Kräftige Kursgewinne, mehr Schwankung
Nach einem starken ersten Quartal 2026 richten Investoren ihren Blick wieder auf Energieaktien. Auslöser sind die erneut aufflammenden kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten, die die Rohölpreise nach oben getrieben haben.
Wie deutlich sich das auszahlt, zeigt der iShares MSCI World Energy Sector UCITS ETF (A2PHCF), der weltweit in Energieunternehmen investiert: Auf Zwölfmonatssicht legte er um mehr als 40 Prozent zu, über drei Jahre um mehr als 50 Prozent und über fünf Jahre um rund 170 Prozent. Allein seit Jahresbeginn steht ein Plus von über 30 Prozent zu Buche.
Das hat allerdings seinen Preis: Die Schwankungsbreite – im Fachjargon Volatilität – liegt über drei Jahre bei rund 20 Prozent. Breit gestreute MSCI-World-ETFs kommen lediglich auf etwa 12 Prozent. Der maximale Kursrückgang von einem Hoch zum nächsten Tief (Drawdown) betrug in den vergangenen fünf Jahren 16 Prozent. Für einen einzelnen Sektor ist das ein Wert, der den langfristig eher stabilen Charakter der Energietitel bestätigt.
Der Ölpreis als Motor
Sorgen um das globale Angebot, die Produktionsdisziplin der Opec+, eine robuste Nachfrage und die Konflikte im Nahen Osten haben die Risikoprämie am Ölmarkt erhöht. Besonders die Blockade der Straße von Hormus, der strategisch wichtigsten Transportroute für die Ölversorgung vieler Länder, schürte Befürchtungen vor Lieferunterbrechungen.
Es profitiert aber nicht der ganze Sektor gleichermaßen: Unternehmen, die Öl und Gas fördern, spüren den Rückenwind am stärksten. Raffinerien, Pipelinebetreiber und Dienstleister reagieren weniger sensibel.
Kurzfristig rechnen Analysten mehrheitlich mit seitwärts laufenden Preisen. Mittelfristig könnten sie sinken, weil zusätzliche Fördermengen aus Nord- und Südamerika ein Überangebot entstehen lassen könnten. Langfristig bremsen Elektromobilität, höhere Energieeffizienz und der Ausbau erneuerbarer Energien das Nachfragewachstum.
Was im ETF steckt
Der 2019 in Irland aufgelegte Fonds bildet den MSCI World Energy Index physisch nach, kauft die Aktien also tatsächlich. Enthalten sind 52 Energieunternehmen aus 23 Industrieländern. Die laufenden Kosten liegen bei günstigen 0,18 Prozent pro Jahr, das Fondsvolumen hat sich seit Jahresbeginn nahezu verdoppelt.
Klumpenrisiko inklusive: Die fünf größten Positionen machen rund 44 Prozent des Fondsvermögens aus, gut 77 Prozent entfallen auf Nordamerika. Ausgeschüttet wird halbjährlich im Juni und Dezember, zuletzt konstant mit mehr als 3 Prozent pro Jahr.
Kein Energiewende-Investment
Getragen wurde die Rallye von Exxon Mobil, Chevron und ConocoPhillips. Auch Pipelinebetreiber wie Enbridge oder Williams Companies legten zu. Firmen aus dem Bereich erneuerbare Energien blieben dagegen deutlich zurück – ein Beleg dafür, dass die Hausse am Ölpreis hängt.
Zwar investieren einzelne Konzerne daneben auch in Erneuerbare: TotalEnergies in Solar- und Windkraft, BP in eigene Projekte, Shell in Wasserstoff und Ladeinfrastruktur, Neste in erneuerbare Diesel-Kraftstoffe. Reine Solar- oder Wasserstoffunternehmen fehlen aber. Wer gezielt auf die Energiewende setzen will, ist etwa mit dem iShares Global Clean Energy Transition UCITS ETF (A0MW0M) besser bedient.
Bewertung: noch moderat
Trotz der Kursgewinne sind Energieaktien im Schnitt günstiger bewertet als viele andere Sektoren. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei rund 19, auf Basis der erwarteten Gewinne sogar nur bei rund 12. Dazu kommen über drei Prozent Dividendenrendite, hohe Cashflows und umfangreiche Aktienrückkaufprogramme.
Für alle, die ihr Portfolio um einen inflationssensitiven Sachwertsektor ergänzen wollen, kann der ETF eine interessante Beimischung sein. Wer die Energiewende im Depot abbilden möchte, findet hier das Falsche: Der Fonds setzt auf die Ertragskraft der globalen Öl- und Gasindustrie.
INFOBOX: Der ETF auf einen Blick
- WKN: A2PHCF | Auflage: 17.10.2019 | Volumen: 1,21 Mrd. Euro
- Kosten (TER): 0,18 % pro Jahr
- Index: MSCI World Energy, 52 Unternehmen, physisch nachgebildet
- Wertentwicklung: 12 Monate über 40 %, 5 Jahre rund 170 %
- Risiko: Volatilität rund 20 %, maximaler Drawdown 16 % in 5 Jahren
- Konzentration: Top 5 rund 44 %, Nordamerika gut 77 %
- Ausschüttung: halbjährlich, zuletzt über 3 % pro Jahr
- Wichtig: Reine Clean-Energy-Firmen sind nicht enthalten