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Das kleine ETF Einmaleins

Zum Index-Experten in 5 Minuten

von Nils Matthiesen

ETFs und Fonds auf Basis von Indizes erfreuen sich zurecht großer Beliebtheit. Allerdings steckt oft nicht drin, was du vielleicht vermuten würdest.

ETFs (und auch einige Fonds) bilden in der Regel einen sogenannten Index nach. So kannst du als Anleger idealer Weise von steigenden Aktien im Index profitieren. Demnach ist es wichtig zu verstehen, was hinter diesen Indizes steckt, da diese maßgeblich für die Wertentwicklung deiner Geldanlage verantwortlich sind. Viele ETFs setzen dabei auf einen Index von MSCI (Morgan Stanley Capital International), einem der weltweit führenden unabhängigen Anbieter von Indizes. Viele Experten und auch die Stiftung Warentest raten zum Beispiel zu einer Anlage ins MSCI-Flaggschiff, dem MSCI World Index. Er sei eine gute Grundlage für jedes Depot. Das Argument: Der MSCI World biete mit 1.623 Unternehmen ein gutes Spiegelbild der Wirtschaft von 23 entwickelten Industriestaaten. Ein stabiler Tipp, aber nicht uneingeschränkt empfehlenswert. ZASTER erklärt warum.

Wie funktionieren die Indizes von MSCI?

MSCI packt die globalen Aktienmärkte sozusagen in verschiedene Schachteln. Die Mutter aller Aktienindizes stellt dabei der MSCI ACWI (All-Country World Index) dar, der nahezu alle Börsen rund um den Erdball beinhaltet. Dieser Index besteht wiederum aus verschiedenen Subindizes, die die Aktienwelt in kleinere Teile zerlegen. Die Idee dahinter: Wenn du einen ETF orderst, der den MSCI ACWI abbildet, bist du breit aufgestellt. Optional kannst du ETFs auf Basis von kleineren Indizes dazu packen, um bestimmte Schwerpunkte zu setzen.

Alle MSCI-Indizes werden täglich aktualisiert, vierteljährlich überprüft und zweimal jährlich neu gewichtet. In diesem Fall addiert oder subtrahiert der Manager Aktien, um sicherzustellen, dass der Index die Zusammensetzung des zugrunde liegenden Aktienmarktes, den er misst, noch möglichst genau wiederspiegelt. Aus diesem Grund hat MSCI große Macht. Denn wenn ein Index neu gewichtet wird, müssen alle ETFs und Investmentfonds, die ihn nachbilden, die gleichen Aktien kaufen und verkaufen. Aktien, die in den Index aufgenommen werden, verzeichnen demnach in der Regel steigende Aktienkurse. Das Gegenteil ist bei den Aktien der Fall, die rausfliegen.

Die wichtigsten MSCI-Indizes

MSCI gibt eine Vielzahl verschiedener Aktienindizes heraus, die nach unterschiedlichen Kriterien zusammengesetzt werden, zum Beispiel nach Ländern oder Regionen und nach der Marktkapitalisierung von Aktien (Large Cap, Mid Cap, Small Cap). Hier die wichtigsten Aktienindizes:

MSCI World

Das prominenteste Pferd im Stall stellt zweifellos der MSCI World dar. Dabei handelt es sich um einen internationalen Aktienindex, der Aktien aus 23 Industrieländern abbildet. Obwohl der MSCI World oft als breit gestreuter Weltindex gehandelt wird, ist er das aber bei genauerem Hinsehen überhaupt nicht. Denn US-Aktien sind mit einem Anteil von über 60 Prozent überproportional stark vertreten. Viel Gewicht haben auch Japan (ca.8 Prozent), Großbritannien (ca. 6 Prozent) sowie Frankreich (4 Prozent). Wenn du also wirklich alle Regionen der Welt in einem ETF haben willst, sind andere Indizes eine bessere Grundlage.

Der MSCI All Country World Index

Wie zum Bespiel der MSCI ACW, der Aktien aus 23 Industrie- und 24 Schwellenländern abbildet. Er besteht aus dem MSCI World und dem MSCI Emerging Markets. Aktien von Schwellenländern aus Asien, Südamerika und Afrika sind demnach mit rund elf Prozent ebenfalls vertreten, während die Aktien der entwickelten Märkte den Rest ausmachen. Auch hier sind US-Aktien mit einem Anteil von rund 55 Prozent sehr stark vertreten.

MSCI Europe

Der MSCI Europe beinhaltet die Aktien von knapp 450 großen Unternehmen aus 15 europäischen Ländern zusammen. Die größten Posten machen Großbritannien (28 Prozent), Frankreich (18 Prozent) und Deutschland (15 Prozent) aus. ETFs, die auf diesem Index basieren, eignen sich ebenfalls als Basis für ein gemischtes Anlageportfolio. Sie sind eine gute Alternative beziehungsweise Ergänzung zum MSCI ACW, falls du deinen Europa-Anteil im Depot erhöhen willst.

MSCI Emerging Market Index

Der Emerging Markets Index bildet die Entwicklung der Aktienmärkte in Schwellen- und Entwicklungsländern wie China, Südkorea, Taiwan aber auch kleineren Märkten wie Brasilien, Tschechien, Türkei und Ägypten ab. Das macht die Anlage in einen entsprechenden ETF riskanter, gleichermaßen sind aber auch mehr Chancen drin. Als Depot-Beimischung – gerade in Form von lang laufenden, monatlichen Sparplänen (Stichwort: Cost Average Effekt).

MSCI Frontier Markets Index

Der Frontier Markets Index bildet die Aktienmärkte von Ländern ab, die noch volatiler (sprich: riskanter) sind als die Schwellenländer aus dem Emerging Market Index. Vertreten sind zum Beispiel Argentinien, Bangladesch, Kenia und Litauen. Frontier-Märkte bieten zwar immense Wachstumschancen aber auch diverse Risiken wie mangelnde Handelbarkeit, Manipulierbarkeit und politische Herausforderungen. Nur für Zocker geeignet.

ein Artikel von
Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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