Denn die wirklich starken Player navigieren souverän durch jede Marktphase: Boom, Krise oder Stillstand – sie haben Strategien für alle Lagen. Und genau deshalb sind sie für langfristig orientierte Anleger so spannend.
Wenn die Konjunktur brummt, die Aktienbörsen neue Höchststände jagen und Finanzierungsbedingungen günstig sind, beginnt für Beteiligungsunternehmen die Erntezeit. In dieser Phase steigen die Bewertungen, Unternehmen wachsen schnell, Kapital ist reichlich vorhanden – und das Exit-Fenster ist weit geöffnet. Beteiligungsunternehmen nutzen diese Gunst der Stunde, um Beteiligungen zu veräußern – sei es über IPOs oder durch Verkäufe an strategische Käufer. Was über Jahre entwickelt, strukturiert und operativ verbessert wurde, kann nun mit Gewinn monetarisiert werden.
Beispiel: Fairfax Financial Holdings engagierte sich frühzeitig als strategischer Investor in der griechischen Bank Eurobank Ergasias, als diese infolge der Staatsschuldenkrise stark unter Druck stand. Fairfax unterstützte die Rekapitalisierung, stärkte Governance und Kapitalbasis und begleitete den tiefgreifenden operativen Turnaround. Mit der schrittweisen Rückkehr der Eurobank an den Kapitalmarkt und dem sukzessiven Abbau der Beteiligung realisierte Fairfax einen wertschöpfenden Exit, der unternehmerische Geduld, antizyklisches Investieren und ein günstiges Marktumfeld zusammenführte.
Doch wirtschaftlicher Rückenwind ist nicht die Norm. Was passiert also, wenn der Markt kippt?
Steigen die Zinsen, sinkt die Risikobereitschaft. Bewertungen geraten unter Druck, Übernahmen stagnieren, Börsengänge werden verschoben. Jetzt zeigt sich, welche Beteiligungsgesellschaften ihr Handwerk wirklich verstehen. Wer gut vorbereitet ist, wechselt in den Gestaltungsmodus: Prozesse werden optimiert, Strukturen verschlankt, das Portfolio neu ausgerichtet. Reine Finanzierer geraten ins Wanken – doch operative Investmentprofis nutzen diese Phase gezielt für antizyklisches Handeln.
Beispiel
SoftBank Group aus Japan ist für große Wetten auf Technologieunternehmen bekannt – etwa Alibaba oder ARM. Doch in schwachen Marktphasen agiert SoftBank nicht hektisch, sondern strategisch. Statt Assets panisch zu verkaufen, werden Bewertungen als Chance begriffen. Beteiligungen, die in ruhigeren Märkten überteuert wären, werden nun zu attraktiveren Preisen aufgebaut – immer mit Blick auf langfristige Trends: KI, Plattformökonomie, Digitalisierung.
SoftBanks Ansatz ist klar: wenn möglich antizyklisch investieren, aber selektiv. Nicht jeder Preisrückgang ist ein Kaufgrund. Es geht darum, wie gut ein Unternehmen in das übergeordnete Zukunftsbild passt. Die Strategie: keine Einzelwetten, sondern Aufbau kompletter Ökosysteme. Dabei werden Synergien zwischen den Beteiligungen geschaffen – mit dem Ziel, technologisch und operativ voneinander zu profitieren.
Grundvoraussetzung für dieses Vorgehen ist Liquidität – das berühmte „Dry Powder“. Beteiligungsgesellschaften, die über ausreichend freie Mittel verfügen, sind handlungsfähig, wenn andere auf der Bremse stehen. Weniger Konkurrenz bei Transaktionen, mehr Spielraum bei der Verhandlung – und die Chance, sich unterbewertete Unternehmen zu sichern.
Doch Kapital allein reicht nicht. Entscheidend sind Branchenverständnis, operative Hebel und erfahrene Teams. Beteiligungsunternehmen, die echten Mehrwert stiften wollen, mischen sich nicht nur ein – sie gestalten mit: strategisch, operativ und oft auch personell. Sie verbessern Prozesse, digitalisieren Geschäftsmodelle, helfen bei Nachfolgefragen – und tragen so zur echten Wertsteigerung bei.
Interessant wird es, wenn man das Verhalten in Marktphasen analysiert. Viele Beteiligungsunternehmen verlagern ihren Fokus in unsicheren Zeiten weg vom Kapitalmarkt und hin zu direkten Akquisitionen. Warum? Weil ganze Unternehmen – insbesondere nicht börsennotierte – häufig günstiger zu haben sind als börsennotierte Aktien. Dazu kommt: Übernahmen bieten Kontrolle. Man kann aktiv steuern, entwickeln, stabilisieren. Gerade in einem unsicheren Umfeld ist das ein strategischer Vorteil.
Mehr Akquisitionen als Börseninvestments deuten daher oft auf eine bewusste Entscheidung hin: gegen Volatilität, für operative Wertschöpfung. Beteiligungsunternehmen, die lieber Unternehmen aufbauen oder kaufen als Aktien traden, zeigen: Sie setzen auf Substanz statt Spekulation.
Und auch die Rahmenbedingungen spielen eine Rolle: Wenn Zinsen fallen, wird die Finanzierung von Übernahmen günstiger – und damit attraktiver. Die Bereitschaft, zuzugreifen, steigt. Kombiniert mit einer vorsichtigen Einschätzung gegenüber öffentlichen Bewertungen ergibt sich ein klares Bild: In solchen Phasen ist Kontrolle wertvoller als Liquidität.
Fazit
Beteiligung ist kein passives Investment. Es ist unternehmerisches Handeln im Hintergrund – mit klarer Strategie, operativer Tiefe und dem Anspruch, Werte zu schaffen, die über den Zyklus hinaus Bestand haben. Die besten Beteiligungsunternehmen folgen nicht dem Takt des Marktes – sie setzen eigene Akzente. Und genau darin liegt ihr Potenzial: nicht mit dem Wind segeln, sondern mit Weitblick steuern.
