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Einblick ins Haushaltsbuch

Ein Student taucht ab und verdient damit Geld

von Hannes Lustermann

Lukas B. (24) studiert zurzeit in Berlin und befindet sich im sechsten Semester auf der Zielgeraden zum ersten höheren Abschluss: einem interdisziplinären Bachelor in Geisteswissenschaften. Als Hiwi, also als wissenschaftliche Hilfskraft, verdient er sich am sozio-ökologischen Forschungsinstitut noch etwas dazu und finanziert seinen Tauchurlaub, indem er selbst Tauchkurse gibt.

Lukas B. taucht 2015 in Tres Marias vor der Küste Portugals – dabei begegneten ihm Hornschwanz-Stechrochen, Tigermuränen und bis zu zwei Meter große Thunfische. Das seltene Glück, ein Seepferdchen zu sehen, blieb ihm leider verwehrt.
Lukas B. taucht 2015 in Tres Marias vor der Küste Portugals – dabei begegneten ihm Hornschwanz-Stechrochen, Tigermuränen und bis zu zwei Meter große Thunfische. Das seltene Glück, ein Seepferdchen zu sehen, blieb ihm leider verwehrt. © privat
Für meine gebrauchte Tauchausrüstung musste ich richtig ranklotzen, das zahlt sich jetzt aber aus.

Seine letzte große Anschaffung... war seine Tauchausrüstung. „Meine Schwester ist nach ihrem Abi für ein Jahr Work and Travel nach Australien gegangen und wollte davor noch einen Tauchschein machen. Da bin ich dann einfach mitgegangen und war sofort begeistert. 'Ne gute Ausrüstung konnte ich mir aber nicht direkt leisten, aber ich hatte Glück: Mein Tauchlehrer hat in der Zeit sein eigenes Grundstück zu einer Tauchschule umgebaut. Ich hab' mit ihm abgemacht, dass ich eine ordentliche Ausrüstung in Teilen abstottern kann, wenn ich ihn dabei kräftig unterstütze. 2015 hatte ich dann endlich alles beisammen.“

Gesagt, getan: „Das war echt ein Kraftakt! Wir haben zum Beispiel Wände hochgezogen und angemalt, den halben Garten umgegraben und zwischendurch beim Volksfest an einem Stand Werbung gemacht. Am Schwersten war aber die Gestaltung der Einfahrt: Da haben wir Pflastersteine mit der sprichwörtlichen Brechstange auseinandergenommen – da sollten an einigen Stellen Bäume gepflanzt werden, deshalb musste Platz her. Am Ende hatte ich einen Tausender abgearbeitet und nochmal was dazugezahlt... und vor allem meine Ausrüstung. Die war gebraucht, klar – neu kostet sowas schon an die 4000. Aber ich hatte alles Notwendige:

  • ein Jacket (BCD), zum Tarieren und Tragen der Pressluftflasche, für 250 Euro
  • einen Atemregler für 300 Euro
  • eine gute Tauchlampe für 500 Euro
  • den Neopren-Anzug für 250 Euro
  • die Maske für 40 Euro
  • die Kopfhaube für 20 Euro
  • die Flossen für 120 Euro.
Ich habe kein Haus, kein Auto, keine Schulden, nichts – ich bin Student. Da gibt's nichts zu sparen.

Hier darf es gerne etwas mehr sein: „Naja, das mit dem Tauchen ist so 'ne Sache: Immer wenn ich tauchen will, muss ich arbeiten, denn sonst kann ich mir die Anreise und den Aufenthalt nicht leisten. Inzwischen geht es aber, denn ich kann als Tauchlehrer neben dem „Open Water Diver“-Grundkurs selbst noch sogenannte „Specialty“-Tauchkurse geben, wie etwa „bergen und retten“, „Orientierung“, „Tauchen bei Nacht und schlechter Sicht“ und „Tieftauchen bis 30 Meter“.
Die Jobs finde ich über Freunde von Freunden oder eigene Kontakte – das ist typisch in der Branche. Da zieht es mich eigentlich jeden zweiten Sommer irgendwo hin. Von dem Geld, das ich durch die Kurse verdiene, bleibt aber wie gesagt am Ende selten was übrig, wenn man mit seinen Tauchschülern nach den Kursen noch ein Bierchen trinken geht. Mich beruhigt aber, dass ich durch meine Ausbildung auch jederzeit in wärmere Gefilde gehen könnte, um da in Vollzeit als Tauchlehrer zu arbeiten, und daher mache ich mir kaum Sorgen um meine berufliche Zukunft.“

Darum spart er: „Viel ist es ja nicht, was bis jetzt zusammengekommen ist, aber wenn ich mal die Gelegenheit habe, auf einen geilen Urlaubstrip mitzugehen, dann will ich darauf vorbereitet sein. Aber ansonsten gilt: Ich habe kein Haus, kein Auto, keine Schulden, nichts – ich bin Student. Das wird sich so schnell nicht ändern und deswegen gibt's da auch nicht viel, worauf ich aktuell sparen müsste.“

Man sollte nicht an der falschen Stelle sparen, aber man muss auch nicht unnötig viel Geld ausgeben.

Hier ist er kostenbewusst: „Bevor ich mir irgendwelche Elektronik besorge, vergleiche ich immer und lese Testberichte, um ein möglichst gutes Preis-Leistungsverhältnis zu finden. Das ist mir prinzipiell sehr wichtig. Man soll zwar nicht an der falschen Stelle sparen, aber eben auch nicht unnötig Geld ausgeben. Meinen PC habe ich damals deswegen zum Beispiel auch komplett selbst zusammengeschraubt.

Wo ich leider auch immer etwas schauen muss, sind Geschenke. Ich kann es mir nicht leisten, für jeden Geburtstag was Aufwendiges zu kaufen, sonst geht meine Sparanlage flöten. Also verschenke ich lieber meine Zeit, meine Hilfe oder lasse mir sonst etwas für Freunde und Familie einfallen.“

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