© Alexas_Fotos | Pixabay
130 Jahre Spielspaß

Nintendo – von Spielkarten aus Baumrinde zu Hightech-Konsolen

von Moritz Weinstock

Mit 130 Jahren Firmengeschichte gehört Nintendo zu den alten Eisen der Spieleindustrie. Doch bis zu Super Nintendo und GameBoy war es ein langer Weg.

Super Nintendo, Nintendo 64, GameBoy, Wii - die Konsolen des japanischen Herstellers Nintendo sind dir sicher ein Begriff. Auf mindestens einem dieser Spielgeräte hast du Mario oder Luigi in Gokarts durch bunte Computerlandschaften bewegt, mit Zelda neue Fabelwelten entdeckt oder Pokémons gejagt.

Erstaunlich ist jedoch, dass Nintendo nicht erst in den späten 1970er-Jahren (Atari), frühen 1980er Jahren (einer der ersten Heimcomputer, der Commodore 64, kommt auf den Markt) oder zu Beginn der 1990er-Jahre (Playstation) das Licht der Spielwelt erblickte. Nintendo war viel früher dran, denn schon 1889 verlassen erste Kartenspiele aus Baumrinde die Lagerhallen der frisch gegründeten Firma von Fusajiro Yamauchi in Kyoto.

Von Spielkarten zu Elektrotechnik

Das Kartengeschäft läuft wie geschmiert und fast so zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk. Ganze 60 Jahre produziert das ständig wachsende Unternehmen fast ausschließlich Spielkarten und anderen analoge Brettspiele für alle Altersgruppen. Schön früh orientiert man sich an Spielen westlicher Art, springt auf den Walt-Disney-Hype auf und kurbelt mit der Massenproduktion von Plastikkarten das Geschäft zusätzlich an. 1962 geht es an die Börsen von Osaka und Kyoto.

Trotzdem dauert es bis 1970, als die Spiele-Abteilung um eine neue Produktionsstätte in einem Vorort Kyoto’s erweitert wird. Erst jetzt kommt mit Entwicklungen wie der Beam-Gun Elektronik ins Spiel und auf die Fernsehbildschirme in den Haushalten.

Tontaubenschießen statt Bowling

Mit den neuen Geräten aus dem Hause Nintendo können nun Tontauben im Wohnzimmer abgeschossen werden. Erste Shooter-Spiele entstehen - und lösen damit in vielen Teilen der japanischen Gesellschaft Bowling als Volkssport ab.

Schon bald breiten sich die neuen Videospiele in die Spielhallen der Welt aus, wie du sie vielleicht aus Italienurlauben kennst. Nintendo ist voll am Zahn der Zeit, aber technischer Fortschritt allein ist nicht alles. Zum Glück hat das Unternehmen mit dem Spieleentwickler Shigeru Miyamoto ein Ass im Ärmel, denn er ist es, auf den Klassiker wie Donkey Kong, Zelda und sogar die ganze Super Mario-Reihe zurückgehen.

NES - musst du haben!

1986, rund drei Jahre vor der Präsentation des GameBoy, ist es das Nintendo Entertainment System (NES) und vor allem die Super Nintendo, die weltweit in den Privathaushalten Einzug hält. Mit ihr wird das Zocken am Fernseher auf eine neue Erlebnisebene gehoben. Der damalige US-amerikanische Konkurrent Atari ist zu diesem Zeitpunkt lägst aus dem Rennen - eine Folge des „großen Videospielecrash 1983“, wie der Gaming-Experte Christian Schiffer im Gespräch mit DLF Kultur erklärt. Aus diesem geht Nintendo jedoch als Gewinner hervor.

Seitdem hat das Unternehmen eine gewisse Unverwundbarkeit im Videospielesektor bewiesen, was zum Großteil auch an der „Blue Ocean Strategie“ des Unternehmens liegt. Mit der versucht es, neue Trends aufzutun und nicht alten zu folgen. Klassische Beispiele hierfür sind Konsolen wie die Wii, mit der selbst ältere Menschen als Kunden gewonnen werden konnten sowie eine mehrheitliche Abgrenzung zur grafisch meist deutlich anspruchsvolleren Konkurrenz, wie sie beispielsweise Sony’s Playstation und Microsoft’s XBOX anbieten.

Den richtigen Weg bestätigen Zahlen

Erfolg misst sich bei Unternehmen in Zahlen und betrachtet man die Entwicklung des Aktienkurses von Nintendo in den letzten fünf Jahren, so ist der Kurs ordentlich nach oben geschnellt. Heute musst du für eine Aktie rund 354 Euro hinblättern. Wärst du zu Beginn des Jahres 2016 schon eingestiegen, als der Kurs noch bei gut 120 Euro lag, hättest du richtig Kohle machen können.

Gerade Pokémon Go befeuerte den Erfolg des Unternehmens enorm. Die schwächelnden Absatzzahlen der Nintendo Switch (2019 nur noch 17 Millionen, statt wie erwartet 20 Millionen), einer portable Konsole für jüngere Leute, trüben zwar aktuell die Erwartungen an Nintendo etwas ein. Doch mit einem derzeitigen Marktwert von 47,27 Milliarden Euro und 130 Jahren Erfahrungen in der Produktion von Spielen, kann wohl nicht allzu viel schiefgehen.

ein Artikel von
Moritz Weinstock
Moritz Weinstock
Moritz hat Kommunikationswissenschaften in Wien studiert und seine Leidenschaft fürs Schreiben mit nach Berlin gebracht. Nach lehrreichen Jahren als Redakteur bei einem Motorradmagazin, ist er nun als Channel-Editor für ZASTER tätig. Sein Zugang zur Wirtschaftswelt: er lebt auf zehn Quadratmetern und spart, was das Zeug hält.

Noch mehr Zaster