Sparen & Anlage

Null ist das neue Reich

von Christoph Janke

Schaut man auf sein Konto, soll es gut aussehen: die Zahl möglichst hoch, das Plus möglichst fett, nur dann sind die Sorgen möglichst klein. Psychologisch zwar nachvollziehbar, tatsächlich aber Unsinn. Anstatt alles auf einem Konto zu horten, sollte man sein Geld aufteilen, und zwar sinnvoll. Das Prinzip „Sharing is Caring“ mal anders.

Bucket dir die Welt widde witt sie dir gefällt

Jetzt kommt noch so ein schönes, denglisches Wort: Bucket. Dream Bucket, Security Bucket und Growth Bucket – drei Teile, mit denen sich jeder seine eigene Budgetierung aufstellen kann. Die Namen sind Vorschläge, man könnte sie auch Notfallkonto, Zukunftskonto und Anlagekonto nennen. Hört sich eben nicht so sexy an …

Security Bucket

Was macht man, bevor man den Berg hochklettert und den ersten Steigbügel befestigt? Man sichert sich ab. Ähnlich sollte das auch beim Thema Geld ablaufen: Bevor man sich über die nächsten größeren Anschaffungen Gedanken macht, sollte man etwas „für alle Fälle“ zurücklegen. Schon klar, die Denke passt nicht in unserem von Freigeistern getriebenen Individualisten-Kosmos. Man lebt im Hier und Jetzt und kümmert sich nicht um morgen. Grundsätzlich eine durchaus löbliche Lebensweise, aber was ist, wenn sich das Hier und Jetzt schlagartig ändert? Ein Notfallkonto für Unvorhersehbares ist keine Erfindung von Spielverderbern, sondern eine logische Konsequenz entsprechender Lebenserfahrung. Die meisten „Katastrophen“ kosten eher mehr als weniger. Man denke nur mal an die Autoreparatur, die kaputte Waschmaschine oder Arztkosten. Deswegen sollte das Security Bucket im besten Fall mit einer Einmal-Einzahlung grundernährt und monatlich gefüttert werden. Wie hoch der Betrag ist, den man monatlich einkassiert, ist nicht so wichtig wie die Regelmäßigkeit, denn nur so kann sich auf Dauer ein Polster anhäufen, das sanft und weich auch abfedert.

Dream Bucket

Wer kennt nicht den etwas altbackenen Kalenderspruch: „Träume sind da, um gelebt zu werden“? Und ja, die Kalender haben recht. Sich Wünsche zu erfüllen, ist ein tolles Gefühl und wenn man es aus eigenem Antrieb schafft, fühlt sich die Belohnung noch etwas genügsamer an. Die Traumfabrik wird aber erst dann richtig produktiv, wenn man sich einen Überblick verschafft, wie viel Investitionskapital zur Verfügung steht. Wenn man etwas haben oder erleben möchte, genügt ein Blick auf das Dream Bucket und man weiß, ob man sich den Traum sofort erfüllen kann oder wie lange es dauert, bis die Summe xy erreicht ist. Auch hier gilt: Bitte monatlich etwas beisteuern.

Growth Bucket

Noch so ein Weissager-Spruch: Sparen Sie sich reich! Niemand würde die Möglichkeit ausschlagen, einen Euro für zwei Euro einzutauschen oder zwanzig Euro anstatt zehn Euro zu haben. Auch wenn das Thema Geldanlage eine eigene Wissenschaft für sich ist, sollte mangelndes Knowhow niemanden davon abhalten, einen Teil seines Geldes anzulegen. Jeder Euro, der am Monatsende übrigbleiben würde, kann ein Euro sein, der sich durch taktvolles Anlegen vermehren kann. Bequemlichkeit oder Unsicherheit sind zwar Hindernisse, die jeder von uns kennt, allerdings können sie relativ schnell aus dem Weg geräumt werden. Einfach nachfragen – bei Bankangestellten, Finanzberatern, Eltern, Geschwistern oder schlauen Freunden. Auch folgender Irrglaube hat schon lange ausgedient: Anlegen lohnt sich nur bei hohen Summen. Das stimmt nicht. Erstens, können auch kleine Beträge Gewinne erzielen und zweitens: Wer nicht klein anfängt, kann auch nicht groß werden. Es geht also nicht um riskante, hohe, gefährliche Zaubertricks, sondern nur darum, deinem Geld die Chance zu geben, mehr zu werden, ohne dass du dafür viel tun musst.

Die magische Null

Das Ziel am Monatsende sollte sein, bei Null herauszukommen, also weder im Minus noch bei möglichst viel. Summiert eure Fixkosten, addiert die variablen Kosten, seid großzügig bei Schätzungen und zieht alle Ausgaben von euren Netto-Einnahmen ab. Die Summe, die am Ende übrigbleibt, könnt ihr auf eure drei Buckets verteilen, am einfachsten per Dauerauftrag.

Wem die Null zu wenig ist, kann auch das Ziel verfolgen, jeden Monat bei 100 oder 200 Euro im Plus zu landen, dem Gewissen zuliebe. Fakt ist: Wer arbeitet und ein entsprechendes Gehalt verdient, verdient es auch, sein Geld sinnvoll anzulegen, das Bewusstsein für Budgetierung zu schärfen und unnötige Ängste abzubauen.

ein Artikel von
Christoph Janke