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Endlich reich: Mein Geheimrezept

von Michael André Ankermüller

Wie wird man eigentlich reich? Diese Frage hat sich vermutlich jeder schon mal gestellt? Nach jahrelangem Grübeln hat ZASTER-Autor Michael Ankermüller endlich eine Antwort darauf gefunden.

Alain de Botton, Flaneur und Philosoph schreibt treffend in seinem Buch „Status Angst“: „Reichtum ist (…) kein Absolutum, es hängt von unserem Wünschen ab. Immer wenn wir etwas wollen, was wir nicht bekommen, werden wir ärmer, ganz gleich, welche Mittel uns zu Gebote stehen. Und immer wenn wir mit dem zufrieden sind, was wir haben, können wir uns als reich bezeichnen, ganz gleich, wie groß unser Besitz ist.“

Was soll das aber bedeuten?

Reichtum ist relativ und eine Frage der Maßstabs. Wer für sich selbst erkennt, dass die eigenen Ansprüche ausschlaggebend für den eigenen Reichtum sind, schafft sich eine ideale Grundlage, reich zu werden. Demzufolge ist derjenige reich, dessen Ansprüche nicht größer sind als sein Vermögen. Oder wie es der von mir geschätzte amerikanische Schriftsteller Henry David Thoreau ausdrückt: „Ein Mensch ist um so reicher, je mehr Dinge zu entbehren er sich leisten kann.“

Die aktuelle Vorstellung von Reichtum geht demnach meiner Meinung völlig am Kern der Sache vorbei. Wir sehen eine teure Uhr am Handgelenk und glauben, dessen Besitzer ist reich. Wir sehen eine Penthousewohnung und meinen, der Bewohner ist reich. Ob sich jene Menschen jedoch wirklich reich fühlen, bezweifle ich. Denn gerade grenzenloser Materialismus und die oftmals verbundenen Erwartungen stehen unserem Glück gewaltig im Weg.

Ein weiteres Hindernis auf dem Weg zum Reichtum ist, dass wir uns ständig mit anderen vergleichen. Wer kennt nicht das Gefühl, mit seinem Umfeld mithalten zu wollen? Oder sogar mehr haben zu wollen als die anderen? Hinzu kommt, dass die vermeintliche Leistungsgesellschaft in der wir leben, uns dazu motiviert, eben genau das zu tun. Ständig nach mehr streben, mehr wollen und besitzen. Ohne wenn und aber.

Alain de Botton meint: „Indem uns die moderne Gesellschaft mit nie da gewesenen Einkommen verwöhnt, macht sie uns scheinbar reicher. Aber bei Leichte besehen, könnte es sehr wohl sein, dass sie uns im Endeffekt ärmer macht. Denn indem sie immer neue Erwartungen in uns weckt, bleibt die Kluft zwischen dem, was wir wollen, und dem, was wir bekommen, zwischen dem, was wir sind, und dem, was wir sein könnten, immer weiter bestehen.“

Was ist aber nun mein Geheimrezept?

Ob selbst motiviert oder gezwungenermaßen, macht es Sinn, seine Erwartungen zurückzuschrauben. Denn bedauerlicherweise lässt sich die Realität nicht auf Knopfdruck ändern. Was sich jedoch ändern lässt, sind die eigenen Erwartungen. Einfacher gesagt, als getan, ich weiß.

Doch ich glaube, dass gerade im Verzicht die eigentliche Voraussetzung für bewussten Genuss zu finden ist. Damit ist keinesfalls Askese gemeint, also der radikale Verzicht auf alles, was Spaß machen könnte. Sondern vielmehr die freiwillige Beschränkung auf das absolute Notwendige. Und auch hier gilt: Was notwendig für Dich ist, bestimmst du. Beispielsweise mehr Zeit und Freiheit als materieller Reichtum und angehäufter Besitz.

Was ich jedoch nicht verneinen will: Mehr Geld zu besitzen, schadet nicht und kann sogar einen positiven Einfluss auf unser Lebensglück haben. Auch an dieser Stelle lohnt es sich Henry David Thoreau zitieren: „Meine größte Kunst ist von jeher gewesen, mit wenig auszukommen.“

Doch die Gefahr, dem Materialismus zu verfallen, ist nahezu grenzenlos: Autos, übervolle Kleiderschränke, Kredite, Leasingverträge, Abos.

Schon in den 1970er Jahren machte Erich Fromm in seinem Buch „Haben oder Sein“ darauf aufmerksam: „Für unsere jetzige Situation ist es von eminenter Bedeutung, dass der Mensch auch ohne Ketten ein Sklave sein kann. Die äußeren Ketten werden einfach nach innen verlegt. Die Wünsche und die Gedanken, die ihm von der Gesellschaft suggeriert werden, fesseln ihn stärker als äußere Ketten. Die äußeren Ketten nimmt der Mensch wenigstens wahr, der inneren Fesseln aber wird er sich viel weniger bewusst, so dass er mit der Illusion, frei zu sein, gefangen lebt.“

Und jetzt?

Halten wir fest: Viel Geld zu besitzen ist etwas anderes, als viel Geld haben zu müssen. Ein einfaches Leben bedeutet kein ärmliches Leben zu führen, sondern das Gegenteil. „Mit überflüssigem Reichtum kann man nur Überflüssiges erwerben. Nichts von dem aber, was die Seele notwendig braucht, kann man mit Geld kaufen“, so Thoreau.

Und wenn du jetzt immer noch denkst, dass du nicht reich genug bist, arbeite vielleicht mal an deinen persönlichen Erwartungen? Dann bin ich mir ziemlich sicher, dass Du schon bald zu den Superreichen dieser Welt gehören wirst…

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ein Artikel von
Michael André Ankermüller
Michael lebt in Berlin, beschäftigt sich gerne mit Wirtschafts- und Finanzthemen und arbeitet als Journalist, Blogger, Autor sowie Berater für Digitale Medien. 2014 gründete er das sehr erfolgreiche Blogazine Blog.Bohème.