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Auswandern: Was kostet das Leben in Zagreb?

von ZASTER Redaktion

Zaster unterhält sich mit Susanne Schönefuß, die seit 2024 mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Zagreb lebt.

 

Susanne Schönefuß lebt seit 2024 mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Zagreb. Von dort aus berät sie Vermögensverwalter, Fondsinitiatoren und Finanzdienstleister in den deutschsprachigen Ländern dabei, planbar neue Investoren und Kunden zu gewinnen. Den Schritt nach Kroatien bezeichnet sie rückblickend als eine der besten Entscheidungen ihres Lebens.

Susanne, warum bist Du nach Kroatien gegangen und was hält dich dort?

Als sich für meinen Mann die Chance ergab, bei einem internationalen Energieunternehmen eine Führungsposition in Zagreb zu übernehmen, musste ich nicht lange überlegen. Auf meiner persönlichen Bucket List stand schon immer, einmal für einige Jahre im Ausland zu leben. Für mich war das wie ein Sechser im Lotto.

Natürlich haben wir den Schritt gut überlegt – schließlich war unser Sohn damals erst zwölf Jahre alt. Aber wir wussten, dass es in Zagreb eine Deutsche Internationale Schule gibt. Außerdem kannte mein Mann Kroatien bereits gut durch seine Arbeit und hat uns immer wieder von der Gastfreundschaft und Offenheit der Menschen erzählt.

Was ich damals nicht geahnt habe: Wie sehr dieser Umzug auch mein eigenes Berufsleben verändern würde. Meine Kunden sitzen überwiegend in den deutschsprachigen Ländern. Mir war schnell klar, dass ich nicht ständig zwischen Zagreb und Deutschland pendeln wollte. Also habe ich mein Unternehmen Schritt für Schritt so aufgebaut, dass es unabhängig von meinem Standort funktioniert. Rückblickend war der Umzug nicht nur privat, sondern auch beruflich eine der besten Entscheidungen meines Lebens.

Heute hält mich vor allem die hohe Lebensqualität und die Sicherheit hier. Zagreb ist für uns längst mehr als ein Wohnort – es ist unser Zuhause geworden.

Was können die Deutschen von den Kroaten lernen? Und möglicherweise auch andersherum?

Ganz klar: Gemeinschaft.

In Kroatien haben Familie und Freunde einen unglaublich hohen Stellenwert. Man nimmt sich Zeit füreinander, trifft sich spontan auf einen Kaffee und genießt das Zusammensein. Niemand schaut ständig auf die Uhr.

Was mich außerdem beeindruckt: Viele Kroaten sind mit dem zufrieden, was sie haben. Das Leben muss nicht immer höher, schneller und weiter gehen. Man genießt das, was da ist – und genau diese Gelassenheit tut unglaublich gut.

Andersherum können die Kroaten vielleicht ein Stück weit von der Zielstrebigkeit und dem Unternehmergeist der Deutschen profitieren. Wir Deutschen haben oft einen ausgeprägten Leistungswillen. Die Mischung aus kroatischer Lebensfreude und deutscher Tatkraft wäre wahrscheinlich ziemlich unschlagbar.

Welche drei Tipps würdest du Deutschen geben, die nach Kroatien auswandern möchten?

Erstens: Seid offen und wartet nicht darauf, dass die anderen den ersten Schritt machen.

Vor unserem Umzug hat uns ein Kulturcoach einen Rat gegeben, den ich nie vergessen habe: Wenn ihr in einem neuen Land ankommen wollt, müsst ihr selbst aktiv werden

Zweitens: Baut euch früh ein Netzwerk auf. Über die Schule unseres Sohnes, den International Women’s Club und andere internationale Netzwerke haben wir unglaublich schnell Anschluss gefunden.

Und drittens: Vergleicht nicht ständig mit Deutschland. Je schneller man aufhört zu denken: „Bei uns wäre das anders“, desto schneller fühlt man sich zuhause.

Wie teuer ist das Leben in Kroatien im Vergleich zu Deutschland?

Viele denken, Kroatien sei deutlich günstiger als Deutschland. Diese Erfahrung habe ich ehrlich gesagt nicht gemacht.

Gerade bei Lebensmitteln empfinde ich Kroatien inzwischen sogar als teurer. Da wir häufig bei den gleichen Ketten wie Kaufland, Lidl, Müller oder dm einkaufen, lässt sich das gut vergleichen. Viele Produkte kosten hier gefühlt 20 bis 30 Prozent mehr. Das überrascht viele, weil Kroatien immer noch den Ruf eines günstigen Urlaubslandes hat.

Natürlich gibt es auch einige Bereiche wie zum Beispiel kulturelle Angebote wie Konzerte, Oper und Kino, die günstiger sind. Insgesamt würde ich aber nicht sagen, dass man nach Kroatien zieht, um Geld zu sparen. Für uns war der Umzug eine Entscheidung für eine andere Lebensqualität – nicht für niedrigere Lebenshaltungskosten.

Krankenversicherung, Steuern und Rentenversicherung – wie funktioniert das in Kroatien?

Ich habe mein Unternehmen in Kroatien angemeldet und bin hier sowohl kranken- als auch rentenversichert.

Unsere steuerliche Situation ist allerdings etwas speziell, weil wir als Expat-Familie nur für einige Jahre in Kroatien leben und arbeiten. Deshalb würde ich jedem empfehlen, sich vor einem Umzug steuerlich beraten zu lassen. Das schafft Klarheit und erspart später unangenehme Überraschungen.

Welchen geheimen Spartipp hast du für das Leben in Kroatien entdeckt?

Ich kaufe sehr gerne auf den Wochenmärkten ein. Saisonales Obst und Gemüse sind von hervorragender Qualität und oft etwas günstiger als im Supermarkt.

Auch Fleisch ist häufig preiswerter als in Deutschland. Wer gerne grillt, wird sich über die Qualität und die Preise vieler Steaks freuen.

Welches Produkt ist in Kroatien besonders teuer und welches besonders günstig?

Mich überraschen bis heute manche Preisunterschiede. Für einen Liter Hafermilch zahle ich hier teilweise fast vier Euro – deutlich mehr als in Deutschland.

Positiv überrascht haben mich dagegen die Kinopreise. Für sechs bis acht Euro bekommt man oft schon eine Eintrittskarte.

Hast du einen Tipp für die Jobsuche für Menschen, die nach Kroatien auswandern möchten?

Wer in Kroatien arbeiten möchte, sollte möglichst früh anfangen, sich zu vernetzen. Eine gute Anlaufstelle ist die Auslandshandelskammer. Dort lernt man schnell Unternehmen kennen, die international tätig sind.

Außerdem werden viele interessante Stellen inzwischen über LinkedIn ausgeschrieben. Gerade internationale Unternehmen suchen regelmäßig deutschsprachige Fachkräfte. Wer bereits vor dem Umzug Kontakte knüpft, hat oft einen deutlichen Vorteil.

Wie sieht dein neuer Alltag aus? Was hat sich hier am meisten zum alten Leben verändert?

Beruflich hat sich überraschend wenig verändert. Ich arbeite von meinem Schreibtisch in Zagreb aus, führe Videokonferenzen und betreue Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Der größte Unterschied liegt in meinem Privatleben. Ich bin gesellschaftlich viel stärker eingebunden als früher. Fast jeden Tag treffe ich Freundinnen – beim Pilates, auf einen Kaffee oder einfach zum Spazierengehen. Dieses Gemeinschaftsgefühl genieße ich sehr und es trägt für mich wesentlich zu der hohen Lebensqualität in Zagreb bei.

Welche Rolle spielt Geld in der kroatischen Gesellschaft?

Mein Eindruck ist, dass Geld hier einen etwas anderen Stellenwert hat als in Deutschland.

Natürlich spielt es auch in Kroatien eine wichtige Rolle. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass gemeinsame Zeit oft wichtiger ist als Status oder Konsum. Man trifft sich lieber auf einen Kaffee oder verbringt Zeit mit Familie und Freunden, anstatt ständig dem Nächsten hinterherzujagen.

Spannend finde ich auch den Umgang mit Geldanlage. In Kroatien wird nach meiner Beobachtung sehr viel in Immobilien investiert. Mein berufliches Feld – also Aktien, Renten, Fonds und langfristige Kapitalmarktanlagen – ist hier noch deutlich weniger entwickelt als in Deutschland.

Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis aus meinen zwei Jahren in Kroatien: Lebensqualität hängt nicht nur davon ab, wie viel Geld man verdient, sondern auch davon, wie viel Zeit man sich für die Menschen nimmt, die einem wichtig sind.

Vielen Dank für das offene und super-interessante Gespräch!

 

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