© Morthy Jameson / Unsplash
GUT ANGELEGT

15 Jahre Krypto- und Blockchain-Technologie: Megatrend mit Megachancen?

von Markus Kaiser

Vor 15 Jahren stand das weltweite Finanzsystem vor dem Abgrund. Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers sorgte nicht nur für Chaos, sondern löste einen heftigen Crash an den Aktienmärkten aus, in dessen Folge Finanztitel weltweit in eine tiefe Krise stürzten. Strauchelnde Banken mussten durch staatliche Eingriffe gerettet werden, und das Vertrauen der Marktteilnehmer sowohl untereinander als auch in das globale Finanzsystem war zutiefst erschüttert. Just zu dieser Zeit wurde das erste Whitepaper zum Bitcoin veröffentlicht, in dem Satoshi Nakamoto die Grundzüge einer Kryptowährung vorstellte.

Ob sich hinter dem Pseudonym Nakamoto ein Mensch, eine Gruppe oder gar eine Organisation verbirgt, konnte bis heute nicht geklärt werden und bleibt wohl auch weiterhin ein Geheimnis. Fakt ist jedoch, dass Nakamoto ein alternatives Finanzsystem skizzierte, das den Grundstein für den Bitcoin und die heutige Welt der Kryptowährungen legte. Dabei wurde nicht nur die Funktionsweise des Bitcoins skizziert, sondern auch ein digitales Zahlungssystem beschrieben, das auf einer dezentralen Datenbank, der sogenannten Blockchain, basiert. Die Idee dahinter war, sich von Banken und Notenbanken unabhängig zu machen, indem Währungen als Tauschmittel nicht mehr benötigt werden. Stattdessen werden Transaktionen über ein Peer-to-Peer-Netzwerk durchgeführt und über die Blockchain-Technologie für immer unveränderbar gesichert. 

Hype um Bitcoin und Co.

Bis heute hat sich der Bitcoin als Zahlungsmittel zwar nicht durchsetzen können und das bestehende Finanzsystem hat er auch nicht revolutioniert. Dennoch hat die Kryptowährung ihren Platz in der etablierten Finanzwelt gefunden. Der Bitcoin steht, wie auch andere Kryptowährungen, für eine ganz eigene Anlageklasse. Verpackt in handelbaren Finanzprodukten wie Zertifikaten, Fonds und Exchange Traded Products (ETPs) sind Kryptowährungen längst auch für die breite Masse zugänglich und investierbar geworden. Kryptowährungen gelten für die einen als alternatives Investment als eine Art digitales Gold, für andere sind sie lediglich ein Spekulationsobjekt, mit dem aufgrund der hohen Schwankungen innerhalb kürzester Zeit große Gewinne erzielt werden können.

Was ist die Blockchain-Technologie?

Die Blockchain-Technologie ist weit mehr als nur die Basis von Kryptowährungen. Neben dem Bitcoin haben sich vielfältige Blockchain-Anwendungen entwickelt. Eine Blockchain ist nichts anderes als eine dezentrale Datenbank, in die stetig Transaktionsdatensätze einfließen. Eine Blockchain funktioniert wie ein digitales Register, denn jede einzelne Transaktion wird transparent aufzeichnet, in Blöcken zusammenfasst und in einer Kette aneinandergereiht gespeichert. Die Besonderheit liegt in der Vorgehensweise, wie die Blöcke innerhalb der Blockchain miteinander verkettet werden. Diese werden nämlich rückwärts verkettet, d.h. jeder neu erstellte Block enthält eine Referenz auf den vorangehenden Block.

Die Blockchain-Systematik kommt längst nicht mehr nur bei Kryptowährungen zur Anwendung, inzwischen wird sie im Zahlungsverkehr, Gesundheitswesen, bei Versicherungen und in der Mobilität eingesetzt. Die Anwendungsbereiche einer Blockchain sind vielfältig und die Technologie steckt noch voller Möglichkeiten. Das Potenzial von Unternehmen, deren Geschäftsmodelle direkt oder indirekt auf dem Einsatz von Blockchain-Technologie basieren, ist nicht annähernd ausgeschöpft, und möglicherweise gehört schon morgen ein Blockchain-Unternehmen zu den neuen Tech-Giganten.

Blockchain-ETFs: Erst vier Jahre am Markt!

Anleger können mit Blockchain-ETFs vom Wachstum in der Branche profitieren. Dazu stehen sechs auf Blockchain-Technologien spezialisierte ETFs für ein Investment zur Verfügung. Dominant ist der Invesco CoinShares Global Blockchain UCITS ETF (WKN A2PA3S), der bereits am 8. März 2019 aufgelegt wurde. Mit einem Fondsvolumen von 450 Mio. EUR hängt er die Konkurrenz deutlich ab. Im April 2021 betrug das Fondsvermögen allerdings schon mehr als 1 Mrd. EUR. Seitdem verloren nicht nur die Kryptowährungen von ihren Höchstständen deutlich an Wert, auch die Nachrichtenlage in der Kryptoszene hat sich schlagartig verschlechtert.

Kursmanipulationen und die Zweckentfremdung von Kundengeldern führten zum Zusammenbruch der Kryptobörse FTX, der große Schatten auf die Geschäftspraktiken der Kryptowelt geworfen hat. Erst vor wenigen Wochen ist der FTX-Gründer Sam Bankman-Fried unter anderem wegen Betrugs verurteilt worden. Jüngst hat auch die Kryptowährungsbörse Binance in den USA Verstöße gegen Geldwäsche-Gesetze zugegeben und wird nun eine Rekordstrafe von mehr als vier Milliarden Dollar zahlen. Doch allen Skandalen zum Trotz legen die Kurse der Kryptowährungen Bitcoin und Ethereum zuletzt wieder an Wert zu und in ihrem Windschatten blühen auch die Blockchain-ETFs auf. Grund genug, das Angebot genauer unter die Lupe zu nehmen.

Bei Invesco werden 45 Titel im Index gebündelt

Der Invesco CoinShares Global Blockchain UCITS ETF bietet Zugang zu 45 Unternehmen aus den Industrie- und Schwellenländern, die am Blockchain-Ökosystem partizipieren oder das Potenzial haben, zukünftig daran zu partizipieren. Der ETF bildet den CoinShares Blockchain Global Equity Index ab, der darauf ausgerichtet ist, die Weiterentwicklung und das potenzielle Wachstum der Blockchain-Technologie zu reflektieren. Der ETF investiert physisch in die im Index enthaltenen Titel entsprechend ihrer Gewichtung. Der Index selbst wird von dem auf digitale Assets spezialisierten Investmentmanager Coinshares zusammengestellt und vierteljährlich überprüft.

Der Index bündelt u.a. Unternehmen, die Finanzdienstleistungen und das Mining von Kryptowährungen betreiben. Zuletzt kamen Galaxy Digital, Citibank und Blackrock, deren Bitcoin Spot ETF in den USA kurz vor der Zulassung stehen soll, neu in den Index. Die größten Positionen sind Microstrategy, Coinbase Global und RIOT Platforms mit jeweils mehr als 5 % Gewichtung. Doch auch der Chip-Produzent Taiwan Semiconductor (TSMC), Samsung Electronics und PayPal sind unter den Top10 zu finden.

Der IT-Sektor macht mit über 40 % den größten Anteil aus, gefolgt von Finanzen und Kommunikationsdienstleistungen. Regional dominieren Aktien aus den USA mit einem Anteil von 47 %, gefolgt von Japan mit 23 % und Südkorea mit 9 %. Die Gesamtkostenquote liegt bei stolzen 0,65% p.a., für einen ETF nicht gerade günstig! Seit seiner Auflage konnte der ETF um 70 % an Wert zulegen. Im letzten Jahr lief es nicht so gut, so steht für 2022 ein Minus von 48 % in den Büchern. Im laufenden Jahr geht es wieder aufwärts, aktuell mit einem Wertzuwachs von 19 %.

Starke Performance beim Wettbewerber!

 Der im April 2021 aufgelegte VanEck Crypto and Blockchain Innovators UCITS ETF (WKN A2QQ8F) verfügt über ein Fondsvermögen von 55 Mio. EUR und investiert lediglich in 20 ausgewählte Aktien aus dem Segment Krypto und Blockchain. Abgebildet wird der MVIS Global Digital Assets Equity Index. Es werden nur Unternehmen berücksichtigt, die mindestens 50 % ihrer Erträge direkt oder indirekt mit digitalen Vermögenswerten erwirtschaften. Dazu zählen Betreiber von Kryptobörsen und Miningfirmen sowie Unternehmen, die Hardware und Dienstleistungen für die Krypto-Industrie bereitstellen. Zusätzlich können Unternehmen in den Index aufgenommen werden, die einen erheblichen Anteil ihres Vermögens in digitalen Wertgegenständen halten.

Das konzentrierte Portfolio besteht vor allem aus kleinen wachstumsstarken Unternehmen, die allerdings auch für eine gewaltige Schwankungsbreite des ETFs sorgen. Die Volatilität über 1 Jahr beträgt mehr als 85 %, während sich der maximale Drawdown von April 2021 bis Ende 2022 sogar auf über 90 % summierte. Im laufenden Jahr 2023 läuft es besser, so ist seit Jahresbeginn ein Wertzuwachs von 115 % zu verzeichnen. Der ETF von VanEck weist extreme Risiko- und Renditekennziffern aus, dementsprechend ist der ETF wohl auch nicht für jeden Anleger geeignet. Wer hier investiert, muss schon sehr überzeugt von den Wachstumschancen in der Krypto- und Blockchain-Branche sein und darf sich von hohen Schwankungen nicht irritieren lassen. Die Gesamtkostenquote beim ETF von VanEck beträgt ebenfalls 0,65 % p.a. 

Fazit

Die Blockchain-Technologie steckt zwar noch in den Kinderschuhen, verspricht in der Zukunft jedoch enorme Potenziale in vielen Arbeits- und Anwendungsbereichen die Prozesse und Transaktionen zu beschleunigen. Denkt man nur an Datenbanken wie Grundbücher, Gesundheitsdaten und die sichere Durchführung von Wahlen, wird deutlich, daß es sich um ein spannendes Zukunftshema handelt. Investments in Blockchain-ETFs bieten die Chance, an diesem Megatrend zu partizipieren. Fonds-Selektoren und Anleger müssen dabei allerdings ein starkes Nervenkostüm mitbringen und jegliche Schwankungen aushalten können.

ein Artikel von
Markus Kaiser
Markus Kaiser ist Geschäftsführer der Greiff Research Institut GmbH und leitet den ETF-Bereich der Greiff capital management AG. Der Dipl. Vermögensmanager verfügt über mehr als 20 Jahre Investment-Erfahrung und zählt zu den erfolgreichsten Dachfonds-Pionieren.