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Alternative zum Fliegen?

Ist Bahnfahren durch die Steuersenkungen wirklich billiger geworden?

von Nils Matthiesen

Weniger Straße und Luft, dafür mehr Schiene: Die Bundesregierung hat Steuern auf Bahntickets gesenkt. Kommt diese Maßnahme aber auch bei den Reisenden an?

Seit 1. Januar 2020 beträgt der Mehrwertsteuersatz bei Bahntickets für den Fernverkehr nur noch 7 Prozent. Vorher waren 19 Prozent fällig. Die Bundesregierung will dadurch Zugfahrten attraktiver machen und rund fünf Millionen Reisende vom Auto und Flugzeug auf die Schiene locken. Wie viel günstiger Bahnfahrten durch die Maßnahme wirklich geworden sind, hat mydealz untersucht. Dazu hat das Schnäppchenportal die Fahrkartenpreise von 760 innerdeutschen Verbindungen im Flex- und Spartarif verglichen.

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Bahnfahren deutlich günstiger

Das erfreuliche Ergebnis: Fahrten im Flextarif sind nun 10,9 Prozent (22,05 Euro) preiswerter als noch im November und Dezember 2019. Die Preise für Fahrkarten im Spartarif sind zeitgleich um 34,4 Prozent (39,18 Euro) gesunken. Aber: Nicht alle Fahrgäste profitieren gleichermaßen von den günstigeren Ticketpreisen.

Vor allem am Wochenende ist es jetzt billiger. Warum? Da die Nachfrage am Wochenende generell größer ist, sind die Preise zu diesem Zeitpunkt höher. Während die Zahl der Geschäftsreisenden an Werktagen aber nur leicht zurückgegangen ist, sind zurzeit deutlich weniger Reisende am Wochenende privat unterwegs. In der Folge sinken die Preise für Bahnfahrten am Wochenende schneller als die Preise für Bahnfahrten an Werktagen. In Zahlen:

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Sprich: Wer werktags Bahn fährt, zahlt im Flextarif nun durchschnittlich 7,4 Prozent (13,88 Euro) und im Spartarif 33 Prozent (33,40 Euro) weniger als noch in der Vorweihnachtszeit. Bahnfahrten am Wochenende sind im Flextarif hingegen nun durchschnittlich 12,4 Prozent (25,39 Euro) und im Spartarif sogar 35,5 Prozent (44,96 Euro) preiswerter als noch Ende letzten Jahres.

Nicht jede Verbindung profitiert

Leider profitieren nicht alle Reisende von den gesunkenen Durchschnittspreisen. Auf einigen Bahnstrecken ist es sogar teurer geworden. Nur ein Beispiel: Für die Hin- und Rückfahrt zwischen Leipzig und Düsseldorf müssen Reisende werktags neuerdings 259 statt 208 Euro zahlen, also 24,5 Prozent (51 Euro) mehr. Fakt ist, dass der Gesetzgeber die Deutsche Bahn nicht verpflichtet hat, Reisende von der Steuererleichterung profitieren zu lassen. Ihr bleibt also ein gewisser Spielraum.

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Bahn schlägt Flugzeug

Ein Ziel hat die Bundesregierung durch die Mehrwertsteuersenkung und die Anhebung der Luftverkehrssteuer zum 1. April 2020 aber offenbar erreicht: Auf den meisten Strecken ist die Bahn inzwischen günstiger als das Flugzeug. Laut mydealz sind Reisende mit dem Zug auf 309 von 321 vergleichbaren Verbindungen (96,3 Prozent) preiswerter unterwegs, am Wochenende auf 276 von 312 Verbindungen (88,5 Prozent).

Bietet die Bahn Fahrkarten im Spartarif an, beträgt der Preisvorteil gegenüber dem Flugzeug (ohne Gepäck) werktags 80,1 Prozent (274,77 Euro) und am Wochenende sogar 81,4 Prozent (182,38 Euro). Fahrkarten im Flextarif sind werktags 47,9 Prozent (164,44 Euro) und bei Fahrten am Wochenende immerhin noch 31,6 Prozent (83,79 Euro) preiswerter als Flüge. Dazu kommt: Meist ist die Bahn sogar schneller. Bei 512 vergleichbaren Verbindungen benötigen Reisende mit der Bahn pro Strecke vier Stunden und 15 Minuten und mit dem Flugzeug fünf Stunden und neun Minuten.

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Fazit

Bahnfahren ist preislich tatsächlich deutlich attraktiver geworden. Für den Umstieg auf die Schiene muss die Deutsche Bahn die Menschen nun auch noch bei Zuverlässigkeit und Komfort überzeugen.

ein Artikel von
Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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