Dieser Preis ist scheiß

Kann das sein? Hunderttausend D-Mark für unter zehn Euro?

von Hannes Lustermann

Wer sucht, der findet. Unser Redaktionskollege Rob Szymoniak hat neulich auf dem Flohmarkt einen wahren Schatz entdeckt: 100.000 D-Mark wurden ihm für ’nen Zehner angeboten. Inflation hin, Euro her – er hat ordentlich gefeilscht und den dicken Batzen Geld für schlappe sieben Euro bekommen.

„Ich dachte mir nur so, geil! Das kaufe ich jetzt sofort – das sind 100.000 Mark! ich will’s haben“, erinnert sich Rob. Das war vor knapp zehn Jahren an einem Stand auf dem Leipziger Flohmarkt. Seitdem steht der historische Schnipselbeutel bei ihm zuhause im Regal. Dann hat er immer eine Geschichte zu erzählen, und vor allem… Hunderttausend Mark! Man kann sich eben auch reich fühlen, ohne es wirklich zu sein – mit einem Augenzwinkern.

Robs erworbener Haufen Papierschnipsel, sogenanntes Schreddergeld, hat zumindest Seltenheitswert. Ein Großteil der vor der Einführung des Euro im Umlauf befindlichen 280 Milliarden D-Mark wurde nämlich verbrannt: zusammen mit Haus- und Industriemüll, bei 800 bis 1000 Grad Celsius unter strengster Bewachung in deutschen Müllverbrennungsanlagen.

Gleichzeitig sammelten die Landeszentralbanken 2002 das Papiergeld der Kreditinstitute ein, um es im Anschluss in millimeterdünne Schnipsel zu schreddern. Die zerstückelten Scheine konnten im Anschluss mitunter erworben werden. Neben Papier- und Pappeherstellern fanden sich auch Abnehmer mit ausgefallenen Geschäftsideen, um die D-Mark weiter zu verwerten: Heiko Schnüttgen etwa, Chef der Entsorgungsfirma ILA, wollte aus den Schnipseln Ziegel brennen, allerdings gab es keinen reißenden Absatz, und er ging pleite.

Heutzutage finden sich Angebote von Schreddergeld von Reichsmark bis Euro auf Gebrauchtportalen wie Ebay. Die verschiedenen Zertifikate wirken allerdings meist eher befremdlich als vertrauenswürdig, und so darf zu Recht bezweifelt werden, ob die jeweils angegebene Herkunft auch stimmt. Ist ja auch schwer zu überprüfen, ob es wirklich originale D-Mark-Scheine sind, da fallen einem ja beim Puzzeln die Hände ab. So oder so gibt es sie irgendwo, die echten Schnipsel, die ohnehin nur symbolischen Wert haben. Von dem speziellen Exemplar, was unser Redaktionskollege erworben hat, gibts nur noch wenige unter diesem Angebot auf Amazon. (Das verraten wir ihm aber nicht, sonst verliert sein erster Schritt zum Millionär etwas von seiner Besonderheit.)

ein Artikel von
Hannes Lustermann