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ANGELEGT!

Nach dem Shutdown: Bewegungskontrolle statt Ausgangsperre

von Leonhard Fischer

ZASTER-Kolumnist Leonhard Fischer blickt in die Zeit nach dem Shutdown – und sieht einen Deal, den wir mit der Regierung eingehen werden. Es ist kein guter, aber gute Deals sind zur Zeit nicht zu haben...

Zahlen geben Sicherheit, denn Zahlen lügen ja nicht. So ist das Vertrauen in Zahlen groß – und wird entsprechend konsequent missbraucht.

„Traue keiner Statistik, außer du hast sie selber gefälscht.“ Mit diesem Satz hat ein Professor vor gefühlt 100 Jahren meine erste Vorlesung in Statistik eröffnet. Eine der wichtigsten Erkenntnisse meines Lebens, die mich vor vielen Fehlern bewahrt hat. Warum sage ich das? Nun, wir werden seit Wochen von den Medien und der Obrigkeit mit Zahlen über das Coronavirus zugemüllt. Das soll bei uns den Eindruck erwecken, dass die Verantwortlichen auf der Basis von halbwegs gesicherten Fakten entscheiden. Dem ist nicht so.

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Es herrscht allgemeine Verwirrung und niemand hat einen Plan. Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass wir in Zeiten des Dataminings leben. Die traurige Wahrheit ist wohl, dass anscheinend die halbe Welt jeden Tag dank unserer Smartphones viel über unsere Bedürfnisse herausfinden kann. Aber über unsere wahre Infektionsrate durch Corona weiß keiner im Moment etwas Genaues. Nehmen wir das Beispiel Italien. Bei offiziell festgestellten Infizierten von über 100.000 reicht die Schätzung diverser Experten über die wirklich Infizierten von einigen Hunderttausend bis zu mehreren Millionen. Somit haben wir keine Ahnung, was die wirkliche Sterblichkeitsrate ist. Auch wissen wir nicht wirklich, wie leicht und insbesondere wie sich das Virus am besten verbreitet. Also mein Rat an Euch: Genießt all die Statistiken in den Medien mit allergrößter Vorsicht.

Das jetzige Shutdown-Modell hat nur noch eine Halbwertzeit bis Ende April.

Damit befinden wir uns leider in einem richtigen Dilemma. Das Virus ist viel zu gefährlich, um es zu ignorieren, allerdings insbesondere für die Älteren – das Durchschnittsalter der Verstorbenen liegt um die 80.

Aber ist es so gefährlich, dass wir einen wirtschaftlichen Kollaps hinnehmen können? Wir wissen es nicht wirklich. Das Versprechen der Politik, dass sie uns sowohl vor den gesundheitlichen Gefahren des Virus durch rigide Maßnahmen als auch vor den wirtschaftlichen Folgen eben genau dieser Maßnahmen schützen kann, stimmt so nicht. Vielmehr werden wir in den nächsten Monaten unweigerlich zwischen Schutz unserer wirtschaftlichen Basis und damit unserer Zukunft und dem Schutz vor dem Virus hin und her schwanken. Das jetzige Shutdown-Modell hat dabei meiner Meinung nach nur noch eine Halbwertzeit bis Ende April.

Für mich ergibt sich ein wahrscheinliches Szenario für die nächsten Monate: Es wird ein Deal auf den Tisch gelegt werden. Eine schrittweise Lockerung des jetzigen Shutdowns gegen unsere Bereitschaft, dass unsere Handydaten zur Bewegungskontrolle benutzt werden können.

Es wird demnächst ein Deal auf den Tisch gelegt werden: Eine schrittweise Lockerung des jetzigen Shutdowns gegen unsere Bereitschaft, dass unsere Handydaten zur Bewegungskontrolle benutzt werden können.

Kein toller Deal, aber in diesen Zeiten gibt es keine tollen Deals. Somit werden Schulen, Restaurants und Geschäfte wieder öffnen. Aber sorry Leute, kein Clubbing, keine Großveranstaltungen welcher Art auch immer – es wird eine sehr maue Partysaison. Und ständig wird getestet, nochmals getestet und viel kontrolliert werden müssen. Steigen dann die Zahlen, könnten einzelne Maßnahmen wieder verschärft werden. Zudem werden wir wohl sehr oft Masken tragen müssen. Für die Fashionistas unter uns gibt es ja dann bestimmt Masken von Prada.

Da ich ja von Grund auf zum Optimusmus neige, jetzt zwei positive Prognosen.

Erstens: Ich habe zwar keine Ahnung, wann ein Impfstoff am Markt sein wird. Aber ich bin mir sicher, dass diese Krise neue Impftechnologien hervorbringen werden, die unser Leben nachhaltig verbessern. Und zweitens wette ich darauf, dass in den nächsten Monaten ein Medikamentencocktail gefunden wird, der den Verlauf der Infektion deutlich verbessert.

Im Gefolge würde alles wieder sehr viel einfacher werden. Also vergessen wir mal all die Zahlen und Modellrechnungen und vertrauen meinem positiven Bauchgefühl. Und das sagt, dass im Hochsommer wegen neuer Medikamente die Lage deutlich entspannter sein kann. In diesem Sinne plane ich jetzt mal meinen Urlaub und kaufe auch vorsichtig die ersten Aktien. Im Supermarkt gab es heute übrigens sogar Klopapier.

Bis nächste Woche und passt auf Euch und Eure Zukunft auf.

ein Artikel von
Leonhard Fischer
Leonhard Fischer
Leonhard Fischer ist ein international anerkannter Kapitalmarkt-Experte und kreativer Vordenker im Finanzwesen. Das Manager Magazin bezeichnet ihn als "Banker mit Wunderkindzertifikat". Er begann als Investmentbanker bei J.P. Morgan und wurde mit nur 36 Jahren Vorstand bei der Dresdner Bank, später auch bei der Allianz. Er war CEO des Schweizer Versicherers Winterthur und Vorstand bei der Credit Suisse. 2017 erschien sein Buch "Es waren einmal Banker: Warum das moderne Finanzsystem gescheitert ist". Leonhard Fischer ist Vorsitzender des Anlageausschusses von Der Zukunftsfonds. In seiner ZASTER-Kolumne "Angelegt!" verrät er wertvolle Geheimnisse rund um die Geldanlage.

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