Hast du schon mal versucht, einen Text in einer Fremdsprache zu lesen, von der du kein Wort verstehst? Wahrscheinlich nicht, aber genau so fühlte es sich an, als ich das erste Mal ein Verkaufsprospekt in der Hand hatte. Eine meistens mehr als 100 Seiten lange, sehr ausführliche Auskunft über jedes noch so kleine Detail eines Fonds inklusive aller Risiken etc.
Das Durchlesen fällt einem alles andere als leicht. Aber wenn du detailliert in einen Fonds eintauchen möchtest, ist das Verkaufsprospekt trotzdem der Ort, wo du nachschauen solltest.
Mein Name ist Luis und ich habe die Ehre, sechs wertvolle Wochen meines Lebens bei einem Asset Manager in Freiburg noch wertvoller zu machen. Um genauer zu sein: bei der Greiff Capital Management AG, einem unabhängigen, inhabergeführten Boutique-Asset-Manager mit rund 2 Mrd. Euro verwaltetem Vermögen. Letztes Jahr habe ich mein Abitur absolviert, und ein halbes Jahr später war es mein Wunsch, neben dem persönlichen Interesse an Finanzmärkten und dem Investieren auch ein Praktikum noch vor dem Studium in diesem Gebiet zu absolvieren. Volker Schilling, Mitgründer von Greiff, Portfoliomanager mit über 30 Jahren Erfahrung und gefragter n-tv-Experte, sowie Andrea Saaman, die als Office Managerin den Laden zusammenhält und für Personal und Buchhaltung verantwortlich ist, ermöglichten mir genau das.
Eine Aufgabe, an die ich mich die nächsten Jahre auf jeden Fall erinnern werde, ist die Vorbereitung einer Präsentation für das Marketing-Team und den Vorstand Volker. Und das nicht nur wegen des aktuellen Inhalts (der auch für dich relevant sein wird!), sondern auch wegen des Zeitdrucks und der Vorbereitung. Das neue, ab 2027 geltende Altersvorsorgedepot (AVD) war die inhaltliche Vorgabe. Der Rest wurde meiner Kreativität überlassen. Ich hatte vier Tage. Ich habe umfangreich recherchiert, bis die Zeit schneller verging als ich vorankam. Der Abend davor ließ sich gut mit den drei Wörtern „üben, üben, üben“ zusammenfassen, während die Stunden am Morgen danach ebenso voll ausgekostet wurden.
Das Meeting selbst war deutlich entspannter als erwartet. Es war eher eine gemeinsame Diskussion, wobei ich natürlich trotzdem die Präsentation gehalten habe. Kurz zusammengefasst ging es um die Schwachstellen des deutschen Rentensystems und um die Entlastung der staatlichen und betrieblichen Altersvorsorge durch eine innovative, staatlich geförderte private Vorsorge am Kapitalmarkt. Wer heute jung ist, wird mit der gesetzlichen Rente nicht weit kommen und das AVD soll genau diese Lücke schließen. Die Präsentation diente als Basis, um alle Teammitglieder auf den gleichen Stand zu bringen, da das Thema, im Asset Management, in den nächsten Jahren zunehmend an Relevanz gewinnen wird.
Im Zuge meiner Zeit bei Greiff habe ich realisiert, dass Asset Management deutlich mehr ist als „Geld investieren“. Hinter jedem Fonds steht eine Idee, die Regulatorik, eine KVG-Struktur, der Vertrieb, das Risikomanagement, Research und natürlich die Kommunikation mit den Investoren. Jeder dieser Bereiche ist eine eigene Welt und sie greifen alle ineinander.
Der Alltag bei Greiff sah so aus: Morgens bin ich mit einer schnellen Zugverbindung zum Büro gefahren. Am Nachmittag davor habe ich mir die Aufgaben für den folgenden Tag schon notiert, welche dann schon darauf warten, durchgestrichen zu werden. Zwischen Einblicken in den Handel und Einsicht in Software wie Bloomberg haben die Aufgaben deutlich variiert und reichen von Recherche zu Gesetzeslagen, über Datenpflege in Customer-Relationship-Management-Systemen wie HubSpot, bis zu Wettbewerbsanalysen für das Marketing-Team und allgemeiner Unterstützung im Tagesgeschäft. Vergessen fühlt man sich hier nie. Im Gegenteil. Oft wurde ich auch bei kleineren Anliegen meiner Kollegen und Kolleginnen angesprochen, und auch sie waren jederzeit bereit, bei Unklarheiten ausführlich Auskunft zu geben.
Nicht selten kam der Chef auch persönlich auf mich zu. Mal habe ich einen Artikel kritisch gegengelesen, um Feedback zu geben, mal bereitete ich Präsentationsunterlagen vor, auf deren Basis er später mit Partnern gesprochen hat.
Die Lernkurve ist real, und ich bin überzeugt: Ich habe viel über Tatsachen und gelebten Alltäglichkeiten im Universum des aktiven Portfoliomanagements gelernt. Mehr als ich es mit bloßer Theorie getan hätte – und bin, in Anbetracht dessen, dass dies mein erstes richtiges Praktikum ist, definitiv für das nächste gewappnet.
Es war eine interessante Zeit und ich kann nur empfehlen: sammelt Erfahrung.
Interessen und Motivation entstehen nicht einfach so. Sie entstehen durch Experimentieren und Ausprobieren. Informationsbasiertes Wissen und erfahrungsbasiertes Wissen, sind zwei verschiedenen Sachen.
Und wenn man weiß, wo die Interessen liegen, dann geht es darum: zu tun, worin man gut ist – und zu lieben, was man tut.
Luis Wyneken