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NACHGEFRAGT

3 Fragen an Werner Lang

von Michael André Ankermüller

Werner Lang leitet in der Greiff Research Institut GmbH den Bereich „Research“ und ist Experte in der Bewertung von Investmentfonds. Er ist Bankbetriebswirt sowie Financial Planner (HfB) und verfügt über 25 Jahre Berufserfahrung bei Banken und Finanzdienstleistern. ZASTER hat ihn für „3 Fragen an“ getroffen.

Was hältst du von Sachwerten als Geldanlage? Beispielsweise Uhren, Whiskey, Kunst Wein oder Oldtimer?

Grundsätzlich sind Sachwerte als Abrundung im Rahmen einer Anlagestrategie sinnvoll. Allerdings sollte man überlegen ob es Sachwerte im klassischen Sinn sind (als bsp. Edelmetalle, Aktien, Rohstoffe) oder Dinge wie die oben genannten sind, die wohl eher als Hobby oder Liebhaberei einzustufen sind und mit Geldanlage im herkömmlichen Sinne eher wenig zu tun haben.

Ich denke für Uhren, Kunst oder Oldtimer benötigt man sehr spezielles Knowhow und im Zweifel einen sehr großen Geldbeutel. In meinen Augen sind diese Dinge als Geldanlage nur bedingt geeignet und schon gar nicht für jeden. Gerade diese Form von Sachwerten haben in den letzten Jahren extrem von der Maßlosigkeit der Zentralbanken mit dem vielen und sehr billigen Geld partizipiert. Sprich nach dem Motto „bevor ich es zu Strafzinsen bei der Bank anlege kaufe ich halt was dafür!“.

Oftmals war der Beweggrund da weniger die Suche nach Anlagen welche in einem Gesamtkontext Sinn machen und ein Gesamtportfolio optimieren, sondern eher „ich hab keine Ahnung wohin mit dem Geld“ und kaufe mir die schöne Uhr/Auto etc. Dies in Verbindung mit gewissen „Hypes“ als Beispiel Rolex oder andere (künstlich) knapp gehaltener Artikel, treibt die Preise entsprechend nach oben. Wie so häufig ist der normale Anleger aber auch hier zu spät dran, steigt zu spät auf einen fahrenden Zug und muss dies dann oft teuer bezahlen. Gekauft sind solche Gegenstände meist einfach und schnell, wenn man diese aber wieder verkaufen möchte wird es dann nochmals problematisch, da es oftmals keinen klassischen Markt gibt und man dann nur mit entsprechendem Abschlag und/oder Geduld verkaufen kann. Daher: für mich eher keine geeignete Geldanlage, eher Genuss und Hobby, für die die es sich leisten können und wollen. 

Sind Immobilien im Jahr 2023 für Privatanleger noch spannend? 

Das Thema Immobilien als solches und die Entwicklung des Immobilienmarktes sind zweifelsohne spannend. Aktuell sieht man seit vielen Jahren die ersten Rückgänge bei den Immobilienpreisen aufgrund der stark gestiegenen Zinsen. Dies in Verbindung mit immer teurer werdenden Material- und Handwerkerpreisen, immer mehr Auflagen hinsichtlich Klimaschutz, Heizung etc.  macht die Sache nicht einfacher.  Von daher nachvollziehbar, wenn man hier erstmal mit notwendiger Vorsicht agiert. Grundsätzlich benötigen wir in Deutschland an vielen Stellen Wohnraum, das ist denke ich unbestritten aber ob der Zeitpunkt für eine langfristige Investition aktuell gerade gut ist, ist schwer zu beantworten. Ich wäre da eher vorsichtig.  

Gold erlebte in den vergangenen Tagen als möglicher Vermögensschutz eine Renaissance. Was denkst du, wie sich der Goldpreis langfristig entwickeln könnte?

Ein ebenso spannendes Thema. Hier muss man sich im Klaren sein, was man eigentlich möchte. Sprich möchte man an der Entwicklung des Goldpreises partizipieren und sein Depot mit dem Thema als Inflationsschutz stabilisieren, dann gibt es sicherlich gute Möglichkeiten im Bereich ETFs oder aktiver Fonds. Sollte man das Thema Worstcase (sprich Währungs- und Wirtschaftscrash) spielen wollen, dann sollte man auf kleingestückelte Barren oder Münzen gehen und dort auch das Thema Silber nicht vergessen. Als Verwahrstelle dann aber bitte nicht das Bankschließfach wählen.

Wohin bzw. wie sich der Preis entwickeln wird? Aktuell spielt sicherlich die unsichere Marktsituation mit den Themen Inflation/Bankenkrise dem Goldpreis in die Karten, so dass es gut sein kann, dass der Goldpreis weiter klettern wird.

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ein Artikel von
Michael André Ankermüller
Michael lebt in Berlin, beschäftigt sich gerne mit Wirtschafts- und Finanzthemen und arbeitet als Journalist, Blogger, Autor sowie Berater für Digitale Medien. 2014 gründete er das sehr erfolgreiche Blogazine Blog.Bohème.