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Schwache Wirtschaft

Rezession – was und wann genau ist das?

von Moritz Weinstock

Alle sprechen bereits davon, die Börsen der Welt straucheln, Anleger und Aktionäre bekommen es mit der Angst zu tun: die Rezession. Doch was genau bedeutet der Begriff eigentlich? ZASTER hat die Antworten.

Die Welt ist ständig im Fluss und so auch die Wirtschaft. In Pendelbewegungen, einem immer währenden Wechsel zwischen Boom und Depression, lässt sich ihre Entwicklung beschreiben.

Wie eine gute Geschichte hat auch der Verlauf der Wirtschaft verschiedene Phasen. Es beginnt mit dem Aufschwung, der sogenannten Expansion oder auch Prosperität, wenn die Dinge gut laufen, Firmen ihre Produkte gut an den Mann bringen und die Leute Lust haben zu konsumieren (weil sie einen Job haben und so gut verdienen, dass nach Miete, Steuern und Co. ordentlich was im Geldbeutel bleibt). Diese Phase steigert sich bis zum Boom, also dem Punkt, an dem die Konjunktur an ihrem höchsten Punkt ankommt und Markt und Menschen gesättigt sind.

Wenn die Kurse straucheln…

An den Finanzmärkten gibt es tagtäglich Gewinner und Verlierer. Erstmal nichts Neues. Erst wenn sich über einen längeren Zeitraum in der Tendenz zeigt, dass überdurchschnittlich viele Anleger verkaufen und ihre Anteile abstoßen wollen, beginnt sich Unruhe breit zu machen. Weitere Faktoren wie die Abnahme der Kaufbereitschaft innerhalb der Bevölkerung eines Landes, sinkende Löhne, Preise und Zinsen sowie stagnierende Investitionen und übervolle Lager der Hersteller spielen ebenfalls eine Rolle auf dem Weg Richtung Rezession.

…und auch die Staatsanleihe unsicher wird

Ein ganz besonders wichtiger Indikator für das Zusteuern auf eine Abschwungphase der Wirtschaft ist allerdings der Zinsunterschied zwischen lang- und kurzfristigen US-Staatsanleihen. Erhält man etwa auf eine zehnjährige Anleihe einen niedrigeren Zinssatz als auf eine zweijährige, zeigt das, dass der Staat dringend Geld braucht. Derzeit bekommst du für eine kurzfristige Finanzspritze, die du den USA zur Verfügung stellst, bessere Zinsen als für eine langfristige Unterstützung. Dieses Phänomen nennt man Inversion der Zinskurve und es ist ein verlässlicher Indikator für eine bevorstehende Rezession.

Die Staatsanleihe als Form der Geldanlage gilt normalerweise als sehr sicher, denn Staaten (so die allgemeine Vermutung) können aufgrund ihrer starken Gläubiger (andere Länder, Banken, Versicherungen etc.) nicht insolvent gehen. Dass auch sie jedoch nicht von Fällen der Zahlungsunfähigkeit gefeit sind, zeigte der Fall Griechenland im Jahr 2012, als dem Land nach dem Staatsbankrott ein Schuldenerlass gewährt wurde. Dieser hatte allerdings zur Folge, dass private Gläubiger, die vorher ihr Geld dem Staat zur Verfügung gestellt hatten, auf mehr als 50 Prozent ihres Anlagevermögens verzichten mussten.

Die US-Wirtschaft als das Maß aller Dinge

Doch warum spielen gerade US-Staatsanleihen eine so wichtige Rolle? Nun, die USA sind mit einem Bruttoinlandsprodukt von 20,5 Billionen US-Dollar (Stand: 2018, Quelle: Statista) noch immer die größte Volkswirtschaft der Welt. Zum Vergleich: Auf dem zweiten Platz liegt China mit 13,4 Billionen US-Dollar, gefolgt von Japan mit 4,9 Billionen und Deutschland mit 4 Billionen US-Dollar.

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Moritz Weinstock
Moritz Weinstock
Moritz hat Kommunikationswissenschaften in Wien studiert und seine Leidenschaft fürs Schreiben mit nach Berlin gebracht. Nach lehrreichen Jahren als Redakteur bei einem Motorradmagazin, ist er nun als Channel-Editor für ZASTER tätig. Sein Zugang zur Wirtschaftswelt: er lebt auf zehn Quadratmetern und spart, was das Zeug hält.

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