© Frank Behrendt
Wie glücklich macht Geld?

Heldin des Alltags

von Frank Behrendt

Direkt in seiner Nachbarschaft hat unser Autor Frank Behrendt eine wunderschöne Entdeckung gemacht: Eine Nachbarin schuf ein Plätzchen, an dem sich Menschen treffen und plaudern können –­ natürlich mit korrektem Corona-Sicherheitsabstand.

Es gibt Menschen, die verdienen jeden Tag ein Bundesverdienstkreuz der Herzen, weil sie so wunderbare Sachen machen. Ohne Geld dafür zu erhalten, oft nicht einmal Dank. Und trotzdem werden sie nicht müde, sich für unsere Gemeinschaft einzubringen. Ich bin sicher, jede/r von uns kennt so eine stille Heldin oder einen Helden des Alltags.

Bei uns in der Nachbarschaft hat eine Frau einen feinen Ort geschaffen. Sie hatte die großartige Idee, das Beste aus der Corona-Situation zu machen. Oberstes Gebot der Stunde ist und bleibt, Abstand zu halten. Für ältere Menschen gilt das besonders. Und gerade in Corona-Zeiten, wenn ihnen nur wenig bis gar kein Kontakt zu anderen erlaubt ist, kann das für sie sehr schmerzlich sein.

Meine kreative Nachbarin hat genau diesen Punkt erkannt: Da es praktisch unmöglich ist, mit Mindestabstand nebeneinander auf einer Parkbank zu sitzen, hat sie ganz pragmatisch ein Stück des Bürgersteigs liebevoll bepflanzt und eingezäunt. Zusätzlich platzierte sie dort einander gegenüber zwei Stühle. Natürlich im korrekten Abstand. Und schon war die Bühne frei für ein virenfreies Gespräch.

Aus dem nahegelegenen Seniorenheim lud sie Menschen, die gerade vorbei flanierten, zu sich auf die Stühle ein. Das Angebot wurde dankbar angenommen. Schon nach ein paar Tagen verabredeten sich Bewohnerinnen und Bewohner „an den beiden Stühlchen“ zum Plausch.

Neulich sah ich dort zwei Damen eifrig diskutieren, als ich mit dem Hund um den Block ging. Sie waren etwas lauter, sodass ich hören konnte, worum es ging: Helene Fischer und Florian Silbereisen. Ob der neue Akrobat an der Seite der blonden Sängerin denn nun besser zu ihr passen würde als der flotte Flori.

Ich ging vorbei und grinste. Beim nächsten Mal nehme ich einen Klappstuhl mit und werde mein Fachwissen aus „Bunte“ und „Gala“ einbringen. Ältere, oft einsame Menschen, lieben nichts mehr als ein Gespräch. Das weiß ich aus meinen Talk-Runden im Seniorenstift. Die nette Frau aus der Nachbarschaft hat einen Ort dafür geschaffen. Dankeschön.

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Frank Behrendt
Frank Behrendt
Frank Behrendt hat mit seinen „10 ernsthaften Ratschlägen, wie man locker durchs (Berufs)Leben kommt“ die Arbeitswelt aufgeschreckt. Sein Buch „Liebe dein Leben und NICHT deinen Job“ wurde direkt ein Bestseller. In seinem zweiten Buch „Die Winnetou-Strategie - Werde zum Häuptling deines Lebens“ erklärt er, wie ein moderner Leader agieren sollte. Frank Behrendt lebt mit seiner Frau, drei Kindern und einer französischen Bulldogge mit Namen „Fee“ in Köln und hat eine wöchentliche Kolumne auf „Stern.de“. Er arbeitet als Senior Advisor für Deutschlands größte Inhabergeführte Agenturgruppe Serviceplan.

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