass man mehr darauf angewiesen ist, wieder stationär in den Laden zu gehen und sich die gewünschten Produkte zu kaufen.

Welche Rolle spielt Geld in der Gesellschaft auf den Kanarischen Inseln? Was würdest Du sagen?

Äußerlich merkt man nicht, dass Geld eine große Rolle spielt, da die Kanarier zufrieden wirken, offen und zugänglich sind, jede Woche irgendwo ein lokales Fest stattfindet und Lebensfreude zeigen. Aber Statistiken zeigen, dass Geld eine große Rolle spielt: Denn die „Kanarier“ haben eines der geringsten Lohnniveaus in ganz Spanien. Außerdem gibt es eine hohe Arbeitslosigkeit und das Leben auf den Kanaren wird durch ein knappes Mietangebot immer teurer.

Ich habe das Gefühl, dass die Schere zwischen wenig und viel Vermögen relativ groß ist. Sobald man seine Kinder an einer Privatschule hat, kommt man ganz schnell in andere Kreise, wo man eine gut situierte Gesellschaft antrifft. Das spiegelt aber nicht die allgemeine Gesellschaft wider. Aber grundsätzlich sind die Kanaren kein Luxus-Standort wie beispielsweise die Balearen.

ein Artikel von
Michael André Ankermüller
Michael lebt in Berlin, beschäftigt sich gerne mit Wirtschafts- und Finanzthemen und arbeitet als Journalist, Blogger, Autor sowie Berater für Digitale Medien. 2014 gründete er das sehr erfolgreiche Blogazine Blog.Bohème.