Viele Menschen zögern beim Investieren aus Angst, zum falschen Zeitpunkt einzusteigen. Doch wie groß ist dieses Risiko tatsächlich?
Der Kapitalmarktanalyst Pascal Kielkopf vom Multi Family Office HQ Trust hat dafür jeden Handelstag seit Januar 1972 ausgewertet. Für jeden möglichen Einstiegszeitpunkt berechnete er, wie lange ein Investor anschließend im Minus gewesen wäre. Die Analyse umfasst große Krisen wie den Dotcom-Crash, die Finanzkrise 2008 und den Corona-Einbruch. Aber auch zahlreiche kleinere Rückschläge, die heute kaum noch jemand erinnert.
Im Median nur zwei Tage im Minus
Das Ergebnis überrascht: „In den meisten Fällen war der Verlust erstaunlich kurz“, sagt Kielkopf. Im Median – also bei der Hälfte aller untersuchten Einstiegszeitpunkte – lag ein Anleger höchstens zwei Tage im Minus, bevor der Markt wieder über den Kaufkurs stieg.
In neun von zehn Fällen dauerte die Verlustphase maximal einen Monat. Wer drei Monate Geduld hatte, lag mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent bereits wieder im Plus.
Selbst bei sehr ungünstigem Timing blieben die Verlustphasen meist überschaubar. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent lag ihre maximale Dauer bei rund 3,3 Jahren. Der Negativrekord stammt aus der Dotcom-Blase: Wer am Höhepunkt im Jahr 2000 einstieg, musste 13,2 Jahre warten, bis er wieder im Plus war.
Dauerhaft im Plus dauert länger
In einem zweiten Szenario untersuchte Kielkopf, wann Anleger dauerhaft im Gewinn blieben – also ohne später noch einmal unter ihren Einstiegskurs zu fallen. Hier lag der Median bei rund 1,5 Jahren. In neun von zehn Fällen war dieser Punkt spätestens nach 9,6 Jahren erreicht. Die längsten Verlustphasen konzentrieren sich dabei auf wenige historische Krisen: die 1970er-Jahre, die Dotcom-Korrektur Anfang der 2000er und die Finanzkrise ab 2008. In vielen anderen Marktphasen fielen die Minusperioden dagegen vergleichsweise kurz aus.
Investiert bleiben statt auf den perfekten Moment warten
Was heißt das für Anleger in unsicheren Zeiten? Geopolitische Spannungen – etwa die aktuelle Lage im Iran – können die Märkte kurzfristig belasten, sagt Kielkopf. Die historische Entwicklung zeigt jedoch: Wer global breit streut, erlebt Verlustphasen meist nur kurz – selbst wenn die Nachrichtenlage dramatisch wirkt.
Die wichtigste Lehre lautet daher: Investiert bleiben. Wer aus Angst vor Schwankungen verkauft oder auf den perfekten Einstiegszeitpunkt wartet, riskiert eher, Chancen zu verpassen. Langfristig profitieren Anleger von der Widerstandskraft der Weltwirtschaft, die nach Krisen immer wieder die Basis für steigende Aktienmärkte bildet.
Ein Gastbeitrag von Maria Lentz, Autorin bei DAS INVESTMENT.
Dies ist keine Anlageberatung. Bitte informiert euch vor einer Geldanlage über die Risiken und beachtet unsere Hinweise hier.