EURO, DOLLAR, SCHILLING – WAS DEN FINANZMARKT DIESE WOCHE BEWEGT HAT

Auf dem Weg in die Splendid Isolation

von Philipp Grabowski

Kolumnist Volker Schilling fasst zusammen, was in dieser Woche die Finanzmärkte bewegt hat.

Splendid Isolation

Da ist sie wieder, die Brexit-Schlagzeile. Wochenlang habe ich im letzten Jahr über den Brexit geschrieben, dann war alles vom Tisch, und jetzt geht’s wieder los. Die spinnen die Briten, möchte wohl der Verhandlungsführer der Gallier, Michel Barnier, gerade lauthals verkünden. Tory Führer und britischer Premierminister Boris Johnson stellt sich nicht nur quer bei den aktuellen Vertragsverhandlungen zum Austritt, nein, auch den mühsam ausgehandelten Austrittsvertrag selbst will er nochmal verändern. Pacta sunt servanda, möchte da der romanische Teil in Barnier dem lieben Johnson zurufen.

Die Börsen beeindruckt das erneute Geplänkel um den Austritt Großbritanniens wenig. Allerdings scheint mir die Strategie von Boris Johnson, das Fass erneut aufzumachen, zu verkennen, dass es sich hier um ein Pulverfass handelt, auf dem er zudem selbst sitzt. Die Allmachts-Fantasien des Premierministers, die Briten wieder in eine Splendid Isolation zu führen, könnte sich als Supergau herausstellen.

Boris Johnson sieht sich als Winston Churchill seiner Zeit: Standhaft, unkonventionell und querdenkend. Doch die Eigen- und Fremdwahrnehmung klafft weit auseinander: Die Abspaltung von der EU ist ein Teil, die Spaltung innerhalb der eigenen Bevölkerung ein anderer, und selbst in seiner Partei regt sich jetzt massiver Widerstand.

Meine Vermutung: Fatale Folgen für die britische Wirtschaft wie rapider Verfall des britischen Pfunds, massiver Verkaufsdruck auf britischen Staatsanleihen (der wiederum von der britischen Notenbank durch Aufkäufe stabilisiert werden müssen) und ein Wirtschaftseinbruch, der Johnson das Amt kosten wird. Dann lebt er in seiner eigenen Splendid Isolation.


Battery Day


1993 warb die Firma Duracell mit dem Slogan: You can’t top the copper top! Und ein pinkfarbener Plüschhase trommelte unaufhörlich vor sich hin.

Heute trommelt lauthals ein anderer bunter Hase der neuen Elektrowelt: Elon Musk. Am 22. September hat er den „Tesla Battery Day“ ins Leben gerufen. Dort wird er nach eigenen Tweets eine revolutionäre Ankündigung zur künftigen Batterietechnologie vornehmen. Darauf darf man gespannt sein, auch wenn Musk gerne den Superlativ ankündigt und dann nur den Komparativ liefert. Die Tesla-Aktionäre feiern schon im Vorfeld und wissen diese Woche nicht, ob sie die Aktie hochjubeln oder besser auf dem Niveau abverkaufen sollen. Die Tagesschwankungen waren diese Woche extrem hoch.

Ich bin der Meinung, dass Sie auf diesen Wert derzeit nicht weiter spekulieren sollten. Schauen Sie sich lieber an, mit wem Tesla in der Entwicklung von neuer Batterietechnologie steht. Dort werden Sie schnell auf den Namen Panasonic stoßen, die am 22. September Teil des Battery Day sein werden.

Mir scheint die Aktie von Panasonic deutlich attraktiver und auf dem aktuellen Niveau ohnehin viel spannender. In diesem Sinne schließt sich der Kreis wieder, denn 1993 steckten die Batterien noch in meiner Boombox der 90er, dem Ghettoblaster von Panasonic.


Indian Trade Company


Von einem Superlativ zum nächsten: Diese Woche kursierten Gerüchte, das Jeff Bezos mit Amazon 40 Prozent an Reliance Industries Ltd. erwerben will. Reliance Industries ist Indiens größtes privates Unternehmen und im Besitz des reichsten Inders Mukesh Ambani. Der verhandelt anscheinend mit dem reichsten Amerikaner, um einen Handelskoloss zu erschaffen. 20 Milliarden will Bezos für den 40-prozentigen Anteil ausgeben. Dass wäre nicht nur Amazons größter Deal, sondern auch das größtes Geschäft, welches jemals in Indien umgesetzt wurde. Damit würde sich Amazon in einen der größten und stark wachsenden Märkte der Welt einkaufen. Diesen Deal sollten Sie im Auge behalten.


Ihr Volker Schilling

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ein Artikel von
Philipp Grabowski