© Markus Kaiser
NACHGEFRAGT

3 Fragen an Markus Kaiser

von Michael André Ankermüller

Markus Kaiser zählt zu den erfolgreichsten Dachfonds-Pionieren. Er ist Geschäftsführer der Greiff Research Institut GmbH und leitet den ETF-Bereich der Greiff capital management AG. ZASTER hat ihn für „3 Fragen an“ getroffen.

Fondsmanager klingt nach „The Wolf of Wall Street“. Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um Fondsmanager zu werden?
 
Als Fondsmanager sollte man vor allem Leidenschaft und viel Zeit für die Kapitalmärkte mitbringen, denn wie hieß es im Film-Klassiker Wall Street bereits so schön: „Das Geld schläft nicht“. Als fachliche Grundlagen gelten gute Finanz- und volkswirtschaftliche Kenntnisse sowie ein Wissen im Investmentrecht, welches stetig umfangreicher wird. Fondsmanager sollten vor allem über gute IT-Anwenderkenntnisse verfügen und sich im Umgang mit Datenbanken auskennen.
 
Unentbehrlich für Fondsmanager ist die Affinität zu Zahlen, denn darum dreht sich eigentlich alles, vom Portfoliomanagement bis hin zu Performancevergleichen. Fondsmanager stehen gerne im Wettbewerb untereinander und müssen – auch in Extremsituationen mit großer Unsicherheit – entscheidungsfreudig sein und bleiben. Höhen und Tiefen gehören in diesem Job ganz besonders dazu, damit müssen Fondsmanager umgehen können. Bevor ich Fondsmanager wurde, war ich über viele Jahre als Leistungssportler aktiv. Bis heute erkenne ich viele Parallelen aus meiner sportlichen Laufbahn, wie u.a. Disziplin, Nervenstärke und Flexibilität, die sowohl im Sport als auch bei der Geldanlage zum Erfolg führen.  
 
 
Wie sieht ihr / der Arbeitsalltag eines Fondsmanagers aus?
 
Der Tag beginnt mit dem Check der vorbörslichen Indikationen und der Aufarbeitung der Ereignisse während der Nacht. Irgendwo auf der Welt wird ja immer gehandelt und so kann man auch sagen, mit den asiatischen Börsen wachen wir auf und mit den Schlusskursen der US-Börsen gehen wir schlafen. Fondsmanagement ist also definitiv kein Nine-to-five-Job. Unter der Woche ist man dauernd aufnahmebereit für neue Informationen zu wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen, die Einfluss auf die Kapitalmärkte nehmen könnten. Dennoch gilt es sich zu organisieren und je nach Anlagestrategie gibt es dabei auch eine Menge fester Routinen.

Als vornehmlich quantitativ agierender Fondsmanager analysiere ich täglich die Kursentwicklung der in den Portfolios enthaltenen Positionen und überprüfe, ob sich in deren Kursverlauf deutliche Veränderungen ergeben haben, aus denen wiederum Käufe oder Verkäufe abzuleiten sind. Sollte dies der Fall sein, werden die entsprechenden Kauf- und/oder Verkaufsorders für den jeweiligen Fonds eingestellt und über einen Broker gehandelt. Ansonsten wird analysiert, gelesen, telefoniert und regelmäßig geschrieben, damit auch die Anleger informiert bleiben. Kein Tag ist wie der andere, doch gerade das macht den Job als Fondsmanager interessant, denn man bleibt immer mittendrin im Zeitgeschehen.
 
Fondsmanager verwalten oftmals mehrere Millionen Euro, manchmal mehrere Milliarden Euro. Aber wie viel verdient man als Fondsmanager eigentlich im Durchschnitt? 
 
Eine sehr gute Frage, dass wollte ich eigentlich auch immer schon mal wissen. 😉 Klar ist, Fondsmanager werden in der Regel gut bezahlt, die Höhe ihrer Gehälter hängt allerdings auch von der Leistung und den verwalteten Geldern, den sogenannten Assets under Management (AUM) ab. Ähnlich wie bei Fußballprofis gibt es bei Fondsmanagern daher auch eine gewaltige Spreizung zwischen den vielen Normalverdienern und wenigen Topverdienern. Meine grobe Einschätzung ist, dass Fondsmanager im Durchschnitt um die 100.000,- Euro verdienen.

Berufseinsteiger deutlich weniger, erfahrene und besonders erfolgreiche Fondsmanager entsprechend mehr. Gerade bei größeren Investmentgesellschaften sind die Verdienst- und Entfaltungsmöglichkeiten inzwischen allerdings auch regulatorisch begrenzt, so dass erfolgreiche Fondsmanager gerne ihre eigenen Gesellschaften gründen, um einerseits ihre Anlagestrategie mit mehr Freiheitsgraden umsetzen zu können und andererseits monetär noch besser am eigenen Erfolg zu partizipieren.  

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ein Artikel von
Michael André Ankermüller
Michael lebt in Berlin, beschäftigt sich gerne mit Wirtschafts- und Finanzthemen und arbeitet als Journalist, Blogger, Autor sowie Berater für Digitale Medien. 2014 gründete er das sehr erfolgreiche Blogazine Blog.Bohème.