Die Aufholjagd läuft längst
Bemerkenswert ist die Bewegung dahinter. Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der Anlegerinnen um 24 Prozent gestiegen, bei den Männern um 12 Prozent. Frauen sind damit die schneller wachsende Gruppe am deutschen Kapitalmarkt.
Die übliche Erklärung lautet, Frauen seien vorsichtiger. Zu einem Zuwachs von einer Million Anlegerinnen in zwölf Monaten passt das schlecht. Näher liegt, dass viele einfach später anfangen. Genau die ersten Jahre sind beim Vermögensaufbau die wertvollsten, weil der Zinseszins Zeit braucht.
Was nach einer Trennung wirklich passiert
2025 wurden in Deutschland 130.100 Ehen geschieden, nach durchschnittlich 14 Jahren und sieben Monaten. Eine Trennung kann finanziell einen erheblichen Einschnitt bedeuten. Die Forschung zeigt allerdings, dass dieser Einschnitt nicht für alle Frauen dauerhaft ist. Thomas Leopold und Matthijs Kalmijn haben für die Fachzeitschrift Demography Daten des Sozio-oekonomischen Panels von 1984 bis 2021 ausgewertet, rund 27.000 Frauen und etwa 3.400 Trennungs- und Scheidungsfälle.
Das Ergebnis: Nach einer Scheidung sinkt das Haushaltseinkommen zunächst um gut 25 Prozent. 28 Prozent der Frauen verlieren gar nichts. Nach fünf Jahren haben 56 Prozent der geschiedenen Frauen wieder das Einkommen erreicht, das ohne Trennung zu erwarten gewesen wäre, oder liegen darüber.
Bei rund acht Prozent bleibt es dauerhaft schwierig. Betroffen sind vor allem Frauen ohne eigenes Erwerbseinkommen, mit kleinen Kindern und ohne neue Partnerschaft. Ob du zu diesen acht Prozent gehörst, entscheidet sich lange vor der Trennung.
Es zählt, was auf deinen Namen läuft
In meiner Beratung sehe ich immer wieder dieselbe Konstellation. Der Haushalt hat Vermögen, die Frau darin verfügt über wenig davon selbst. Ein gemeinsames Konto, ein Depot auf seinen Namen und eine Rentenanwartschaft aus Teilzeitjahren ergeben zusammen kein eigenes Fundament.
Der Staat gleicht das nur begrenzt aus. Ab 2027 erhält ein Ehepartner ohne eigenes Einkommen in der geförderten Altersvorsorge höchstens 175 Euro Zulage im Jahr, und dafür muss er selbst mindestens 120 Euro einzahlen. Wer darauf baut, baut auf wenig.
Keine Frau sollte bleiben müssen, weil sie es sich finanziell nicht leisten kann zu gehen. Ein eigenes Konto, ein eigenes Depot und eine eigene Altersvorsorge sind wichtige Bausteine für finanzielle Unabhängigkeit. Wer darüber hinaus Vermögen innerhalb einer Ehe klar regeln und für beide Seiten faire Verhältnisse schaffen möchte, kann frühzeitig über einen individuell gestalteten Ehevertrag nachdenken. Denn ein Ehevertrag muss kein Zeichen von Misstrauen sein, sondern kann finanzielle Klarheit und Sicherheit für beide schaffen.
Quellen
Deutsches Aktieninstitut, Aktionärszahlen 2025, Erhebung durch Kantar unter rund 28.000 Personen ab 14 Jahren. 14,1 Millionen Aktienbesitzer gesamt, davon 5,4 Millionen Frauen (15,1 Prozent der weiblichen Bevölkerung) und 8,7 Millionen Männer (24,8 Prozent). 2024 waren es 4,4 Millionen Frauen (12,3 Prozent) und 7,7 Millionen Männer (22,2 Prozent), Wachstum also 24 gegenüber 12 Prozent.
Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom Juni 2026: 130.100 Ehescheidungen 2025, plus 0,6 Prozent gegenüber 2024, durchschnittliche Ehedauer 14 Jahre und 7 Monate.
Thomas Leopold und Matthijs Kalmijn, Reassessing Chronic Strain: A Research Note on Women’s Income Dynamics After Divorce and Separation, Demography 2024. Sozio-oekonomisches Panel 1984 bis 2021, rund 27.000 Frauen, etwa 3.400 Trennungs- und Scheidungsfälle. Einkommensverlust 25,4 Prozent nach Scheidung, 28 Prozent ohne Verlust, nach fünf Jahren 56 Prozent der geschiedenen Frauen erholt, rund 8 Prozent dauerhaft benachteiligt. Zahlen aus dem Volltext entnommen.
Bundesfinanzministerium, Fragen und Antworten zur Reform der geförderten privaten Altersvorsorge: mittelbar zulageberechtigte Ehepartner erhalten höchstens 175 Euro Zulage und müssen dafür jährlich mindestens 120 Euro selbst einzahlen. Direkt an der Quelle geprüft am 7. September 2026.