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ANGELEGT!

Gesucht: Ein Plan für die Zeit nach dem Shutdown

von Leonhard Fischer

Das Virus wird bleiben. Die Wirtschaftskrise auch. Aber was kommt nach dem Shutdown? ZASTER-Kolumnist Leonhard Fischer vermisst eine zukunftsfähige Strategie unserer Politiker

Als unsere Städte in Ghost Towns verwandelt wurden, ging es los.

Die Amerikaner standen Schlange für Waffen, die Deutschen für Klopapier und aus Frankreich hörte man, dass der Absatz von Kondomen explodiert sei. So bereitet sich wohl jede Nation auf ihre eigene Art auf die Herausforderungen der Quarantäne vor.

Apropos Vorbereitung. Mit mehr oder weniger Faszination durften wir ja zuletzt beobachten, wie unsere anders als in Asien auf das Virus völlig unvorbereitete Obrigkeit ein Feuerwerk namens Shutdown inszenierte.

Nun sitzen wir zu Hause fest und realisieren so langsam, dass dieser Shutdown vielleicht unsere Wirtschaft ruinieren kann. Und sofort zündet die Obrigkeit ein neues Feuerwerk. Steuer- und Zentralbankgeld ohne Grenzen. Selten hat man unseren Finanzminister so mit sich im Reinen gesehen wie in dem Moment, als er glücklich verkündete, über 150 Milliarden neue Schulden machen zu dürfen.

Das wird nebenbei die absolute Untergrenze sein, wenn wir noch lange in einer Ausgangssperre verharren. Über all die Dankbarkeit für diese vermeintliche Hilfe sollten wir allerdings eines nicht vergessen: Dieses versprochene Geld – das sind unsere eigenen zukünftigen Steuern.

Seien wir doch mal ehrlich: So kann und wird das nicht funktionieren. Der Shutdown wird sicherlich sein taktisches Ziel erreichen: die Fallzahl der Neuinfektionen wird sinken. Aber das Virus bleibt. Und damit hat sich das Shutdown-Konzept als strategische Antwort auf die Bedrohung durch das Coronavirus schon von selber erledigt, bevor es überhaupt richtig angefangen hat.

Denn in einer möglichen Wirtschaftskrise werden nicht die Reichen und die Großkonzerne die wirklichen Verlierer sein. Nein, es wird den kleinen Unternehmern und der Mittelschicht an den Kragen gehen. Von den Zukunftsaussichten der 20- bis 45-Jährigen, für die das Virus kaum gefährlicher ist als die Grippe, ganz zu schweigen.

Darum sollten wir unsere Obrigkeit erst loben, wenn sie uns eine neue Strategie präsentiert hat. Und die sollte zu Abwechslung mal nicht nur auf die Wettbewerbsvorteile einer Diktatur zugeschnitten sein. Das wahrscheinlichste Szenario? Die verspätete Einführung einer Variante des Südkorea-Modells.

Konkret bedeutet das für Euch: Testen, testen und nochmals testen. Sofortige Isolierung der so erkannten Infizierten. Soziale Kontrolle via Apps (leider, aber mir lieber als Hausknast). Gesichtsmasken werden das modische Accessoire dieser Sommersaison. Nächste Woche mehr dazu.

Und wann sollt Ihr Aktien kaufen? Sobald Ihr auch wieder Klopapier ohne Gewaltanwendung kaufen könnt.

Passt auf Euch und Eure Zukunft auf!

ein Artikel von
Leonhard Fischer
Leonhard Fischer
Leonhard Fischer ist ein international anerkannter Kapitalmarkt-Experte und kreativer Vordenker im Finanzwesen. Das Manager Magazin bezeichnet ihn als "Banker mit Wunderkindzertifikat". Er begann als Investmentbanker bei J.P. Morgan und wurde mit nur 36 Jahren Vorstand bei der Dresdner Bank, später auch bei der Allianz. Er war CEO des Schweizer Versicherers Winterthur und Vorstand bei der Credit Suisse. 2017 erschien sein Buch "Es waren einmal Banker: Warum das moderne Finanzsystem gescheitert ist". Leonhard Fischer ist Vorsitzender des Anlageausschusses von Der Zukunftsfonds. In seiner ZASTER-Kolumne "Angelegt!" verrät er wertvolle Geheimnisse rund um die Geldanlage.

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