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Clever angelegt

Mal über 50 Prozent Plus, mal weit hinter dem Ziel: Was hinter dem Fonds H2O MultiEquities steckt

von ZASTER Redaktion

Der H2O MultiEquities soll seine Rendite nicht allein aus steigenden Aktienkursen holen. Er setzt auch auf Unterschiede zwischen Regionen, Ländern, Branchen und Einzeltiteln sowie auf eigenständige Währungsstrategien. Eine aktuelle Fondsanalyse bewertet ihn als interessant, aber anspruchsvoll. Für Anleger, die eine möglichst ruhige und stetige Wertentwicklung suchen, ist der Fonds aus Sicht der Analysten sicherlich nichts.

Auf beiden Seiten des Marktes

Klassische Long-only-Ansätze wählen vor allem die passenden Unternehmen, Regionen oder Branchen aus und gewichten sie. Long/Short-Manager können zusätzlich auf Bewertungsunterschiede setzen und Positionen auf beiden Seiten des Marktes eingehen. Dann zählt nicht unbedingt, ob ein Markt steigt oder fällt. Es kann auch darauf ankommen, ob sich die bevorzugte Anlage besser entwickelt als die Position auf der Gegenseite. Das schafft zusätzliche Renditequellen, erhöht aber auch die Komplexität. Laufen mehrere Einschätzungen gleichzeitig in die falsche Richtung, kann das die Wertentwicklung spürbar belasten.

Beim H2O MultiEquities darf das Netto-Aktienengagement zwischen 60 und 150 Prozent des Netto-Fondsvermögens liegen. Ende August 2026 lag es bei 117,5 Prozent. Dazu kommt ein eigenständiger Bereich für Währungsstrategien. Die Fondsgesellschaft H2O Asset Management betrachtet Devisen ausdrücklich als eigene Anlageklasse.

Menschen entscheiden, nicht Modelle

Verantwortlich für den Fonds sind Christophe Chappuis und Thomas Goury. Die Anlageentscheidungen treffen Menschen. Quantitative Modelle unterstützen sie, entscheiden aber nicht über die Transaktionen. Auch generative KI kommt zum Einsatz. Sie wertet etwa große Mengen an makroökonomischen Kommentaren, Research und geldpolitischen Aussagen aus und fasst sie zusammen. Darüber hinaus analysiert H2O interne Investmentdiskussionen, um mögliche Denkverzerrungen und Verhaltensmuster zu erkennen. Die Ergebnisse dienen ausschließlich als ergänzender Input: Sie lösen keine Trades aus und treffen keine Portfolioentscheidungen. Für eine Anlageentscheidung muss die Bewertung günstig sein. Allein reicht das aber nicht aus.

Starke Jahre, ein enttäuschendes Jahr

Die Bilanz zeigt die Chancen und die Schwankungen des Ansatzes. 2021 legte der Fonds um 52,13 Prozent zu, 2022 um 2,48 Prozent und 2023 um 33,85 Prozent. 2024 lag das Plus bei 6,41 Prozent. Gemessen am Renditeziel war das Jahr aber ausgesprochen schwach. Nach Angaben von H2O belasteten vor allem Positionen in Schwellenländerwährungen gegenüber dem US-Dollar, die Positionierung im japanischen Yen gegenüber dem europäischen Währungsblock und die Bevorzugung europäischer gegenüber US-Aktien. Die Währungsstrategien kosteten im Vergleich zur Benchmark rund 15,17 Prozent. Die Aktienstrategien lieferten dagegen einen leicht positiven Beitrag. Nach Kosten lag der Fonds rund 14,35 Prozent hinter der Benchmark.

2025 drehte sich das Bild: Der Fonds gewann 42,75 Prozent. Die Schwellenländerwährungen lieferten nun einen positiven Beitrag von rund 21,33 Prozent. Bis Ende August 2026 kamen weitere 24,90 Prozent hinzu.

Das Fondsmanagement selbst nennt eine besondere Herausforderung: Mehrertrag in einem Umfeld zu erzielen, in dem Aktien und vor allem passive Anlagen in Aktien-ETFs in den vergangenen fünf Jahren sehr zufriedenstellende Renditen gebracht haben.

Schwierige Vergangenheit, neues Risikomanagement

H2O hat schwierige Jahre hinter sich. Die Diskussion um illiquide Wertpapiere aus dem Umfeld des Unternehmers Lars Windhorst und die daraus entstandenen Side Pockets belasteten das Haus lange. Dieses Kapitel ist abgeschlossen, die Side Pockets wurden 2026 endgültig aufgelöst. Seit 2019 hat H2O sein Risikomanagement weiterentwickelt, unter anderem mit umfangreicheren Stresstests. Seit 2020 schließt die Gesellschaft private Investments vollständig aus.

Das Urteil

Die Analysten heben den außergewöhnlich breiten und konsequent umgesetzten Ansatz hervor. Die sehr starken Ergebnisse 2025 und bislang 2026 zeigen aus ihrer Sicht, welches Potenzial entstehen kann, wenn die zentralen Ideen aufgehen. Anleger sollten aber auch künftig mit zwischenzeitlich deutlichen Abweichungen von der Vergleichsgruppe und mit schwächeren Phasen rechnen. Sie müssen dem Management Zeit geben und bereit sein, auch deutlich schwierigere Zeiten auszuhalten. Auch das Fondsmanagement rät, sich am empfohlenen Anlagehorizont zu orientieren und kurzfristige Schwankungen nicht isoliert zu betrachten. Wer diese Voraussetzungen mitbringt und bewusst eine offensive Long/Short-Strategie mit eigenständigem Profil sucht, sollte den Fonds nach Einschätzung der Analysten zumindest auf der Watchlist haben.

Infobox: H2O MultiEquities FCP R

•WKN: A14TS1

•Aufgelegt: 8. Oktober 2020

•Fondsvolumen: 171,05 Millionen Euro

•Empfohlener Anlagehorizont: 5 Jahre

•Ziel: den Index FCI World Developed 800 um 3,10 Prozent pro Jahr übertreffen

•Netto-Aktienanteil: zwischen 60 und 150 Prozent erlaubt

•Rendite: 2021 plus 52,13 Prozent, 2022 plus 2,48 Prozent, 2023 plus 33,85 Prozent, 2024 plus 6,41 Prozent, 2025 plus 42,75 Prozent, 2026 bis Ende August plus 24,90 Prozent

•Fazit der Analysten: interessant, aber anspruchsvoll. Nichts für Anleger, die eine ruhige und stetige Entwicklung suchen. Für Anleger mit Geduld und der Bereitschaft, schwierige Phasen auszuhalten, ein Kandidat für die Watchlist.

Hinweis: Dies ist keine Anlageberatung. Bitte informiert euch vor einer Geldanlage über die Risiken und beachtet unsere Hinweise hier.

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ZASTER Redaktion
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