Warum ein bisschen Luxus wichtig ist, auch, wenn man mal wenig Geld hat

von Christoph Janke

„Keine Knete, trotzdem Fete“? Wohl eher nicht. Aber wenig Geld sollte trotzdem niemals bedeuten, sich nichts mehr zu gönnen.

Es gab immer wieder Zeiten in meinem Leben, in denen ich wirklich extrem wenig Geld hatte. Manchmal ist das auch heute noch so, wenn zum Beispiel die Waschmaschine kaputt geht oder eine saftige Nachzahlung ansteht. Dann müsste ich theoretisch plötzlich jeden Cent zählen und sparen, sparen, sparen. Das mache ich aber nicht. Warum nicht? Weil der kleine Luxus im Alltag vor allem ein wichtiges Signal an mich selber ist.

Es ist nicht schön, pleite zu sein. Es ist nicht schön, wenn man viel arbeitet und sich wegen doofer Umstände trotzdem kaum was leisten kann. Es ist nicht sexy, nicht heroisch, es ist einfach ätzend. Man möchte am liebsten das Girokonto in den Arm nehmen und sagen: Baby, eines Tages. Das ist in der Regel aber leider so, wie einem wirklich schwerkranken Menschen zu sagen, dass alles gut wird. Denn die Wahrheit ist: man weiß es nicht. Und alle wissen, dass man es nicht weiß. Schließlich ist man leider kein Orakel, sonst hätte man ja keine Geldprobleme.

Gerade in solchen Momenten aber leiste ich mir regelmäßig kleine Luxus-Momente. Ich gehe zur Maniküre, ich gehe in ein tolles Restaurant, ich kaufe mir ein bezahlbares Kleid. Meistens stehe oder sitze ich dann da und denke: Julia, das heißt jetzt Nudeln mit Ketchup den Rest der Woche. Und die innere Julia antwortet: Ist mir egal, denn das tut mir jetzt gut und ich versaue mir das nicht selber mit meiner Kacklaune, denn dann und erst dann war es wirklich rausgeschmissenes Geld.

Dass ich mir immer wieder mal etwas gönne, ist nämlich eine Botschaft an mich. Sie sagt: Es mag gerade alles wirklich ziemlich ätzend sein und anstrengend, aber aufgeben ist jetzt nicht, Mädchen. Du gibst nicht auf und du lebst nicht in karger Armut, weil das bedeuten würde, dass es das ist, wo du dich selber siehst. Aber Honey, wir beide wissen ganz genau, dass auch wieder andere Zeiten kommen. Und die sind das Licht am Ende des Dispos. Da musst du hin. Und wenn man muss, dann kriegt man das auch irgendwie hin, das mit dem Geld und das mit dem Leben. Eines Tages, Baby.

Meine erste Mitbewohnerin sagte mir vor vielen, vielen Jahren folgenden Satz: In dieser Stadt wohnt man sich hoch. Was sie damit meinte: Meistens kriegt man nicht die Wohnung zu den Konditionen, die perfekt sind. Sie kostet zu viel oder sie ist zu klein, man muss viel Geld für den Nachtspeicherofen ausgeben oder für den Durchlauferhitzer. Eigentlich ist sie wirklich absolut zu teuer. Aber dann ist da dieses Gefühl, wenn man nach Hause kommt. Denn es ist DIE Wohnung. Genau das, was man sich eigentlich gewünscht hat. Und dann sucht man Mittel und Wege, um die zusätzlichen Kosten zu decken. Und man findet sie, die Lösungen dafür. Bis man irgendwann wieder umzieht und so weiter.

Die Botschaft ist klar: Manchmal zählt nicht die Vernunft, sondern das Gefühl, dass man sich trotz aller widrigen Umstände ein schönes Leben macht. Für die einen ist es die Wohnung, für die anderen Gel-Nägel. Immer aber ist es auch Hoffnung und der Glaube an sich selbst. Denn am Ende wird ganz oft nicht alles gut, aber die Chancen dafür stehen höher, wenn man sich den Weg dahin wenigstens ein bisschen versüßt.

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Christoph Janke